24.01.2017 15:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Energie
Bioabfälle: Grosses Energiepotenzial
Aus den Schweizer Bioabfällen lässt sich Methan gewinnen, der Hauptbestandteil von Erdgas. Eine von Forschenden des Paul Scherrer Instituts (PSI) entwickelte Technologie könnte die Methan-Ausbeute künftig noch erhöhen. Ein Langzeittest am Vergär- und Klärwerk Werdhölzli soll die Technik zur industriellen Anwendung bringen.

Aus Bioabfällen und Klärschlamm lässt sich in Vergäranlagen Roh-Biogas herstellen, aus dem man Methan gewinnen kann. Dafür musste allerdings bisher mühsam das Kohlendioxid (CO2) aus dem Roh-Biogas abgetrennt werden, das bis zu 40 Prozent des Gemischs ausmacht.

Direkt-Methanisierung 

Eine neue Technik des PSI kann die Methan-Ausbeute deutlich erhöhen: Statt das CO2 aufwendig abzutrennen, fügen die Forschenden Wasserstoff hinzu und lassen beides zu noch mehr Methan reagieren, wie das Forschungsinstitut mitteilte. Diese sogenannte Direkt-Methanisierung könnte die Methan-Ausbeute aus Biogasanlagen künftig um zwei Drittel steigern.

Kernstück dabei ist ein Katalysator, der die chemische Reaktion ermöglicht. Dies geschieht in einem sogenannten Wirbelschicht-Reaktor, schrieb das PSI.

Stabilität und Wirtschaftlichkeit

«Roh-Biogas ist von seiner Zusammensetzung her nicht gleichbleibend», sagte PSI-Projektleiter Serge Biollaz gemäss der Mitteilung. Nun gelte es nachzuweisen, dass das Verfahren auch über längere Zeit ein durchgehend stabiles Ergebnis liefere.

Geplant ist daher ein Praxistest im 1000-Stunden-Dauerbetrieb am Vergär- und Klärwerk Werdhölzli. Der Test findet in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Energieanbieter Energie 360° statt. Ausserdem soll die Wirtschaftlichkeit des Systems geprüft werden. Dies solle die Technologie auf dem Weg zur industriellen Anwendung vorantreiben, so die Mitteilung.

Solarstrom zu Wasserstoff und Methan

Das Potenzial des Ansatzes ist gross: So könnte der Wasserstoff für die Reaktion mit CO2 beispielsweise auch aus sogenannten Power-to-Gas-Systemen stammen. Dabei wird Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie Sonne oder Wind genutzt, um durch Elektrolyse Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu spalten.

In Form von Wasserstoff - oder dann eben Methan - lässt sich die Energie speichern für den späteren Gebrauch. Damit könnte die Direkt-Methanisierung einen wertvollen Beitrag zu einer stabilen und umweltfreundlichen Energieversorgung leisten.

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