3.04.2019 11:03
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Bio
Biokühe: Verbot von konventionellem Futter?
Die Fütterung von Biokühen schlägt hohe Wellen. Nun hat auch der «Kassensturz» dem Thema einen Beitrag gewidmet. Darin kritisieren die TV-Macher, dass die Fütterung von Biokühen mit konventionellem Heu nicht transparent gemacht wird. Thomas Herwig, Leiter Fachgruppe Milch von Bio Suisse, will sich für ein Verbot einsetzen.

Im vergangenen Sommer litt die Landwirtschaft unter der extremen Trockenheit. Das Graswachstum kam zum Erliegen, zahlreiche Milchbauern mussten bereits im Spätsommer ihre Wintervorräte füttern. Sie mussten teilweise auch Raufutter zukaufen.

Futtermangel

Der Kassensturz besuchte den Landwirt Christian Hinder aus Bischofszell TG. Dieser bewirtschaftet einen 15 Hektaren grossen Betrieb. Er produziert Biogemüse und Biomilch. «Wegen der grossen Trockenheit reichte unser Knospenfutter nicht mehr, ich musste von einem Nachbarbetrieb, der konventionell wirtschaftet, zukaufen», sagte Hinder. Auch andere Biobetriebe konnten ihm nicht aushelfen.

Das Tun von Hinder ist erlaubt. Denn die Bio-Verordnung lässt eine temporäre Fütterung mit konventionellem Futter zu. «Bei Futtermittelertragsverlusten, insbesondere auf Grund aussergewöhnlicher Witterungsverhältnisse, darf ein Biobetrieb für einen begrenzten Zeitraum konventionell füttern, wenn er glaubhaft darlegen kann, dass nicht genügend biologisches Futter verfügbar ist», heisst es dort.

20 Prozent des Jahresbedarfs

Gemäss «Bio Inspecta» und «Bio Test Agro» heisst «Für einen begrenzten Zeitraum» maximal 20 Prozent des Jahresbedarfs an Futter darf auf einem Biohof konventionell sein. Wenn ein Bio-Bauer mit 20 Kühen den Jahresbedarf komplett ausschöpft, füttert er vier Kühe vollständig konventionell.

Hinder beantragte eine Ausnahmebewilligung. Dies wolle man als Biobauer bestimmt nicht. «Aber es war die letzte mögliche Massnahme, die Verantwortung wahrzunehmen, die man gegenüber den Tieren hat», sagte er in der Sendung. Gemäss einer Recherche des Kassensturzes haben die Ausnahmebewilligungen im vergangenen explosionsartig zugenommen. Wurden 2017 noch 21 Bewilligungen ausgesprochen, so stieg dieser Wert im vergangenen Jahr auf 800.

2 Prozent des Futters zugekauft

Der Kassensturz kritisiert nun, dass das Füttern von Biokühen mit konventionellem Raufutter nicht transparent gemacht wird. Und die TV-Macher haben dazu Thomas Herwig, Leiter Fachgruppe Milch von Bio Suisse, ins Studio geladen. «Man habe sich auch in diesem Extremjahr 2018 an den Richtlinien von Bio Suisse gehalten», sagt Herwig auf die Kritik der fehlenden Deklaration.

Das Zukaufen von konventionellem Futter sei die letzte Massnahme, die man anwende. Insgesamt seien 2 Prozent des Futters zugekauft worden, präzisiert Herwig. Die Zahl von 800 Ausnahmebewilligungen sei hoch. «Aber die Trockenheit in der Schweiz und in ganz Europa war extrem», fährt er fort. «Ich bin aber stolz, dass 85 bis 90 Prozent der Biobauern es geschafft, ohne Futterzukauf über die Runden zu kommen», erklärt Herwig. Ein Betrieb erhalte nicht einfach so eine Bewilligung, sondern dieser müsse beweisen, dass er das Futter nicht auf einem anderen Weg beschaffen könne.

Herwig für Verbot

Herwig überraschte im Gespräch mit Moderator Ueli Schmezer mit der Aussage, dass ein Verbot von konventionellem Futter für Biokühe eine Option sei. Man werde das mit der Basis nun diskutieren. Damit will Bio Suisse dem Vorwurf der mangelnden Deklaration entgegentreten. «Ich persönlich stehe für eine Variante, die transparent und fair ist», sagt Herwig. Und er spreche hier auch im Namen von vielen anderen Biobauern. 

«Wenn Sie mich nach meiner persönlichen Meinung fragen: Es wäre einfacher, wenn wir das Zufüttern von konventionellem Futter verbieten. Am Schluss entscheidet aber die Delegiertenversammlung», macht er klar. Herwig, der selber Biobauer ist, will mit seinem Teilverband Jura Abklärungen treffen und einen Vorstoss zum Verbot von konventionellem Futter einreichen.

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