15.02.2018 09:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Christof Lüthi
Freiburg
Chinesen Gefahr für Cremo?
Das frühere Areal der Novartis in St.Aubin FR steht leer. Nun hat es der Kanton Freiburg gekauft und möchte mit einem Projektaufruf die Innovation im Lebensmittelsektor fördern. Schon steht China bereit. Der Freiburger Milchverbund ist beunruhigt.

Der Kanton Freiburg zählt zu den wichtigsten Akteuren der Lebensmittelindustrie in der Schweiz. Die Milchverarbeiter Cremo und Elsa, der Fleischverarbeiter Micarna, die Schokoladenhersteller Nestlé und Villars sowie die Fenaco sind hier tätig. 

99 ha Landwirtschaftsland


Wie an vielen Orten ist geeignetes Land ein limitierender Faktor für die Wirtschaftsförderung, d.h. für die Ansiedlung neuer Firmen oder Technologien. Im Dezember 2017 bot sich dem Kanton Feiburg die Chance, rund 127 ha Land in der Gemeinde St.Aubin zu erwerben. Bis 2014 betrieben dort Novartis und anschliessend kurz die US-Firma Elanco Forschung und Entwicklung im Bereich Tiergesundheit. 

Elanco gab diesen Forschungsstandort 2016 auf, der Kanton ergriff die Gelegenheit und kaufte das Gelände samt Infrastruktur für 20 Mio. Fr. Die Fläche ist aufgeteilt in rund 28 ha Arbeits- und 99 ha Landwirtschaftszone. 

Arbeitsplätze schaffen

Die Firmengebäude der ehemaligen Besitzer sind noch alle vorhanden und nutzbar. Der Landwirtschaftsbereich ist an einen Landwirt verpachtet. Der Kanton will auf dem erworbenen Gelände im Rahmen des «Clusters Food und Nutrition der Hauptstadtregion Schweiz» die Innovation und die Wirtschaft des Kantons in den drei Bereichen Lebensmittelherstellung, Landwirtschaft und Produktion von Biomasse fördern, wie sie z.B. in der Kosmetik- und der Pharmaindustrie Verwendung findet. Der Projektaufruf wurde u.a. auch deshalb gestartet, weil nach wie vor nur dreiviertel der Freiburger/-innen innerhalb des Kantons einen Arbeitsplatz haben.

Vier Firmen in der Jury

Der seit über einem Jahr am «Agri & Co Challenge»-Projektaufruf tätige Lenkungsausschuss setzt sich aus Projektinitianten und Akteuren zusammen, die im Kanton Freiburg in den Bereichen Lebensmittel und Innovation tätig sind. Bei der Lancierung des Projektes sind die vier Unternehmen Nestlé, Cremo, Fenaco und Micarna mit dabei, sie sind in der multidisziplinären Jury vertreten und engagieren sich auch finanziell. 

Diese Jury, die alle Kompetenzen und Interessen in Verbindung mit dem Projektaufruf in sich vereint, besteht aus 14 Mitgliedern, darunter befinden sich der Direktor der Cremo Paul-Albert Nobs sowie Alexandre Sacerdoti, ehemaliger Direktor der Chocolat Villars. Die Jury hat die Aufgabe, die Projekte zu prüfen und die Finalisten und Gewinner auszuwählen. 

Produkte für China

Zehn Gewinner sollen gefunden werden, die sich auf dem Gelände in St. Aubin ansiedeln, und fünf Gewinner sollen evaluiert werden, die sich nicht auf dem Innovationsgelände niederlassen wollen, sich jedoch für den Schweizer Markt interessieren, das Freiburger und Schweizer Netzwerk im Lebensmittelsektor kennenlernen wollen und eine langfristige Zusammenarbeit zu entwickeln beabsichtigen. Beide Gewinnergruppen werden unterstützt: Es stehen u.a. Preise von insgesamt 500'000 Franken zur Verteilung bereit, ein Mentoring durch Experten mit grossen nationalen und internationalen Netzwerken wird kostenlos angeboten, und die Nutzung von Labors, Büros, Konferenzräumen etc. ist während den ersten zwei Jahren gratis.

Im Dezember 2017 war zu lesen, dass sich die freiburgische Translait zusammen mit der chinesischen Firma Synutra, auf dem Gelände in St.Aubin niederlassen möchte mit der Absicht, dort auf der Basis von Schotte, eines Nebenproduktes aus der Milchverarbeitung, eine Komponente für die Herstellung von Babynahrung zu produzieren. Was in St.Aubin produziert würde, sollte nach China exportiert werden. Mit Synutra würde sich demnach ein neuer grosser Abnehmer von Schotte und möglicherweise später auch von Milch in der Region ansiedeln, wodurch der Milchmarkt neu aufgemischt würde. Erfahrungen dazu mit Synutra gibt es bereits in Frankreich. 

Kanton soll keine Konkurrenten von Cremo bevorzugen

Die Angelegenheit beunruhigt den Freiburgischen Milchverband (FMV). André Brodard, Direktor des FMV, befürchtet, dass die Chinesen zuerst den Milchpreis in die Höhe treiben, sich anschliessend wieder aus dem Geschäft zurückziehen könnten und die Milchproduzenten sich dann selbst überlassen wären. Der FMV ist Hauptaktionär der Cremo, welche 2003 vom Kanton bei der Übernahme von Geschäftsbereichen der Swiss Dairy Food finanziell unterstützt wurde. 

Gabriel Yerly, Präsident des FMV, erwartet deshalb, dass der Kanton keine Aktivitäten bevorzugt, die in Konkurrenz treten zu den Aktivitäten eines vom Kanton früher unterstützten Unternehmens. Damit erklärt sich die Interpellation des FMV beim Freiburger Regierungsrat. Man fürchtet um die Zukunft der Cremo und um die ihrer Milchproduzenten. Nachrichten betreffend die Personalpolitik von Synutra in Frankreich wecken zusätzliche Befürchtungen. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE