24.07.2016 08:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Caffè latte für Inlandmarkt ist aus B-Milch
Welcher Anteil der Wertschöpfung eines Produkts kommt bis zum Bauer? Dieser Frage ging der «Schweizer Bauer» letzten Samstag nach. Die Stellungnahmen einiger der Hersteller erreichten uns erst diese Woche.

Eines der Produkte, dessen Wertschöpfung der «Schweizer Bauer» am 16. Juli unter die Lupe nahm, war Emmis Caffè latte. Der «Schweizer Bauer» errechnete, dass die Bauern für Milch und Zucker insgesamt 4,2 Rp./kg oder 2,2% der Wertschöpfung pro Becher à 230 ml erhalten, wovon 3,9 Rp. für die darin enthaltene Milch. Dies unter der Annahme, dass Emmi gemäss den Richtlinien der BOM den B-Milch-Preis bezahlt.

Für Export A-Milch

Für rund 60% der Menge trifft der Sachverhalt zu, dass Emmi den B-Preis bezahlt. Nämlich für Caffè Latte, welcher im Inland verkauft wird, wie Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker bestätigt. Für Caffè latte, der exportiert wird, erhält Emmi vom Bund Beiträge aus dem Schoggigesetz und bezahlt infolgedessen den Schweizer Bauern den A-Milch-Preis. Das sind etwa 40% der Menge. Für 40% der Caffè-latte-Produktion erhält der Milchbauer 2,8 Rp. mehr, was also einem Milchpreis von 6,7 Rp. pro 230 ml Becher entspricht. Diesen Aufpreis bezahlt aber wie gesagt nicht Emmi, sondern der Steuerzahler.

Zweifel Chips

Für die Firma Zweifel Chips, für deren Kartoffelchips, 100 Gramm à Fr. 2.30, wir einen Produzentenanteil von 18% oder 41,5 Rp. pro Packung errechneten, nahm Christina Schaffhauser Stellung: «Die Kartoffeln sind nach Lagerung und Transport schon deutlich teurer. Auch liegen die mittleren Bandpreise für Chips-Kartoffeln für die Ernte 2016 je nach Sorte zwischen 41.2 und 49.65 Fr./100 kg.

Je nach Ernteertrag – und der dürfte dieses Jahr bedingt durch die grossen Niederschläge tief sein – werden die Preise am oberen Preisband liegen also nochmals Fr. 2.00 pro kg Kartoffeln über dem mittleren Bandpreis. Das wird dann etwa Abgabepreise für Produzenten von 43.20 bis 51.65 Fr./100 kg ergeben ohne Lagerung und Transport. Die aktuell verarbeiteten und unter Folie angebauten Kartoffeln kosten zum Beispiel deutlich über 70.00 Fr./100 kg. Zweifel kosten die Kartoffeln damit im Mittel deutlich mehr als die genannten Preise.»

Öl ist teurer

Zum Preis des Sonnenblumenöls, der in den Chips enthalten ist, sagt Schaffhauser Folgendes: «Der genannte Preis von 78.35 für 100 kg Öl ist falsch. Das ist der ungefähre Produzentenpreis für normale Sonnenblumenkerne. Der Preis für die Kerne für das von uns verwendete High-oleic-Sonnenblumenöl liegt bei Fr. 84.30. Für die Herstellung von Öl aus den Kernen wird sicher etwa die 3- bis 4-fache Menge Kerne verbraucht. Da wir das Öl nicht selber herstellen, können wir dazu keine genauen Angaben machen, ausser dass wir ein Mehrfaches vom genannten Preis für Öl bezahlen.  

Zudem gilt es zu beachten, dass für die Herstellung von Chips oder anderen Produkten bei Weitem nicht nur Rohstoffkosten anfallen. Neben Verpackung, Kartonagen, Löhnen, Abschreibungen auf Anlagen sind auch Kosten für Energie, Transport & Logistik und viele andere Positionen für die Herstellung und Lieferung zu beachten. Eine Darstellung, die nur die Rohstoffpreise berücksichtigt, ergibt ein sehr verzerrtes Bild der Herstellkosten. Nach den Herstellkosten fallen für uns Kosten für den Verkauf und das Marketing an. Weiter nehmen wir über unseren Frisch-Service ablaufende Produkte vom Markt auf unsere Kosten zurück.»

Kambly sagt nichts

Die Firma Kambly, für deren Kambly-Buttersablés, 90 Gramm à Fr. 3.95, wir eine Wertschöpfung von 28,6 Rp. oder 7,2% errechnet haben, will inhaltlich nicht Stellung nehmen. Wir erhielten folgendes Statement: «Es ist für Sie sicher nachvollziehbar, dass die Bauern dank einer über viele Stufen erfolgenden Wertschöpfungskette – Bauer – erste Verarbeitungsstufe (z.B. Müller) – zweite Verarbeitungsstufe (z.B. Kambly) – Verpacken – Logistik – Handel – Steuern) ihre Rohstoffe verkaufen und zu Marktpreisen Einkommen für jede Verarbeitungsstufe generieren können. Zudem ist es sicher für Sie auch nachvollziehbar, dass wir weder zu Details unserer geheimen Rezepturen noch zu Herstellverfahren, Kalkulationen oder Handelsmargen in irgendeiner Form öffentlich Stellung nehmen können. Aus diesen Gründen bitten wir Sie höflich, den Namen Kambly nicht für spekulative Mutmassungen, die nicht sachlich fundiert sind, heranzuziehen oder zu nennen.»

Rudolf P. Winzenried

Generalsekretär

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