10.10.2017 12:05
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Gesundheit
Burnout: Landwirte mehr betroffen
Von der Stresserkrankung Burnout sind Landwirtinnen und Landwirte häufiger betroffen als die übrige Bevölkerung. Finanzielle Faktoren und Konflikte haben sich gemäss der Studie als relevant erwiesen. Soziale Kompetenzen können als Schutzfaktor dienen.

Das Thema Burnout in der Landwirtschaft ist bisher nur sehr wenig erforscht. Die Forschungsanstalt Agroscope und die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW haben sich der Thematik angenommen. Im Mai und Juni 2016 wurden an 4000 Schweizer Landwirtinnen und Landwirte verschickt und von 1358 Betriebsleitenden respektive deren Partner online oder schriftlich ausgefüllt.

Starke und langandauernde Erschöpfung

Die Stresserkrankung Burnout hat in den vergangenen Jahren laufend zugenommen. Die Betroffenen leiden häufig unter vielfältigen Symptomen. Die sehr starke und langandauernde Erschöpfung ist eine der Konsequenzen. Die Entwicklung eines Burnouts verläuft meist schleichend und lange unbemerkt. Dies wird auch Burnout-Spirale genannt.

Bei der Studie handelt sich um eine Befragung und nicht um eine klinische Diagnose. Deshalb sprechen die Autoren von einer Burnout-Gefährdung. Und diese liegt in der Landwirtschaft bei 12 Prozent. Damit sind die Bauern deutlich häufiger von Burnout betroffen als der Durchschnitt der übrigen Bevölkerung. Die Burnout-Werte für die Schweizer Allgemeinbevölkerung liegen bei 6.1 Prozent. Bei diesem Wert handelt es sich um die Erschöpfungsrate, ermittelt durch Gesundheitsförderung Schweiz 2014, mittels eines eigens entwickelten Fragebogens.

Grösse und Art der Betriebe eher wenig Einfluss

Die Forschenden haben auch nach den Faktoren gesucht, die ein Burnout auslösen. Wie bei der übrigen Bevölkerung ist das Burnout auch in der Landwirtschaft auf mehre Faktoren zurückzuführen. Neben persönlichen Eigenschaften und Lebenserfahrungen einer Person beeinflussen auch äussere Faktoren und Belastungen die Entstehung von Burnout.

Bei den Bauern im Speziellen zeigte sich, dass die Grösse und Art der Betriebe eher wenig Einfluss haben. «Die finanzielle Situation, der allgemeine Gesundheitszustand, Freizeitmangel und Zeitdruck sowie die enge Verflechtung von Arbeit und Familie und dadurch bedingte Konflikte scheinen die grössten Einflussfaktoren zu sein», heisst im Bericht zu Studie. Die Entstehung der Krankheit sei aber sehr individuell. «Die Untersuchung legt nahe, dass es für die einzelnen Personen wichtig ist, ihre individuelle Situation zu betrachten und eventuell nötige Veränderungen einzuleiten», heisst es weiter.

Prävention wichtig

Die Bauern können sich vor einem «Ausbrennen» auch schützen. Gute Beziehungsqualität, soziale Kompetenzen wie gute Selbstkontrolle und Entscheidungsfreudigkeit erweisen sich als Schutzfaktoren. Die Autoren halten fest, dass Prävention sehr wichtig ist. Dies deshalb, weil in einem frühen Stadium viele Handlungsmöglichkeiten bestehen. Die Betroffenen sind dabei auf die Rückmeldung von Personen in ihrem Umfeld angewiesen. 

In weiteren Analysen wäre zu untersuchen, welche Schutzfaktoren die Burnout-Prävention in der Landwirtschaft optimieren helfen, empfehlt die Studie.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE