1.12.2016 07:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Detailhandel
Coop-Chef attackiert Alnatura-Bio
Joos Sutter, Geschäftsleitungsvorsitzender bei Coop, spricht von einer «Riesen-Verwässerung» bei Bio und wirft Migros vor, mit Alnatura eine Abkürzung zu gehen. Coop stehe hingegen zu den strengen Richtlinien der Bio Suisse.

Coop-Chef Joos Sutter sprach das Thema anlässlich der Delegiertenversammlung des Schweizer Bauernverbandes an. Laut ihm Coop liegt Coop mit dem Anteil an Mehrwert-Produkten weltweit an der Spitze. Ein Beispiel dafür seien die Produkte unter der Marke Naturaplan, die wir mit Bio Suisse machen. 1 Milliarde Umsatz erziele Coop damit jährlich. Das sei ein super Beispiel dafür, wie man mehr Wertschöpfung auch für die Schweizer Landwirtschaft erzielen kann.

«Nur Samsung und Apple haben überlebt»

«Wir als Coop stehen zu Bio Suisse», betonte Sutter. Das sei nicht immer einfach, auch die Bauern bei Bio Suisse hätten ihre Überlegungen. «Ihre Ideen machen es manchmal extrem schwer mit allem, was man einhalten muss.» Aber: Langfristig würden nur starke Marken überleben. Sutter illustrierte das mit folgendem Beispiel aus der Mobiltelefonie: «Heute hat jeder entweder ein Samsung oder ein Apple. Wo sind die andern Marken? Die haben eben Kompromisse gemacht.»

«Riesenverwässerung bei Bio»

Sutter stellte im Kursaal Bern fest: «Heute haben wir eine Riesen-Verwässerung bei Bio, alle machen Bio.» Und dann sagte Sutter wörtlich: «Wir würden auch gern mal eine Abkürzung machen, schnell Alnatura reinnehmen wie unsere Hauptkonkurrentin, das gibt schnell Umsatz und so weiter.» Damit sprach er die Migros an, die seit 2012 die deutsche Bio-Marke «Alnatura» in ihren Läden anbietet. Sutter legte eine Folie auf, welche die Unterschiede zwischen Bio Suisse und «Euro-Bio» aufzeigt.

Und zwar von diversen Umweltverbänden und Konsumentenschutzorganisationen erhoben. Der Befund: Bei allen Kriterien ist Bio-Suisse mit der Knospe der EU überlegen: Prozesse & Kontrolle, Management, Wasser, Boden, Biodiversität, Klima, Tierwohl, Soziales & Fairness. Sutter kam zum Schluss: «Das sind Welten, Bio ist nicht Bio». Das sollte an alle Konsumenten gehen, die zum Einkaufen irgendwo über die Grenze fahren.

Unterschied Coop und Migros

Coop verlangt bei allen Bio-Produkten den Knospe-Standard. Schweizer Bio-Produkte (mind. 90% Rohstoffe aus der Schweiz) zeichnet sie mit der Bio-Suisse-Knospe aus, die eine kleine Schweizer Flagge trägt. Import-Bio-Produkte tragen die blosse Knospe. Auch bei ihnen sind aber die Schweizer Standards garantiert und kontrolliert, so etwa die Gesamtbetrieblichkeit (ein Landwirtschaftsbetrieb muss alle Flächen biologisch bewirtschaften, biologisch und konventionell nebeneinander sind verboten). Anders die Migros: Sie zeichnet sowohl Schweizer Bio-Produkte wie Import-Bio-Produkte mit der gleichen Marke aus. Bei Schweizer Bio-Produkten ist der Knospe-Standard garantiert, bei Import-Bio aber ist es der viel schwächere EU-Bio-Standard. Nur ganz kleine Sternchen bei den Herkunftsangaben verraten dem Kunden, ob die Zutat aus der Schweiz oder aus der EU stammt.  


Alnatura: Gesamtbetrieblichkeit nicht gegeben

Der «Schweizer Bauer» hat vor einem Jahr (14.11.2015) getitelt: «Alnatura ist vor allem Import». Ein Augenschein in einer Migros-Filiale in Bern zeigt, dass dies nach wie vor so ist. In einem Flyer verkündete Alnatura in einem Flyer vollmundig, dass alle Alnatura-Artikel die Schweizer Bio-Richtlinien übertreffen würden. Eine Nachfrage von Samuel Krähenbühl («Schweizer Bauer») bei der Migros zeigte dann aber, dass beispielsweise die Gesamtbetrieblichkeit des Bio-Landbaus bei der Mehrheit der Alnatura-Produkte nicht gegeben ist. 

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