19.09.2015 10:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Detailhandel
Detailhandel hält an Barcode fest
Als im Detailhandel der Strichcode eingeführt wurde, schafften sich die ersten Büros Faxgeräte an. Diese sind seither aus den meisten Büros verschwunden, das Zebramuster auf Verpackungen jedoch nicht. Und ein Ende ist nicht absehbar - trotz längst vorhandenen Alternativen.

In seiner über 40-jährigen Geschichte wurde er bereits mehrfach totgesagt, das viereckige Gestrichel auf Verpackungen, das den Namen EAN-13 trägt. Doch Totgesagte leben bekanntlich länger. «Eine Ablösung des EAN-13 Codes ist nicht in Sicht und auch nicht nötig», sagt Daniel Müller von der weltweit tätigen Organisation GS1, die im Auftrag des Handels und der Produzenten Identifikationssysteme verwaltet.

1974 eingeführt

Für die maschinenlesbare Identifikation eines Waschmittels zum Beispiel werde der 13-stellige Barcode noch sehr lange reichen, sagt Müller. Und bei Produkten, bei denen zusätzliche Informationen wünschbar seien - wie zum Beispiel das Haltbarkeitsdatum bei Frischeartikeln oder die Herkunft beim Fleisch - sei der Druck zu einem einheitlichen neuen Code, der EAN-13 wenigstens teilweise ablösen könnte, zu gering.

Das Zebramuster auf Verpackungen wird uns demnach noch lange Zeit begleiten. Den Siegeszug startet der Barcode 1974 in den USA, von wo aus er sich schnell verbreitete. Für den Detailhandel bedeutete der Strichcode eine Revolution. Mit ihm entfiel das mühsame Eintippen von Preisen an Kassen. Die Detailhändler waren damit auch jederzeit über den Bestand im Laden informiert.

Hohe Kosten als Hinderungsgrund

Diesem Quantensprung in der Artikelidentifikation wird jedoch in absehbarer Zeit trotz gestiegenem Informationsbedürfnis kein weiterer folgen. Hauptgrund dafür seien die Kosten, sagt Müller. Neue Artikelmarkierungen machten nämlich millionenschwere Investitionen in neue IT-Systeme, Scanner und Drucker nötig.

Selbst für die zwei Grossen im Schweizer Detailhandel, Migros und Coop, rechnet sich eine solche Investition nicht, wie sie auf Anfrage mitteilen. Sie ersetzen zwar bei der Erneuerung der Kassen die Scanner, um auf einen allfälligen neuen Code-Standard vorbereitet zu sein. Zeitdruck dabei verspüren sie jedoch nicht.

Keine neuer Code in Sicht

So bezeichnet Coop die Ablösung des Barcodes als «Generationenprojekt», das noch sehr viele Jahre in Anspruch nehmen werde. Die Migros schreibt: «Wir führen grundsätzlich keine neuen Technologien lediglich der Technologie wegen ein.» Solche Investitionen müssten zwingend mit einem echten Mehrwert verbunden sein.

Und dieser ist offenbar zurzeit nicht gegeben. Für Haltbarkeitsdaten oder die Rückverfolgung haben die Detailhändler individuelle Lösungen gefunden. So lässt Coop zum Beispiel auf Naturaplan-Produkten eine Nummer aufdrucken, mit der sich der Produzent eruieren lässt. Migros hat einen ähnlichen Code für Eier. Für Medikamente gibt es einen Code zur Bezeichnung der Charge.

Mehrere neue Systeme stehen bereit

Das ist der Stand der Dinge. Längerfristig werde sich jedoch ein neuer standardisierter Datenträger als Ergänzung zum EAN-13 durchsetzen, ist Müller überzeugt. Der Code-Spezialist tippt dabei auf den bereits im Gesundheitswesen eingesetzten Code GS1 DataMatrix: Ein quadratisches Pixelbildchen, das deutlich mehr Informationen als der Barcode EAN-13 tragen kann.

Ein anderer Fachmann, Wolfgang Mähr von der Spar Gruppe Schweiz, glaubt dagegen, dass sich schliesslich die heute für den Detailhandel noch zu teure Funktechnologie durchsetzen wird. RFID-Chips werden heute bereits bei Kleidern und beim kontaktlosem Bezahlen eingesetzt.

Müller geht dabei davon aus, dass neue Gesetze zur Lebensmittelsicherheit und zum Konsumentenschutz schliesslich den Anstoss zur Verwendung neuer Datenträger geben werden. Die EU sei in dieser Hinsicht besonders aktiv. Tatsächlich müssen in der EU zum Beispiel seit April 2015 auf der Verpackung von unverarbeitetem Fleisch zwingend Aufzucht- und Schlachtort angegeben sein.

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