30.04.2014 09:17
Quelle: schweizerbauer.ch - Hanni Schild
Milchmarkt
Das lange Warten auf das Resultat des BLW
Die Thur Milch Ring AG wehrt sich dagegen, die letzten beiden Raten der Mehrmengenbusse zu bezahlen.

Als ein relativ ruhiges Jahr bezeichnete Urs Schwizer, Geschäftsführer der Thur Milch Ring AG, das Geschäftsjahr 2013. Aufgrund der neuen «Marktordnung» hätten sich vermehrt firmeninterne Lösungen zur Verhinderung vom Veredlungsverkehr gebildet. «So haben zum Beispiel auch wir, wie auch alle anderen Lieferanten, in Zusammenarbeit mit Hochdorf Swiss Milk AG einen Fonds gegründet um die Schoggigesetz-Problematik anzupacken», so Schwizer an der Aktionärsversammlung in Salenstein. Insgesamt handelte das Unternehmen 62'668'500 kg Milch, inklusive Hochdorf-Direktlieferanten.

Liberaleres System

Präsident Roland Werner ist überzeugt, dass keine noch so gut gemeinte planerische Mengensteuerung so gut sei wie die Steuerung über den Milchpreis. Es wäre wichtig und nötig, sich zu überlegen, ob das heutige hochkomplexe und intransparente System des Schweizer Milchmarktes nicht besser durch ein viel einfacheres, liberaleres und transparenteres System zu ersetzen wäre. Um zu erfahren, was Liberalisierung bedeute, genüge ein Blick über die Landesgrenzen.

In Frankreich haben der Staat und die Branche vermehrt in den Milchmarkt eingegriffen, während Deutschland auf unternehmerische Freiheit setzte und in den letzten Jahren seine Wettbewerbsfähigkeit erhöhte. Das führte dazu, dass die deutschen Milchproduzenten heute gegenüber ihren französischen Kollegen einen höheren Milchpreis erzielen, obwohl in Deutschland im Gegensatz zu Frankreich die Milchquoten nach wie vor ausgemolken werden.

Ineffizienter Milchmarkt

Die vielen Organisationen und Instrumente zur Beeinflussung des Schweizer Milchmarktes weise eine höhere Regulierdichte auf als in Frankreich, so der Präsident. Die Folge sei ein ineffizienter und undurchsichtiger Milchmarkt oder gar eine Milch-Vetternwirtschaft, deren Preis die Milchbauern in Form eines zu tiefen Milchpreises zahlen. Damit sei klar, dass die Bauern die Verlierer dieses Systems seien. Aber in jedem System gebe es auch Gewinner, und die seien im Suchen nach Gründen, warum man alles beim Alten belassen sollte, sehr kreativ.

Der Verwaltungsratspräsident informierte weiter, dass die Thur Milch Ring AG nicht mehr bereit sei, die letzten beiden Raten der Mehrmengenbusse zu bezahlen, ehe das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) als unabhängige Kontrollstelle der Umsetzung offenlege, wie die anderen Betroffenen den Vergleich umsetzen. Das Resultat der ersten Kontrolle bei grossen Mittelbezügern sei einzig bei Hochdorf als gut bezeichnet worden.

Bei zwei weiteren wurde das Resultat als fehlerhaft bezeichnet. «Seit Herbst 2013 warten wir auf das Resultat der restlichen Kontrollen und haben bis heute keine Antwort erhalten. Sollte sich herausstellen, dass vom BLW nicht alle Bedingungen erfüllt werden, stellt sich für uns die Frage, was mit den bereits bezahlten und den noch fälligen Raten zu geschehen hat», so Werner. 

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