10.04.2019 11:57
Quelle: schweizerbauer.ch - aiz
Deutschland
D: Weniger Investitionen geplant
Die Stimmung unter den deutschen Landwirten hat sich nach dem Dürresommer 2018 weiter eingetrübt. Die Bauern schrauben ihre Investitionsplanungen deutlich zurück, wie aus dem aktuellen Konjunkturbarometer des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hervorgeht.

"Landwirte scheuen derzeit Investitionen, weil politische Planungssicherheit fehlt. Wir brauchen dringend mehr Verlässlichkeit und Langfristigkeit in den politischen Entscheidungen. Die derzeitige Verunsicherung gefährdet den Landwirtschaftsstandort Deutschland", kritisierte DBV-Präsident Joachim Rukwied.

Der Index ist von 23,9 Punkten im Dezember 2018 auf 22,3 Punkte im März 2019 gesunken, was in etwa dem Wert vom März 2018 (22,1) entspricht. In früheren Jahren wurden aber auch Spitzenwerte von gut 36 Punkten erreicht. 

Geld fliesst in Ställe

Wie das Konjunkturbarometer zeigt, wollen in den kommenden sechs Monaten nur 29% der Landwirte investieren; vor einem Jahr waren es noch 35%. Das für die nächsten sechs Monate geplante Investitionsvolumen liegt mit 4,1 Mrd. Euro (4,6 Mrd. Franken) um 0,4 Mrd. Euro (0,45 Mrd. Franken) unter dem entsprechenden Vorjahresstand.

Das relativ hohe Niveau der Jahre 2013 und 2014 mit geplanten halbjährlichen Investitionsvolumina von gut 6 Mrd. Euro (6,76 Mrd. Franken) wird weit verfehlt. Vom aktuell geplanten Investitionsvolumen in Höhe von 4,1 Mrd. Euro  (4,6 Mrd. Franken) entfallen auf den Bereich Ställe und Stalltechnik 2,1 Mrd. Euro (2,37 Mrd. Franken). Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert ist dies ein Minus von 0,4 Mrd. Euro (0,45 Mrd. Franken). Mit 0,9 Mrd. Euro (1,01 Mrd. Franken) fallen die vorgesehenen Maschineninvestitionen im Jahresvergleich um 0,1 Mrd. Euro (0,11 Mrd. Franken) geringer aus. 0,9 Mrd. Euro (1,01 Mrd. Franken) sind für Investitionen in Erneuerbare Energien vorgesehen . 

Liquiditätssituation im Osten Deutschlands besonders angespannt 

Die Liquidität der Betriebe hat sich gegenüber Dezember kaum verändert. Als Spätfolge des Dürresommers 2018 ist die Liquiditätssituation im Osten Deutschlands besonders angespannt. Ein Viertel der Landwirte dort spricht von einer angespannten oder sehr angespannten Situation. Unter den Betriebsformen klagen die Veredlungsbetriebe besonders häufig über eine schwierige Liquiditätslage. 

Auf der Notenskala von 1 bis 5 wird die aktuelle wirtschaftliche Situation im Durchschnitt der Betriebe mit 2,97 besser beurteilt als die künftige Entwicklung mit einem Wert von 3,10. Gegenüber Dezember 2018 hat sich die Einschätzung in den einzelnen Betriebsformen kaum verändert. Die Zukunftserwartungen haben sich in den Veredlungsbetrieben weiter verbessert. In den Acker- und Futterbaubetrieben dagegen haben sich die Erwartungen an die wirtschaftliche Zukunft gegenüber September und Dezember 2018 weiter eingetrübt. 

Pachtpreise als besonders belastender Faktor 

Neben der vielfach enttäuschenden Entwicklung der Erzeugerpreise in den letzten Monaten bei Getreide, Milch und Rindern wird der nationalen Agrarpolitik ein dämpfender Einfluss auf die aktuelle Stimmungslage in der Landwirtschaft zugeschrieben. Von der aktuellen Entwicklung der Schweinepreise und Einkaufspreise für Futtermittel, Düngemittel sowie Energie geht dagegen ein positiver Einfluss auf die Stimmungslage in den Betrieben aus.

Die Ernteerwartungen fallen im Jahresvergleich etwas optimistischer aus. Ein besonders belastender Einfluss geht weiter von den Pachtpreisen aus. Relativ positiv werden hingegen weiterhin die Kapitalmarktzinsen und Leasingkonditionen beurteilt. Für das Konjunkturbarometer März 2019 wurden rund 900 Landwirte in ganz Deutschland befragt.

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