4.09.2018 17:45
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Milchmarkt
BOM vor grossen Herausforderungen
Der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) trifft sich diese Woche wieder. Traktandiert ist die Höhe des Mehrpreises für den Nachhaltigkeitsstandard, aber die Bauern wollen auch einen höheren Richtpreis.

Vor zwei Woche hat der BOM-Vorstand wichtige Detailfragen für die beiden privatrechtlichen Fonds innerhalb der Nachfolgelösung für das auslaufende Schoggigesetz klären können. Hier konnte eine Lösung auf die Beine gestellt werden, die im Jahr 2019 ein Chaos verhindern wird. Doch in anderen Bereichen hat die BOM unmittelbare Herausforderungen zu bewältigen.  

So hat Präsident und Ständerat Peter Hegglin (CVP, ZG) vor einem guten Jahr bei seiner Wahl zum BOM-Präsidenten selbst festgestellt, dass die Molkereimilchpreise für die Bauern vielfach nicht kostendeckend sind. Er ist nun gefordert, die Verarbeiter und die Detailhändler in die Pflicht zu nehmen. Vielleicht ist denen aber egal, wer unter ihnen Präsident ist. Hegglin selbst hat nämlich kein Stimmrecht. 

Vier unmittelbare Herausforderungen

1. Wertschöpfung für alle. In den Statuten der BOM steht, dass die Wertschöpfung ihrer Mitglieder gefördert werden soll. Doch für die allermeisten Produzenten von ÖLN-Molkereimilch sind die Preise seit Jahren nicht kostendeckend, während alle anderen Marktakteure ihre Kosten decken, ja teilweise sogar Millionengewinne ausweisen können. Nächste Woche hat es die BOM in der Hand, auf die Schweizer Milchproduzenten (SMP) zu hören und den Richtpreis für A-Milch im vierten Quartal 2018 auch wegen der Trockenheit doch noch zu erhöhen. In den Statuten steht auch, dass die Marktanteile gehalten werden sollen. Das aber führt dazu, dass auch Marktsegmente mit schlechter Wertschöpfung bleiben und dass den Bauern tiefe Mischpreise ausbezahlt werden. Übrigens hat die Migros diesen Sommer steigende Glacepreise mit höheren Betriebskosten begründet. 
2. Mehrpreis für Nachhaltigkeitsstandard. Die BOM will einen einheitlichen Standard für nachhaltige Schweizer Milch. Dem Vernehmen nach soll die Pflicht zu BTS oder Raus ein Teil davon sein. Verarbeiter und Detailhändler wollen aber bislang keinen Mehrpreis versprechen, der  für die  Produzenten akzeptabel wäre.
3. Verkäsungszulage für Billigmilch. Die BOM publiziert einen Mindestpreis für verkäste Milch, den sogenannten LTO+-Preis. Kontrolliert wird dieser aber nur auf der Basis des Mischpreises. Es ist also möglich, auch für Billigstmilch die staatliche Verkäsungszulage von 15 Rp./kg abzuholen. Das gibt bei den Preisen für Käse und verkäste Milch einen Druck nach unten. Die BOM hat dazu eine Arbeitsgruppe eingesetzt.
4. Milchkaufverträge. Artikel 37 des Landwirtschaftsgesetzes verlangt in den Verträgen unter anderem Regelungen über die Menge. Doch das BOM-Reglement zur Segmentierung lässt zu, dass gegenüber dem Bauern nicht eine Menge definiert wird, sondern nur die Anteile von A-, B- und C-Milch in Prozenten. Das befördert das Mengenwachstum, und zu viel Milch ist in der Regel nur für die Abnehmer gut.

Vier strukturelle Probleme der BOM 

1. Geschäftliche Verbindungen zwischen Vorstandsmitgliedern. Ein grosser Teil der Vorstandsmitglieder steht miteinander auch geschäftlich in Kontakt. Darauf weisen Kritiker der BOM seit Langem hin. Emmi beispielsweise verkaufen mehrere Milchhandelsorganisationen, die im BOM-Vorstand vertreten sind, erhebliche Mengen Milch. Es hat auch zwei Geschäftsführer von Milchhandelsorganisationen im Vorstand. Bei Milchverkaufsverhandlungen sitzen die Molkereien tendenziell am längeren Hebel. Dieses mögliche Abhängigkeitsverhältnis kann auf die BOM abfärben und die Interessenvertretung der Produzenten erschweren.
2. Milchhändler statt Milchbauern. Auf Produzentenseite sitzen mit Ausnahme der drei SMP-Abgesandten Vertreter von Milchhandelsorganisationen am Tisch. Nicht immer, z.B. in Fragen der Menge, müssen die Interessen genau dieselben sein. Landwirt Fritz Glauser aus Châtonnaye FR dachte bei der  BOM über ein Dreikammersystem mit Milchbauern, Milchhändlern und Milchverarbeitern nach. Vielleicht ist er gerade darum von den SMP-Delegierten nicht zum Nachfolger von SMP-Präsident Peter Gfeller gewählt worden.
3. Vetorecht der Käser. Die drei Vertreter des Käsereigewerbes haben eine Sperrminorität. Wenn sie wollen, können sie einen Beschluss für eine Richtpreiserhöhung verhindern. Sie sagen aber, sie hätten das noch nie getan. Es kann aber reichen, dass man weiss, dass sie ein Vetorecht haben. Die Käser betonen, dass ein nicht zu unterschätzender Teil der von gewerblichen Käsereien verarbeiteten Milch mit Molkereimilchprodukten in Konkurrenz steht. Es ist aber auch eine Tatsache, dass gerade Emmentaler-AOP-Käsereien befürchten, dass weitere Betriebe auf Molkereimilch aus Silofutter umstellen, wenn der Preisabstand zur Molkereimilch nur noch klein  ist. 
4. Rivalität zwischen Coop und Migros. Auch weil Coop sich im  Juni 2017 mit 3 Rp./kg mehr brüstete, obwohl der Richtpreis (auch dank Mittun der Migros) nicht stieg, sind die  Migros und ihre Tochter Elsa aus der BOM ausgetreten.

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