20.12.2019 09:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bern
Das Ende: AKW Mühleberg vom Netz
Es ist soweit: Erstmals in der Schweiz stellt ein Atomkraftwerk seinen Betrieb ein. Am Freitag um 12.30 Uhr wird das AKW Mühleberg, das rund 14 Kilometer westlich von Bern liegt, vom Netz genommen.

Zwei Mitarbeiter im Kommandoraum werden den Reaktor per Knopfdruck abschalten. Das Schweizer Fernsehen wird den Akt live übertragen. Die Betreiberin BKW hat zudem ein Zelt im Freien aufgestellt, wo sie den historischen Moment mit zahlreichen geladenen Gästen begehen will.

2034 vollständig entfernt

Das Herunterfahren soll am Sonntag abgeschlossen sein. Unmittelbar nach den Feiertagen, am 6. Januar 2020, beginnen die Rückbauarbeiten. Weil Mühleberg als erstes Schweizer AKW seinen Betrieb einstellt, leistet die BKW Pionierarbeit. Der Rückbau wird mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen. Erst 2024 werden die Brennstäbe abtransportiert. 2030 soll das Areal frei von radioaktivem Material sein. 2034 soll in Mühleberg wieder eine grüne Wiese stehen - eine Fläche von elf Fussballfeldern, bereit für eine neue Nutzung.

BKW-Chefin Suzanne Thoma sagte an der Medienkonferenz, dass sie Mühleberg als Wirtschafts- und Industriestandort erhalten möchte. Sie habe Ideen, diese seien aber von persönlicher Natur.

Pionierleistung für die BKW

Wichtig sei, dass die BKW den Stilllegungsentscheid frühzeitig - im Jahr 2013 - gefällt habe, sagte Thoma. So habe das Unternehmen genügend Zeit gehabt, um die Stilllegung gründlich zu planen. «Und die Behörden hatten genügend Zeit, dieses hochkomplexe und anspruchsvolle Projekt zu prüfen.»

Technisch gesehen sei die Abschaltung von Mühleberg keine Pionierleistung, räumte Thoma ein. Es befänden sich ja schon viele Atomkraftwerke im Rückbau. «Aber wir bauen erstmals ein AKW im schweizerischen Kontext zurück.» Deshalb handle es sich um eine Pionierleistung für die BKW und auch für Verwaltung und Behörden.

Stromleistung um einen Viertel kleiner

Mit der Abschaltung des AKW Mühleberg reduziert sich die Stromproduktion der BKW um einen Viertel und halbiert sich im Kanton Bern. Die Stilllegung sei ein Element des Wandels der BKW von einem Energieunternehmen zu einem internationalen Energie- und Infrastrukturdienstleistungs-Unternehmen, sagte Thoma.

Ausgehend von ihren Kompetenzen im Energiebereich biete die BKW heute europaweit auch Netz-, Infrastruktur- und Gebäudetechnik-Dienstleistungen an.  So sei die BKW in den letzten Jahren auf rund 10'000 Mitarbeitende angewachsen, von denen die Mehrheit im Dienstleistungsgeschäft tätig sei, heisst es in einem Communiqué. 

1972 hochgefahren

Das AKW Mühleberg nahm seinen Betrieb 1972 auf und stand ab den 1980er-Jahren immer wieder im Zentrum von politischen Debatten. AKW-Gegner bezweifelten die Sicherheit der Anlage. Die Befürworter versuchten die Ängste zu zerstreuen; sie warben für die Atomkraft als zuverlässige und klimafreundliche Energiequelle.

Der Entscheid zur Abschaltung fiel 2013. Ausschlaggebend waren für die BKW wirtschaftliche Überlegungen: Das Management kam zum Schluss, dass sich die geforderten Nachrüstungen für den Langzeitbetrieb nicht mehr lohnen würden.

In der Schweiz gibt es noch vier weitere Kernkraftwerke in den Kantonen Solothurn und Aargau. Gösgen, Leibstadt sowie Beznau I und II sollen nach dem Willen ihrer Betreiber noch längere Zeit Strom produzieren.

 

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