28.02.2013 10:57
Quelle: schweizerbauer.ch - Jürg Rüttimann, sda
Konjunktur
BIP im 2012 um 1,0 Prozent gestiegen - auch durch Einwanderung
Dank eines sich prächtig entwickelnden Konsums und wieder steigenden Investitionen in Immobilien und Produktionsanlagen ist die Schweizer Wirtschaft von Oktober bis Dezember um 0,2 Prozent gewachsen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg das Bruttoinlandprodukt um 1,4 Prozent.

Die Wirtschaftsentwicklung im vierten Quartals 2012 war damit etwas stärker als von Experten erwartet. Diese waren in einer Umfrage der Nachrichtenagentur AWP im Maximum von einem Quartalswachstum von 0,2 Prozent ausgegangen, einzelne Ökonomen hatten sogar mit einem Minus gerechnet.

In Europa schrumpfte BIP

Sehr gut steht die Schweiz im Vergleich zu Europa da. Dort ist die Wirtschaft zum Jahresende so stark eingebrochen wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Von Oktober bis Dezember schrumpfte das BIP des Euroraums im Quartalsvergleich um 0,6 Prozent und im Vergleich zum Vorjahr um 0,9 Prozent.

Selbst Deutschland, der wichtigste Handelspartner der Schweiz und Konjunkturlokomotive Europas, verzeichnete einen BIP-Rückgang von 0,6 Prozent im vierten Quartal. «Schwach im schweizerischen Massstab, aber stark im internationalen Vergleich», kommentierte denn auch Bernard Lambert, der Konjunkturexperte der Bank Pictet, die jüngsten Schweizer BIP-Zahlen.

Gesundheitsausgaben steigen um 4 Prozent

Die rezessive Stimmung in Europa hatte direkte Auswirkungen auf die Schweiz: Die Exportwirtschaft hatte zu kämpfen, die Warenexporte sanken. Ein Plus verzeichnet werden konnte dagegen bei den Dienstleistungsexporten. Dies war sowohl auf den Tourismus wie auch auf andere Dienstleistungszweige wie Banken und Versicherungen zurückzuführen.

Als Stütze der wirtschaftlichen Entwicklung erwies sich einmal mehr der Konsum. Private Haushalte gaben im vierten Quartal 1,1 Prozent mehr aus als drei Monate davor. Die Wachstumsrate bei den Ausgaben des Bundes, der Kantone und Gemeinden stieg im gleichen Ausmass, wie aus den am Donnerstag vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) veröffentlichten Zahlen hervorgeht.

Wichtiger Faktor beim Privatkonsum sind unter anderem die Gesundheitsausgaben. Diese steigen Jahr für Jahr um rund 4 Prozent. Mittlerweile beträgt ihr Anteil an den privaten Konsumausgaben gegen 15 Prozent, wie Bruno Parnisari, Leiter des Ressorts Konjunktur beim Seco, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda ausführte. Damit steigt auch die Bedeutung des Gesundheitswesen: Dieses macht produktionsseitig inzwischen rund 6 Prozent des Bruttoinlandproduktes aus.

Pro-Kopf-BIP stagniert

Von Bedeutung für die Entwicklung des BIP ist auch die Zuwanderung. Wie stark die Bevölkerung letztes Jahr aufgrund der Einwanderung gestiegen ist, ist noch nicht bekannt. Hochgerechnet kann man aber von einem Plus von 1,0 bis 1,1 Prozent ausgehen. Pro Kopf hätte das BIP der Schweiz damit laut Parnisari im vergangenen Jahr stagniert oder wäre sogar leicht zurückgegangen.

In ersten provisorischen Berechnungen geht das Seco davon aus, dass die Schweizer Wirtschaft im ganzen Jahr 2012 real, also um die Veränderungen des Preisniveaus korrigiert, 1,0 Prozent gewachsen ist. Die Preisveränderungen nicht herausgerechnet hätte eine  Wachstumsrate von 1,1 Prozent resultiert.

2013: Wachstum von mehr als 1 Prozent

Auch 2013 wird die Wirtschaft gemäss der Konjunkturforscher ähnlich stark wachsen: Zwar sind nicht alle Erwartungenso optimistisch wie jene von Bernard Lambert von der Bank Pictet. Er geht von einem Wachstum von 1,7 Prozent aus. Gemäss zahlreicher im Dezember veröffentlichten Wachstumsprognosen dürfte das BIP um mehr als 1 Prozent steigen.

Auch die ersten Zeichen im laufenden Jahr deuten keineswegs darauf hin, dass sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert: In der EU etwa verbesserte sich im Februar die Wirtschaftsstimmung gemäss des von der EU-Kommission berechneten Barometers im Februar bereits den vierten Monat in Folge. Und der Konsumindikator der Grossbank UBS sagt ein weiterhin stabiles Konsumwachstum in der Schweiz voraus.

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