22.04.2014 09:27
Quelle: schweizerbauer.ch - Adi Lippuner
St. Gallen
Den Schweinestall konnte er behalten
Der Schweizer Rohmilchemmentaler wurde in Wisconsin zum besten Käse der Welt erklärt. Gérard Sinnesberger und seine Frau sind am Ostermontag über den «grossen Teich» geflogen, um die Auszeichnung entgegenzunehmen.

Gérard Sinnesberger ist ein Käser der Spitzenklasse. Im vergangenen März wurde in Wisconsin (USA) sein Rohmilchemmentaler zum besten Käse der Welt erklärt. Es sind jedoch verschiedene Gefühle, die ihm seit dem Bekanntwerden seines Siegs hochkommen.

Da sei einmal grosse Freude und vor allem auch Dankbarkeit gegenüber seinen langjährigen Mitarbeitenden und den Landwirten, welche sich dafür einsetzten, ihm qualitativ gute Milch zu liefern, sagte Sinnesberger. Auf der anderen Seite aber auch Traurigkeit, denn in Gams wird seit Ende Oktober 2013 kein Käse mehr produziert.

Kein Groll

Dem erfolgreichen Käser wurde im Frühjahr 2013 der Pachtvertrag durch die Verantwortlichen der Genossenschaft gekündigt, und trotz intensiver Verhandlungen konnte keine Lösung gefunden werden. «Bis Januar pflegte ich noch die Käse im Keller, dann wurde das Inventar übergeben, und die Ära Sinnesberger in der Dorfkäserei Gams war zu Ende.»

Gérard Sinnesberger sagt dies ohne Groll, obwohl er knapp zwölf Jahre Pächter der Käsereigenossenschaft Gams war und vorher sein Vater die Käserei während 23 Jahren führte. «Ich bin in diesem Umfeld aufgewachsen und habe von Kindesbeinen an mitgeholfen. Für mich war auch klar, dass ich den Beruf des Käsers erlernen will.»

Gespannte Erwartung

«Aktuell überwiegt die Vorfreude auf die Reise nach Amerika,» so der Weltmeister. Vor allem freue er sich über das erreichte Triple, denn 2006 wurde er Olympiasieger und 2010 holte er den Europameistertitel. «Ich habe während der letzten Wochen Gratulationen aus der ganzen Welt erhalten und das ist für mich auch ein Zeichen, dass Rohmilchemmentaler ein geschätztes Qualitätsprodukt ist.»

Eine besondere Überraschung sei zudem die Einladung eines ausgewanderten Obertoggenburgers nach New Glarus gewesen. «Meine Frau Susanne und ich werden am Ostermontag nach Chicago fliegen, und von dort ist auch ein Abstecher ins Hotel des Schweizers nach New Glarus eingeplant.» Mit welchen Erwartungen er an den Galaabend vom Donnerstag, 24. April, gehen wird, kann der Weltmeister nicht beantworten. «So etwas lässt sich nicht proben, ich muss das Ganze auf mich zukommen lassen und bin einfach gespannt auf meine Emotionen und das Erlebnis.»

Enttäuschte Käsefans

Ziemlich sicher weiss er aber, was er zum grossen Auftritt tragen wird: Ein weisses Hemd mit dem Emmentaler Schriftzug auf dem Kragen, eine rote Krawatte und einen Anzug.» Obwohl er sonst selten bis nie Krawatte trage, zu diesem ganz besonderen Anlass werde er dies tun.

Die Nachfrage nach dem Weltmeisterkäse ist gross, kann aber nicht befriedigt werden. Im Käsekeller der Dorfkäserei, im Nachbardorf Grabs lagern noch wenige Laibe. Von den 100 Tonnen Rohmilchemmentaler, produziert von Gérard Sinnesberger, welche bei der Milchverarbeiterin Emmi vorhanden waren, wurden alle verkauft. «Ich wollte ein paar Laibe zurückkaufen, hatte aber keine Chance», so der Käser-Weltmeister.

Verwurzelt mit Gams

So bald wird Gérard Sinnesberger trotz vieler interessanter Angebote aus der ganzen Schweiz nicht wieder an einem Käsekessi stehen. «Ich bin in Gams daheim, meine Familie fühlt sich wohl da, und unsere vier Kinder gehen hier zur Schule.» Obwohl sein Herz für die Käseproduktion schlage, meint er: «Ich darf nicht nur an mich denken, und deshalb stimmt die aktuelle berufliche Aufteilung wie sie ist.»

Den Schweinestall mit 500 Mastsauen konnte er auch nach der Schliessung der Käserei von der Genossenschaft weiter pachten. Zudem arbeitet Gérard Sinnesberger Teilzeit im Sportgeschäft in Amriswil, das von seiner Ehefrau geführt wird. Als drittes Standbein hat sich die Trainertätigkeit mit der Renngruppe des Skiclubs Gams etabliert. «Die Kombination ist spannend, aber wenn sich einmal alle Emotionen gelegt haben und ich sachlich entscheiden kann, wird sich vielleicht wieder eine Möglichkeit zur Käseproduktion ergeben,» lässt er seine Zukunft offen.

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