2.10.2013 15:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Ursina Galbusera
Bio Suisse
Biosoja soll in Europa wachsen
Zwei Drittel des Sojabedarfs deckt die Schweizer Bioeierbranche mit Importen aus China. Der Bioeierhändler Hosberg AG will dies mit seiner Pionierarbeit in Ungarn ändern. Er fordert Massnahmen von Bio Suisse.

Ohne Soja als Eiweissträger kommen auch die Bioeierproduzenten nicht aus. Der jährliche Bedarf liegt in der Schweiz bei ca. 8'000 Tonnen Biosoja, was einer Anbaufläche von über 2'500 Hektaren entspricht. Heute stammt Biosoja zu gut zwei Dritteln aus China, was mit langen Transportwegen verbunden ist und nicht dem Nachhaltigkeitsgedanken des Biolandbaus entspricht.

Während Nachbarländer wie Deutschland und Österreich konsequent auf europäische Soja setzen, greifen die Schweizer Futtermühlen noch immer mehrheitlich auf billigere Biosoja aus China zurück. Ihr Argument: Es gäbe nicht genug Knospe-zertifizierte Soja aus Europa.

Potenzial in Osteuropa

Alfred Reinhard, Geschäftsführer der Bioeier-Handelsfirma Hosberg AG, ist diese Situation seit Langem ein Dorn im Auge. Er ist überzeugt, dass in den osteuropäischen Ländern wie Rumänien und Ungarn noch viel Potenzial liegt. Auf seinem eigenen 700-ha-Betrieb in Ungarn baut er seit 2009 Biosoja an und leistet damit Pionierarbeit: Die anfänglich sehr tiefen Erträge konnten auf 3t/ha gesteigert werden.

«Neben der intensiven Unkrautregulierung ist die Sortenwahl ausschlaggebend für den Ertrag», weiss Reinhard. Er hat dieses Jahr mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) einen Sortenversuch angelegt und dabei sehr ertragsstarke Sorten ausfindig gemacht. Die Erkenntnisse aus dem Sortenversuch vermittelte das FiBL im September im Rahmen der ersten ungarischen Biosoja-Tagung an Berater und Landwirte aus der Region.

Öl noch zu wenig gefragt

«Die Kultur ist für einen ungarischen Biobetrieb sehr lukrativ», so Reinhard. Einerseits, weil Ungarns Biolandwirtschaft generell einen sehr tiefen Viehbesatz aufweise und Leguminosen daher gesucht seien. Andererseits, weil in den letzten Jahren der Preis für Biosojabohnen von 600 Euro/t auf knapp 800 Euro/t gestiegen sei. «Bei diesen Preisen ist ein Ertrag von 2 t/ha bereits kostendeckend», rechnet der gelernte Bauer Reinhard.

Der Preisunterschied zwischen europäischem und asiatischem Biosojakuchen betrage aktuell ca. 100 bis 200 Franken pro Tonne. Ein Teil des Mehrpreises ist laut Alfred Reinhard auch darauf zurückzuführen, dass die Nachfrage nach Biosojaöl in Europa sehr beschränkt ist. «In China hingegen finden diese zwanzig Prozent der Sojabohne eine sehr gute Wertschöpfung.» Der Unternehmer hat bereits viele Ideen im Hinterkopf, wie man auch das europäische Biosojaöl gut vermarkten könnte.

China-Soja einschränken

Sein Sojaschrot verfüttert er indes auf dem eigenen Legehennenbetrieb in Ungarn. Die Überschüsse gehen an eine österreichische Futtermühle. Dass eines Tages aber auch die Bioeierproduzenten der Hosberg AG in der Schweiz von seiner Sojainitiative in Ungarn profieren werden, davon ist Reinhard überzeugt: «Die Sojaproduktion in Osteuropa wird zunehmen. Wenn die Futtermühlen weiterhin Ausreden bringen, dann muss es an Bio Suisse sein, die Sojaimporte aus China stärker einzuschränken.»

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