3.10.2014 10:55
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Cremo ist bei den Proteinen die Nummer 2 der Welt
Im internationalen Vergleich ist das Schweizer Unternehmen Cremo als Milchverarbeiter ein Zwerg. Doch bei den Milchproteinen kommt Cremo zusammen mit ihrem französischen Partner Ingredia direkt hinter Weltmarktleader Fonterra.

Heute gibt es in der Schweiz strukturell eher zu viel Butter, während das Milcheiweiss auf dem Weltmarkt abgesetzt werden kann. In den Achtzigerjahren war das genau umgekehrt: Der Käse-Butter-Plan des Bundes hatte zur Folge, dass Butter importiert werden musste, während Überschüsse von Magermilch in der Form von Magermilchpulver nur dank Subventionen des Bunds exportiert werden konnten.

Bundesrat Stich

«SP-Bundesrat Otto Stich kämpfte jahrelang gegen die Subventionierung von Exporten von Magermilchüberschüssen», erinnert sich Michel Pellaux, damals Vizedirektor beim Bundesamt für Landwirtschaft und heute Generalsekretär beim Milchverarbeiter Cremo. Eines Tages habe Stich als Vorsteher des Finanzdepartements tatsächlich erreicht, dass es keine Bundesbeiträge für den Export von Magermilchpulver mehr gegeben habe.

Reines Eiweiss

Daraufhin haben die damals noch existierende Toni Molkerei, die Cremo sowie deren französischer Partner, der Milchverarbeiter Ingredia, sich daran gemacht, ein neues Produkt zu entwickeln: reines Milchprotein. «Das ist reines Eiweiss, ohne Fett, ohne Laktose, ohne Mineralsalze», erklärt Pellaux.

Nach anderthalb Jahren Entwicklungszeit hätten Pierre-Albert Nobs von der Cremo, der ehemalige Chef von Toni und der Chef von Ingredia eine Diskussion mit dem BLW verlangt mit der Begründung, dieses neue Produkt vorzustellen.

Wie Kälbermast stützen

«Damals ist die Magermilch auch in der Kälbermast mit grosser Bundeshilfe, nämlich mit circa 20 Rp./kg, breit gestützt worden. Die drei argumentierten dann, sie könnten Protein exportieren, wenn der Bund ihnen etwa den gleichen Betrag wie für die Kälbermast gebe», erinnert Pellaux sich. Reines Milchprotein sei ein komplett neues Produkt im ganzen Welthandel gewesen.

Denn es sei technisch ganz schwierig, Proteine mit einer Konzentration von über 80 Prozent herzustellen: «Deshalb gibt es auf den Proteinen auch keinen Zoll, das war nicht tarifiziert.» Damit hatte Cremo offenbar aufs richtige Pferd gesetzt. Denn der Proteinbereich wuchs sehr stark. Und es gibt viele neue Länder, die diese Eiweisse nachfragen: «Die Proteine werden zum Beispiel in der Nahrungsmittelindustrie verwendet, besonders in der Käse- oder Joghurtproduktion. In der ganzen industriellen Käseproduktion wird Protein verwendet, um den Proteingehalt der Milch zu standardisieren.» Auch im Bereich Pharmazie und für Sportlerpräparate würden die Eiweisse eingesetzt.

Partner Ingredia

Wichtig sei die Partnerschaft mit Ingredia, die seit 30 Jahren bestehe. Die beiden Firmen, die sowohl in der Herstellung wie im Export zusammenarbeiten, halten gegenseitig Kreuzbeteiligungen. «Ingredia hat 5 Prozent Aktien bei uns und wir 5 Prozent bei ihnen», sagt er. Zusammen seien Cremo und Ingredia bei den Milcheiweissen hinter dem neuseeländischen Weltmarktleader Fonterra ein wichtiger Partner auf dem Weltmarkt.

Die Spezialisierung beim Protein ermögliche, dass Cremo grosse Milchmengen verarbeiten könne: «In einem Kilogramm Eiweiss exportieren wir mehr als 30 Liter Magermilch.» Der Exportanteil der Cremo habe in diesem Bereich demnach bis zu 70 Prozent erreicht. Deshalb sei für Cremo der Zugang zu den Exportmärkten wichtig. Denn mit den umgekehrten Vorzeichen gegenüber den Achtzigerjahren sei heute nicht der Export von Eiweiss, sondern von Milchfett das Problem, weil dieses einen hohen Grenzschutz habe.

Und die Entwicklung geht weiter. Cremo bietet laufend neue Produkte an. «Für das Ausland haben wir auch Proteine mit Milchfett entwickelt, aus denen wir direkt Käse herstellen können, diese können wir aber wegen der Zölle auf Fett noch nicht exportieren», berichtet Pellaux.

Vollmilchpulver soll wachsen

Cremo ist bei den reinen Proteinen und beim Magermilchpulver stark, liegt aber beim Vollmilchpulver hinter Emmi und Hochdorf zurück. «Wir suchen nach Möglichkeiten, im Vollmilchpulverbereich Marktanteile zu gewinnen», sagt Cremo-Generalsekretär Michel Pellaux. Es gebe zwei Arten Vollmilchpulver: «Das ist zum einen Vollmilchpulver aus einem Pulverturm. Das andere ist die Produktion auf Rollen.» Letzteres Milchpulver habe einen karamellisierten Geschmack und werde von der Schokoladenindustrie nachgefragt. Vollmilchpulver zu exportieren, sei schwierig, weil es auf dem Fett hohe Zölle gebe. «Trotzdem gibt es im Ausland eine grosse Nachfrage nach diesen speziellen Volmilchpulvern», erklärt Pellaux. sam

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