29.08.2017 06:38
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Basel-Land
Das Ringen um Wasser
Neben mehr Sommerhitze bringt der Klimawandel im Kanton Baselland auch hitziges Ringen um knapper werdendes Wasser. Zwecks Effizienz wollen die einen Abwasserreinigungsanlagen (ARA) zusammenlegen, während die anderen mit dezentralen ARA die Bäche retten wollen.

Abwassertechnisch ist klar, dass grosse Kläranlagen das Wasser sauberer machen als kleine, dies erst noch günstiger. Zudem ist erst bei grösseren ARA die Ergänzung um eine Reinigungsstufe für heikle Mikroverunreinigungen sinnvoll; darunter sind diverse Chemikalien.

Seit kurzem übernimmt der Bund bei ARA-Sanierungen mit einer solchen Stufe nicht nur 75 Prozent der Sanierungskosten, sondern auch 45 Prozent der Leitungsbau-Kosten bei Zusammenlegungen. Deswegen hatte Baselland 2015 ein vom Landrat schon bewilligtes ARA-Projekt in Bubendorf auf Eis gelegt und plant nun eine erweiterte ARA-Fusion in Füllinsdorf.

Sparen vs. Lebensraum

Gemäss Pascal Hubmann, Leiter des kantonalen Amtes für Industrielle Betriebe, geht es bei diesem Projekt mit gut 110 Millionen Franken Investitionskosten um jährliche Einsparungen im Betrieb von zwei Millionen.

Hubmann verwies am Montag bei einer Medienkonferenz des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) in Liestal auf den Langzeit-Durchschnitt («Q347») der Wassermengen in der Ergolz; das Projekt verändere diese nur sehr wenig. Daniel Zopfi von der Fischereifachstelle des Amtes für Wald bangt derweil um die minimalen Abflussmengen an heissen Sommertagen. Schon heute fallen manche Bäche bei Hitze trocken, und mit dem Klimawandel wird das zunehmen. Tiefe Pegel bringen zudem höhere Wassertemperaturen, was etwa Forellen schlecht vertragen.

Exemplarisches Dilemma

Zopfi will nicht den Freizeitspass von Fischern retten, sondern das Funktionieren des Gewässer-Ökosystems. Oberflächengewässer und Grundwassersysteme hingen zusammen, betonte er. Ist heute der Ergolz-Pegel an drei Tagen im Jahr kritisch tief, so werden es gemäss BAFU-Prognosen in einigen Jahrzehnten bis zu 109 Tage sein.

Im Einzugsgebiet der Ergolz, die nur von Niederschlägen gespeist wird und etwa den halben Kanton Baselland umfasst, zeigt sich so exemplarisch ein teurer Nutzungskonflikt: Sauberes Wasser aus fusionierten ARA steht ausreichend Wasser für den Lebensraum gegenüber. Es gehe um eine politische Güterabwägung, sagte Hubmann.

Eine im Kantonsauftrag erstellte Studie von Ende 2016 hatte als erste Handlungsempfehlung die dezentrale Abwasserreinigung bei dezentraler Wasserversorgung notiert. Einlösbar wäre dies mit Hilfe der grossen Rheinwasser-Aufbereitungsanlage im Hardwald von Muttenz BL. Bis nach Liestal besteht bereits eine Trinkwasserzuleitung, und weiter hoch ins Ergolzgebiet könnte man eine solche günstig zusammen mit der geplanten ARA-Ableitung bauen. Laut Hubmann ist dies derzeit jedoch «keine Option».

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