26.07.2014 06:22
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Cremo-Preis sinkt wohl um 3 Rp./kg
Die Molkerei Cremo ändert rückwirkend auf 1. Juli erneut ihr Milchpreissystem. Und sie ändert die Fettbewertung. Unter dem Strich resultiert eine Milchpreissenkung von wohl insgesamt über 3 Rappen pro Kilo Milch.

Die Molkerei Cremo hat ihr Milchpreissystem, welches Anfang 2013 eingeführt wurde, ab 1. Juli dieses Jahres offenbar bereits wieder modifiziert. Der Cremo-Milchpreis setzt sich aus insgesamt vier Preisen zusammen, nämlich je einem Inland- und je einem Exportpreis für Eiweiss und Fett.

Cremo hat viel Butter

Grundlage für die Berechnung des Eiweisspreises für den Export war bisher der sogenannte MPC-70-Preis. Wie aus dem Umfeld von Cremo zu vernehmen ist, wird dieser Eiweisspreis nun aber neu berechnet. Und offenbar erfolgt auch eine Senkung des Fettpreises im Inland. Denn entgegen der Vermutung, dass der Hauptteil des Butterlagers von 6215 Tonnen bei Emmi liegt, hat dem Vernehmen nach auch die Cremo ein erhebliches Problem mit dem Milchfett. Trotz Interventionen der Lactofama AG hat sie noch viel Butter an Lager.

Unter dem Strich haben die Systemänderung und die Fettpreissenkung gemäss Berechnungen des «Schweizer Bauer» eine Milchpreissenkung von mehr als 3 Rp./kg Milch zur Folge. Andreas Wegmüller von Cremo will dazu keine Stellung nehmen: «Betreffend Übernahmekonditionen und Milchpreise verhandelt die Cremo AG direkt mit den Milchlieferanten und Vertragspartnern. Aus diesem Grund können wir keine Angaben zu Ihren Fragen machen.»

Verhandlungen im Gange

Auch die hauptbetroffenen Produzentenorganisationen geben sich eher schweigsam. Samuel Girard von den Cremo-Direktlieferanten war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Auch Eric Jordan von der Prolait gibt sich zunächst zugeknöpft. Dann bestätigt er aber, dass etwas im Gange ist: «Wir befinden uns aktuell in der Diskussion mit Cremo über verschiedene Punkte im Milchkaufvertrag. Weil die Verhandlungen noch nicht beendet sind, ist es uns nicht möglich, auf Ihre Fragen zu antworten.» Zudem bevorzuge es Prolait, die eigenen Produzenten vor der Presse zu informieren.

Auch Christian von Känel, Präsident der Aaremilch AG, gibt sich zunächst zurückhaltend. «Wir wurden über die Änderungen informiert. Es ist nachvollziehbar, dass es einen neuen Indikator für den Eiweisspreis braucht, wenn der alte wegfällt», lässt er sich dann entlocken. Die Änderungen sollten jedoch vorher gemeinsam verhandelt und nicht rückwirkend eingeführt werden, so seine Überzeugung.

Richtpreis bleibt gleich

Und ist die Aaremilch mit der Milchpreissenkung von de facto gut 3 Rp./kg ab 1. Juli einverstanden? «Durch die Änderungen resultiert unter dem Strich für uns tatsächlich eine Milchpreissenkung von 3,3 Rappen», bestätigt er. Wenn sich die Weltmarkpreise weiter so negativ entwickeln würden, werde es noch deutlich mehr sein, fügt er an.

Von Känel ist deshalb nicht einverstanden mit der Senkung des Inland-Fettpreises. «Dieser wurde nach der Erhöhung des BOM-Richtpreises im Januar angehoben. Solange der Richtpreis nicht sinkt, sollte auch der Fettpreis konstant bleiben», betont er (siehe Kasten).

Klare Vorgaben

Eigentlich wären die Vorgaben der Branchenorganisation Milch (BOM) für das Zustandekommen der Preise im jeweiligen Segment klar. Für A-, B- und C-Milch wird jeweils ein Richtpreis publiziert. Der A-Richtpreis wird jeweils vom Vorstand für ein Quartal festgelegt. Der Richtpreis für B-Milch basiert auf dem Rohstoffwert eines Kilogramms Milch bei der Verwertung zu Magermilchpulver für den Export und Butter für den lnlandmarkt und wird monatlich von der BOM-Geschäftsstelle berechnet. sam

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