7.12.2015 11:21
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wirtschaft
Bilaterale: 75% der Unternehmer fürchten ein Ende
Fallen die bilateralen Verträge mit der EU dahin, sehen knapp drei Viertel der Schweizer Unternehmen schwarz. Etliche sehen sich sogar in ihrer Existenz bedroht. Aktuell sieht über ein Drittel eine Verschlechterung des Wirtschaftsstandorts Schweiz gegenüber 2014.

Hauptgründe dafür sind die Frankenstärke und der hohe Preisdruck, wie das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG in einer am Montag veröffentlichten Studie ausweist. Befragt wurden 81 Unternehmen.

Gesunkene Wettbewerbsfähigkeit

45 Prozent der Unternehmen beurteilten ihre Lage aufgrund der Frankenstärke als deutlich schlechter als noch im Vorjahr. Sie können den Preisdruck nur begrenzt weiter geben und verschaffen sich bestenfalls etwas Zeit für strukturelle Anpassungen. Dieses veränderte Marktumfeld schlägt sich in einer negativeren Einschätzung des Wirtschaftsstandorts nieder. Die Schweizer Wettbewerbsfähigkeit bewerten 64 Prozent der Befragten schlechter als 2014 vor der Aufhebung der Euro-Untergrenze. 16 Prozent sehen sich in der Existenz bedroht.

Eine besonders starke Eindunkelung stellten gemäss KPMG die Sektoren Konsumgüter und Detailhandel sowie Industrie und Fertigung fest. Im Konsumgüter- und Detailhandelsbereich bezeichneten 71 und in Industrie und Fertigung 75 Prozent die Entwicklung als negativ.

Existenzbedrohende Risiken ohne Bilaterale

Politisch sind die Firmen wegen einer möglichen Kündigung der bilateralen Verträge mit der EU am meisten verunsichert. 73 Prozent sehen in diesem Fall ein grosses bis existenzbedrohendes Risiko für ihre Betriebe. Insgesamt richten sich die Unternehmen gemäss der Studie weiterhin auf Innovation und Wachstum aus und setzen nicht nur auf Kosteneinsparungen. Von den Firmen mit negativer Beurteilung des Marktumfelds führen 40 Prozent keine Restrukturierungen durch und planen auch keine.

Der Bund veröffentlichte am Freitag zwei unabhängige Studien, die riesige Folgen für die Wirtschaft errechneten, sollten die Bilateralen I ab 2018 als Folge der SVP-Zuwanderungsinitiative wegen der Guillotine-Klausel dahinfallen. Gemäss der einen Studie würde das Bruttoinlandprodukt (BIP) bis 2035 um 460 Milliarden Franken einbrechen, gemäss der anderen um 630 Milliarden. Das entspricht einem aktuellen Jahreseinkommen der schweizerischen Volkswirtschaft.

Das BIP läge in zwanzig Jahren um 4,9 oder 7,1 Prozent tiefer als ohne die Verträge mit der EU. Die unterschiedlichen Resultate kommen zustande, weil die eine Studie die Forschungsabkommen nicht einrechnete.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE