4.12.2019 16:14
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Biomilchpreise decken Kosten nicht
In Deutschland werden die Erzeugungskosten der Biomilch nicht durch das Milchgeld gedeckt.

Die stetig wachsende Nachfrage nach Bioprodukten hat viele Milchbauern zur Betriebsumstellung motiviert und die Ökomilcherzeugung wachsen lassen. Wie eine vom European Milk Board (EMB), dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) und der MEG Milch Board in Auftrag gegebene Studie des Büros für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) jetzt zeigt, werden in Deutschland die Erzeugungskosten der Biomilch aber nicht durch das Milchgeld gedeckt.

Über 20 Prozent fehlen

Den Analysten zufolge lagen die gesamten Produktionskosten für ein Kilogramm Ökomilch im Wirtschaftsjahr 2018/19 bei durchschnittlich 71,89 Cent (78.5 Rp.), die sich nach Abzug der Beihilfen in Form von Direktzahlungen und Zuschüssen auf noch 60,29 Cent/kg (65.9 Rp.) beliefen. Dem habe bei der Anlieferung an die Molkereien nur ein mittlerer Produzentenpreis von 47,40 Cent/kg (51.8 Rp.) für Biomilch mit 4,0% Fett und 3,4% Eiweiss gegenübergestanden. Es fehlten somit 12,89 Cent/kg (14.1 Rp.) beziehungsweise 21,4% zur Vollkostendeckung.

Der BDM-Landesvorsitzende in Hessen, Klaus Vetter, betonte, dass 2018/19 kein Ausnahmejahr gewesen sei, sondern die Unterdeckung laut Studie in dem Fünfjahreszeitraum von 2014/15 bis 2018/19 sogar bei 16,34 Cent/kg (17.9 Rp.) oder 25,5% gelegen habe. „Auch wenn der Biomilchpreis in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt relativ stabil zwischen 47,0 Cent/kg und 48,5 Cent/kg lag, war das keine entspannte Situation für die Produzenten“, stellte Vetter fest.

Faire Entlohnung nicht gewährleistet

Für den Vorsitzenden der MEG Milch Board, Peter Guhl, zeigt die zukünftig jedes Jahr erscheinende Analyse der BAL, dass „bei all den Unterschieden zwischen konventioneller und biologischer Produktion alle Milcherzeuger mit einer signifikanten Kostenunterdeckung konfrontiert sind“.

Alle drei an der Studie beteiligten Verbände hoben hervor, dass eine faire Entlohnung der Biomilchbauern nicht gewährleistet sei. Dies dächten jedoch die meisten Konsumenten beim Biomilcheinkauf und wollten, dass die Biomilcherzeugung zukunftsweisend und zukunftsfähig sei. Dies setze jedoch einen tatsächlich kostendeckenden Milchpreis voraus, mit dem die bäuerlichen Milchviehbetriebe auch zukunftsfähig wirtschaften und nachhaltig existieren könnten.

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