6.12.2017 10:56
Quelle: schweizerbauer.ch - Julia Spahr
Solothurn
Das Feuer hielt sie nicht vom Bauern ab
Als Rebekka Strub in der Lehre zur Landwirtin war, ist der elterliche Pachthof abgebrannt. Trotzdem wollte sie bauern. Mit Zebu und Aubrac-Rindern. Heute führt sie den Betrieb. Auch wenn der Weg bis dahin nicht immer einfach war.

Es ist ein etwas düsterer, dunstiger Tag im August. Rebekka Strub mistet auf dem elterlichen Betrieb in Trimbach SO den Stall. Sie hat das Licht eingeschaltet. Als die Mutter zum Essen ruft, dreht sie den Lichtschalter ab und geht ins Haus. Sie ist im oberen Stock, als sie die Schreie der Eltern hört. Sofort lässt sie alles liegen und rennt hinaus. Da sieht sie es: Der ganze Stall steht in Flammen, dahinter eine schwarze Wand aus Rauch.

Machtlos

Schnell öffnet sie den Stall, und lässt die die Kühe raus. Die  Hunde bellen, sie wollen ins Feuer rennen, die Mutter sperrt sie ins Auto, der Vater fährt die Wagen weg. Das Feuer frisst sich vom Stall ins angebaute Wohnhaus. Die Mutter will von der anderen Seite in die Wohnung, um noch ein paar Habseligkeiten zu retten. 

Rebekka reisst sie die Treppe runter wieder zurück. Sie schreit sie an. «Das ist viel zu gefährlich.» Endlich erreicht die Feuerwehr die Anhöhe über Trimbach und den brennenden Hof. Sie merkt schnell, dass das Wasser nicht reicht und das Feuer ungehindert weiterlodert. Rebekka Strub und ihre Eltern können nur vor dem Haus stehen und zuschauen, wie es verschwindet. Der Grund für das Feuer konnte nachträglich schnell festgestellt werden: Es war ein angefressenes Kupferkabel beim Stall-Licht und darüber eine leicht leckende Wasserleitung. Dies konnte einen Kupfertropfen ins Stroh tragen und das Feuer zum Lodern bringen.

«Teil unserer Geschichte»

Das ist vier Jahre her. Die heute 35-jährige Rebekka Strub sitzt in einer Baracke und trinkt Kaffee. Rundherum sind Bauarbeiter und ein Baggerfahrer. Sie bauen das neue Haus. «Dieser Brand ist ein Teil unserer Geschichte», sagt die junge Frau. «Wir hätten daran zerbrechen können, aber wir haben es als Chance gesehen. Für uns war sofort klar, dass wir weitermachen würden, zumal die Tiere alle überlebt haben.» 

Ihre Eltern mieteten im benachbarten Ifenthal SO eine Wohnung. Sie selbst ist zu einer Kollegin ins Dorf Trimbach gezogen, den Kühen hat man einen Notstall errichtet. Damals war Strub mitten in der Nachholbildung zur Landwirtin und hat daneben auf dem Hof gearbeitet. Für sie war auch unter diesen Umständen klar, dass sie den Betrieb später übernehmen wollte.

Bangen um Pacht

Aber auch diesem Vorhaben war etwas im Weg. Die Eltern haben den Betrieb gepachtet, er und die dazugehörigen 45 Hektaren Land gehören  Armasuisse. Diese war nach dem Brand bereit, alles wieder aufzubauen. Sie sagten aber, dass sie die Pacht neu ausschreiben würden.

Für Rebekka Strub war klar, dass sie den Pachtvertrag nur erhalten würde, wenn sie etwas vorzuweisen hat. «Um in dieser Branche als Frau akzeptiert zu werden, muss man sich richtig reinknien», sagt sie. Sie hat deshalb nach der Lehre den Betriebsleiter Kurs eins und zwei abgeschlossen. Diesen Sommer hat sie die Prüfung zur Meisterlandwirtin bestanden.

Betriebsspiegel

Rebekka Strub bewirtschaftet einen 45-Hektaren-Pachtbetrieb von Armasuisse. Sie hat Zebu und Aubrac Rinder sowie Burenziegen. Einen Teil des Zebu-Fleischs verkauft sie an Privatkunden und ans Restaurant Hirschen in Erlinsbach SO. Den Rest des Zebu-Fleischs, das Aubrac- und das Burenziegen-Fleisch geht über einen Händler, der das Fleisch an Gastronomiebetriebe verkauft. 1991 haben ihre Eltern den Betrieb auf Bio umgestellt. Sie haben einen hohen Anteil an Biodiversitätsfläche. jul

Zukunft des Betriebs 

Vor gut zwei Monaten hat sie den Betrieb übernommen. Sie hat den Pachtvertrag ohne Weiteres auf sich umschreiben lassen können, ohne dass Armasuisse die Pacht ausgeschrieben hat. «Manchmal geht etwas viel einfacher, als man denkt», sagt sie und schiebt sich eine Schokoladen-Kugel in den Mund. Sie führt den Bio-Betrieb so weiter wie ihre Eltern. Mit Aubrac-, Zebu-Rindern und Burenziegen. 

Mit ihrem hohen Anteil an Biodiversitätsfläche ist sie auf die Entscheidungen der Agrarpolitik angewiesen. Auch die Anzahl der Tiere kann sie nicht einfach erhöhen. Die für 2018 geplante administrative Änderung rund um die Pachtzinse könnte eine massive Erhöhung des Pachtzinses für Gewerbe bedeuten. «Wenn ich daran denke, verschlägt es mir manchmal den Atem», sagt sie.

Unerschöpfliches Potenzial

«Trotzdem glaube ich an die Landwirtschaft und das unerschöpfliche Potenzial. Was wir hier haben, suchen die Leute in der Stadt. Die Echtheit gibt es sonst kaum mehr irgendwo.» Mit dem guten Fleisch ihrer Tiere könne sie den Leuten Qualität bieten. Aber auch mit dem schönen Standort ihres Hofes, von dem aus man weit ins Tal sieht und noch viel länger Sonne hat als alle anderen weiter unten.

Sie könnte sich deshalb einen neuen Betriebszweig vorstellen, der die Landwirtschaft und Produktion von Nahrungsmitteln der Bevölkerung näher bringt. Jetzt sollen aber erst mal das neue Wohnhaus und der Stall fertig werden. Das sei frühestens im August 2018 der Fall. «Erst danach werde ich konkret planen, wies weitergeht», sagt Rebekka Strub und macht sich auf den Weg zum Notstall zu ihren Rindern.

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