18.05.2015 16:04
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Thurgau
Biorender - wie weiter?
Die Anlage der konkursiten Biorender AG in Münchwilen TG hat zwar mit Jacques Hunziker einen neuen Besitzer. Seine Pläne hat er aber bisher noch nicht bekannt gegeben. Die Stadt St. Gallen, als momentan einzige Abnehmerin des Biogases, wurde bisher nicht kontaktiert.

In Münchwilen TG produziert die Fleischvergärungsanlage der Biorender AG weiterhin Biogas - trotz Konkurs und Besitzerwechsel. Noch bis im Oktober ist die Herisauer Jakob Bösch AG Mieter der Anlage und die Stadt St. Gallen hat die Abnahme von Biogas zu einem kostendeckenden Preis vertraglich zugesichert.

Neuer Besitzer "abgetaucht"

Danach ist offen, wie es mit dem Pionierprojekt weitergeht, an dem sich die Städte St. Gallen, Wil und Winterthur als Grossaktionäre beteiligt hatten und das immer wieder Diskussionen auslöste.

Neuer Besitzer der Anlage ist nach der Auktion am 18. März der frühere Biorender-Verwaltungsrat und -Geschäftsführer Jacques Hunziker. Nur: Hunziker ist telefonisch nicht erreichbar und lässt Mails mit entsprechenden Fragen auch nach mehreren Tagen unbeantwortet.

Keine Kontakte zu Hunziker

Fest steht, dass es mit möglichen Geschäftspartnern bisher keine Gespräche gegeben hat. Auch nicht mit dem aktuellen Mieter der Anlage: Er habe von Hunziker nichts gehört, erklärte Jakob Bösch von der Jakob Bösch AG gegenüber der sda. Bösch war mit seinem Gebot an der Auktion unterlegen und musste seine Pläne für einen Ausbau der Anlage aufgeben.

«Wir sind bisher nicht kontaktiert worden», sagte Andreas Bolliger, Geschäftsführer der Erdgas Ostschweiz AG. Dem Unternehmen gehören die Leitungen, über die das Biogas zu den Abnehmern transportiert wird.

Keine Anfrage an St. Gallen

Auch mit der Stadt St. Gallen gab es bisher keine Gespräche. Nach dem Ausstieg von Wil und Winterthur und dem darauf folgenden Konkurs ermöglichte die Stadt St. Gallen im Herbst 2014 die Weiterführung des Betriebs. Die Stadtwerke seien nicht angefragt worden, ob sie weiter Biogas abnehmen wollten, gab Ivo Schillig, Direktor der St. Galler Stadtwerke, Auskunft. Es sei durchaus möglich, Biogas auch aus anderen Quellen zu beziehen, merkte er an.

Vorläufig bleibt offen, ob Jacques Hunziker die Anlage alleine oder zusammen mit Partnern erworben hat. Nach der Versteigerung, an der er 200'000 Franken in bar zahlte, konnte er den restlichen Betrag von 4,8 Mio. Franken zuerst nicht aufbringen. Schliesslich wurde die Summe dann doch überwiesen. Seine Vorauszahlung hätte Hunziker sonst verloren.

Verflechtungen rund um Biorender

Zu den Verflechtungen rund um die Biorender AG gehört, dass Jacques Hunziker die 5 Mio. Franken an die Topig AG mit den Verwaltungsräten Jakob und Bruno Bösch zahlen wird. Die Topig AG hat einem Bankenkonsortium die Grundpfand-Schulden zu einem unbekannten Preis abgekauft. Weiter sitzt Bruno Bösch im Verwaltungsrat von Hunzikers früherer Firma, der Hunziker Food Recycling AG, die sich seit März 2015 in Konkurs befindet.

Prozess gegen früheren Wiler Stadtrat

Vorläufig muss abgewartet werden, bis Hunziker seine Pläne bekannt gibt. Die Biorender AG wird aber so oder so bald wieder zu reden geben. Allerdings geht es dabei mehr um die Vergangenheit: Am 29. Mai findet vor dem Kreisgericht Wil die Verhandlung gegen den früheren Wiler Stadtrat Andreas Widmer und zwei leitende Angestellte der Technischen Betriebe Wil statt.

Ihnen wirft der ausserordentliche Staatsanwalt ungetreue Geschäftsbesorgung vor. Es geht um Zahlungen an die Biorender AG und um die Frage, wer entscheiden konnte, dass wegen der technischen Probleme der Anlage für das Biogas ein weit höherer Preis bezahlt werden sollte, als ursprünglich vereinbart.

Noch offen ist zudem, ob eine Klage der Biorender AG gegen die Stadt Wil wegen angeblichen Vertragsbruchs weiterverfolgt wird. Sie ist wegen des Konkurses vorläufig sistiert.

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