24.06.2020 06:30
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Deutschland
Corona: Schlachthof verspricht Besserung
Viele der mit dem Coronavirus infizierten Schlachtereiarbeiter beim deutschen Fleischverarbeiter Tönnies stammen aus Bulgarien und Rumänien. Das Unternehmen kündigte nun am Dienstag an, bis Ende 2020 sollten Werkverträge abgeschafft werden.

Tönnies hat nach Darstellung der örtlichen Caritas auf das System mit oft aus Osteuropa stammenden Werkvertragsbeschäftigten gesetzt, die von Subunternehmen deutlich schlechter bezahlt würden als die Tönnies-Stammbelegschaft. 

Nicht mehr Fälle als in anderen Staaten


Die beiden osteuropäischen Länder leiden nach absoluten Zahlen weniger unter der Pandemie als andere Staaten Europas. Jedoch wird befürchtet, dass bei steigenden Fallzahlen die Krankenhäuser überlastet werden könnten. Dies wurde bislang durch strenge Schutzmassnahmen verhindert, die inzwischen aber gelockert wurden. Die Zahl der Neuinfektionen ist nach den ersten Lockerungen gestiegen.

In Rumänien hat sich das Tages-Plus an Infektionen ein paar Tage lang sogar verdoppelt, in Bulgarien wuchs die Zahl vor allem in der Hauptstadt Sofia und in einzelnen Gemeinden im Süden des Landes. In Rumänien gelten Abstands- und Maskenpflicht in geschlossenen öffentlichen Räumen - jedoch steht die Regierung unter Druck einer starken Opposition, die diese Massnahmen abschaffen will. In Bulgarien wurde die Maskenpflicht gerade wieder eingeführt, nachdem sie am 15. Juni abgeschafft worden war.

1550 Personen positiv getestet

In Rumänien sind bisher (Stand: Dienstag) 1539 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 gestorben. In dem Land mit rund 18 Millionen Einwohnern hatten sich seit Beginn der Pandemie gut 24 500 Menschen infiziert. In Bulgarien lag die Zahl der Corona-Todesopfer bei 207. Infiziert hatten sich nach offiziellen Angaben in dem Land mit einer Bevölkerung von knapp sieben Millionen Menschen insgesamt 3984 Patienten.

Mehr als 1550 der gut 7000 Beschäftigten der Tönnies-Fabrik im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück wurden inzwischen positiv getestet. Für den gesamten Kreis Gütersloh mit rund 370 000 Einwohnern verhängte das Land Nordrhein-Westfalen am Dienstag einen Lockdown, ebenso für den Nachbarkreis Warendorf. Das öffentliche Leben wird bis Ende Juni drastisch heruntergefahren.

Tönnies will sich bessern

Die Schutzmassnahmen von Tönnies seien völlig unzureichend gewesen, kritisiert etwa der Caritas-Verband des Kreises. Seit einigen Tagen ist die Produktion des Marktführers nach dem Corona-Grossausbruch gestoppt.

Tönnies hat nach Darstellung der örtlichen Caritas auf das System mit oft aus Osteuropa stammenden Werkvertragsbeschäftigten gesetzt, die von Subunternehmen deutlich schlechter bezahlt würden als die Tönnies-Stammbelegschaft. Das Unternehmen kündigte nun am Dienstag an, bis Ende 2020 sollten Werkverträge «in allen Kernbereichen der Fleischgewinnung» abgeschafft und die Mitarbeiter in der Tönnies-Unternehmensgruppe eingestellt werden.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE