9.05.2014 07:49
Quelle: schweizerbauer.ch - Jonas Ingold, lid
Kommunikation
«Brücken zu schlagen ist wichtiger denn je»
Kurt Nüesch wurde am vergangenen Mittwoch zum neuen Präsidenten des LID gewählt. Der Direktor der Schweizer Milchproduzenten (SMP) erklärt im Interview, wie er seine neue Aufgabe wahrnehmen will.

Der LID wurde vor 77 Jahren gegründet, um Brücken zwischen Stadt und Land zu schlagen. Für wie aktuell halten Sie diese Thematik heute?
Kurt Nüesch: Die Thematik hat nichts von ihrer Bedeutung verloren. Zwar wird die Grenze zwischen Stadt und Land immer mehr verwischt und es ist immer weniger erkennbar, was Stadt und was Land ist. Dazu werden die Menschen immer mobiler. Das gegenseitige Verständnis zwischen der urbanen und der ländlichen Bevölkerung wird dadurch aber nicht automatisch besser. Hier Brücken zu schlagen ist heute vielleicht wichtiger denn je.

Was wünschen Sie sich von den Städtern in Bezug auf die Landwirtschaft und umgekehrt?
Obwohl ich seit einigen Jahren selber Städter bin, fühle ich mich nicht befugt, hier Wünsche anzubringen. Es liegt an der Landwirtschaft und ihren Organisationen, die Bedürfnisse und Erwartungen nicht nur der Städter, sondern der gesamten urbanen und nicht-landwirtschaftlichen Bevölkerung und der Konsumenten zu erfassen und darauf Antworten zu finden. Letztlich geht es in der Wirtschaft und unserer Gesellschaft doch immer darum, Bedürfnisse zu erkennen und zu wecken, um diese dann mit unserem Angebot an Produkten und Leistungen zu erfüllen. Was ich feststelle ist, dass vor allem die urbane Bevölkerung sehr heterogen ist oder geworden ist. Deshalb gibt es keine pauschalen Antworten. Offenheit, eine gewisse Toleranz und aufeinander zugehen ist aber sicher nicht falsch, um sich besser zu verstehen und einander näher zu kommen.

Wie sehen Sie ihre Rolle als LID-Präsident?
Ich treffe beim LID auf ein kleines, aber sehr kompetentes, effizientes und engagiertes Team, das unter der Leitung von Markus Rediger ausgezeichnete Arbeit leistet. Als Präsident will ich das, was unter meinen Vorgängern Samuel Lüthi und Albert Rösti in den letzten 20 Jahren geschaffen worden ist, zusammen mit diesem Team weiter entwickeln. Meine wichtigsten Aufgaben sehe ich in der Sicherung der Finanzierung für dieses unverzichtbare Dienstleistungsunternehmen sowie im weiteren Ausbau der Zusammenarbeit unter den verschiedenen Institutionen, die im Bereich der Kommunikation der schweizerischen Land- und Ernährungswirtschaft tätig sind.

Wie sehen Sie die Perspektiven für die Schweizer Landwirtschaft? Wie muss sich die Landwirtschaft positionieren, um konkurrenzfähig mit dem Ausland zu bleiben?
Mittel- und längerfristig schätze ich die Perspektiven für die Schweizer Landwirtschaft als sehr gut ein. Die Bedeutung der Versorgung der weiter wachsenden Bevölkerung mit qualitativ hochstehenden Nahrungsmitteln wird weiter zunehmen. Dazu verfügt die Schweizer Landwirtschaft über hervorragend ausgebildete, qualifizierte und engagierte Bäuerinnen und Bauern sowie einen in Bezug auf Qualität, Ökologie und Tierwohl weltmeisterlichen Standard. Auf diesem Niveau weiterzufahren und die sich ändernden Bedürfnisse und Rahmenbedingungen zu antizipieren, sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren, um konkurrenzfähig zu bleiben. Sehr wichtig bleiben aber auch günstige politische Rahmenbedingungen.

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