18.01.2013 08:07
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
Milchmarkt
«Das Fett soll im Käse bleiben»
Das Bundesamt für Landwirtschaft glaubt nicht, dass Käse verfüttert wird. Die hundertprozentige Sicherheit gebe es aber nicht.

«Schweizer Bauer»: Stimmt es, dass Käsereibetriebe die Verkäsungszulage erhalten, deren Magerkäse schlussendlich an Schweine verfüttert wird?
Niklaus Neuenschwander: Solche Gerüchte gibt es in der Branche schon seit einigen Jahren. Unsere Inspektoren prüfen die Käsereibetriebe anhand der vorhandenen Zahlen vor Ort im Vergleich mit den TSM-Zahlen. Dabei versuchen sie herauszufinden, ob Käse verfüttert wird. Bisher gibt es keine Bestätigung der Gerüchte.

Sie können aber auch nicht das Gegenteil belegen?
Hundertprozentige Sicherheit gibt es nie. Wir machen sehr viele Kontrollen, und die Stichprobenrate ist entsprechend hoch.

Wäre es denn überhaupt verboten, Käse an Schweine zu verfüttern?
Im Gesetz steht, dass Verarbeiter eine Zulage geltend machen können, die den Käsereimilchproduzenten zusteht. Diese wird auf Milch entrichtet, die sie verkäsen. Wir prüfen nicht, wozu der Käse schliesslich verwendet wird. Wir gehen aber davon aus, dass jene, die Käse herstellen, diesen nicht an Tiere verfüttert.

Stimmt es Sie nicht nachdenklich, dass die Schweiz heute in Europa als Billigstanbieter von fettlosem Käse gilt, der wiederum als Rohstoff für Analogkäse Verwendung findet?
Schweizer Käse hat in Europa nach wie vor ein sehr gutes Image als qualitativ hochwertiges Produkt. Bezüglich Magerkäse hat das Parlament entschieden, dass im Rahmen der AP 2014–2017 ein Mindestfettgehalt als Bedingung für den Erhalt der Verkäsungszulage auf Verordnungsebene eingeführt wird. Diese Anpassung soll am 1. Januar 2014 in Kraft treten. Die Politik wird diese Problematik also korrigieren.

Wie hoch soll denn der Mindestfettgehalt sein?
Das muss noch definiert und vom Bundesrat beschlossen werden. Wir gehen aber davon aus, dass Magerkäse künftig nicht mehr in den Genuss der Verkäsungszulage kommen wird.

Sie reagieren also auch, weil die Verkäsungszulage zum Teil nicht den Bauern zugutekommt?
Nein, die Änderung hat damit zu tun, dass fettarmer Käse die Fettproblematik anheizt. Das Fett soll im Käse bleiben und nicht auf dem Butterberg landen, der am Ende mit Stützungen abgebaut werden muss.

Es macht immer wieder den Anschein, als greife der Bund erst dann ein, wenn die Probleme kaum noch lösbar sind. Wäre es nicht sinnvoller, Dinge wie die Verkäsungszulage, das Emmentaler-Problem oder den Milchmarkt proaktiver und schneller anzugehen?
Der Bund kann gar nicht mehr alles regeln. Die Milchkontingentierung ist aufgehoben, Preisvorgaben gehören der Geschichte an. Der Bund will nur noch dort eingreifen, wo es wirklich nötig ist. Das entspricht übrigens auch dem politischen Willen des Parlaments. Primär ist also die Branche gefragt. Der Bund steht ihr aber zur Seite. So ist er etwa bereit, die Lösungsfindung beim Emmentaler zu begleiten. Gegebenenfalls kann der Bundesrat der Branche mit der Erteilung der Allgemeinverbindlichkeit unter die Arme greifen. Und was die Verkäsungszulage angeht, kann ich Ihnen versichern, dass wir schauen, dass die Gelder verordnungskonform verwendet werden.

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