16.08.2014 09:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Fischerei
«Die Fische werden älter und kleiner»
Rund 1600 Tonnen Fisch fangen die rund 250 Berufsfischer jährlich in den Schweizer Seen. Pro Kopf verspeisen wir 8,6 kg im Jahr. Aber keine 10 Prozent aus dem Inland. Für rund 664 Millionen Franken werden Fische importiert.

Die Fischerei war auch schon einfacher. Kormorane sind eine nicht zu unterschätzende Konkurrenz. Vor Jahren hatten die Seen zu wenig Sauerstoff und zu viel Schadstoffe, vor allem in tieferen Lagen. Heute sind sie oft zu sauber, und der Phosphathaushalt stimmt nicht, beziehungsweise die Anteile sind zu tief. Dadurch entwickelt sich weniger Plankton, die Hauptnahrungsquelle der meisten Fischarten.

Regulierung nicht einfach

Bielerseefischer Stefan Dasen sagt es so: «Es ist klar, wenn die Seen immer sauberer sind, können die Fische nicht immer fetter werden.» Brauchte es vor einigen Jahren noch drei bis vier Fische für ein Kilo Fisch, sind es heute fünf bis sechs. Auch sind die Fische heute ein bis zwei Jahre älter, wenn sie ins Netz gehen. Im Neuenburger- und im Genfersee sind Fische bis ein Kilo Gewicht auch heute keine Seltenheit. 

Die Grösse der gefangenen Fische wird unter anderem mit der Maschenweite reguliert. «Waren es vor 20 Jahren noch 40 mm, wurde diese im Bielersee auf 32 Millimeter gesenkt.» Die Meinung, dass es beispielsweise  im Brienzersee fast keine Fische mehr habe, teilt Dasen nicht: «Der Brienzersee ist voll von Fischen, aber sie sind alle zu klein.» Wie viel Fische ein See aufweist, ist schwer festzustellen.

Nebenerwerb nimmt ab

Es müsse viel zusammenpassen, bis ein ideales Gleichgewicht hergestellt werden könne. Allein in der Fischzucht Ligerz werden für den Bielersee zwischen 300 bis 1000 Millionen Eier ausgebrütet, um den Bestand zu erhalten. «Weniger auszusetzen, erhöht den Nahrungsdruck. Die Felche ist wählerisch, von welcher Planktonsorte sie sich ernährt. Notfalls frisst sie den eigenen Laich. Oder Hechte die Felchen. Wie viele ausgewachsene Fische gefangen werden können, sehen wir dann erst vier Jahre später», weiss Dasen.

Dasen ist einer der noch sieben Berufsfischer auf dem Bielersee. Im Kanton Bern sind es noch 16, gesamtschweizerisch rund 250 Berufsleute, die hauptberuflich vom Fischfang leben. Während sich die Anzahl der reinen Netzfischer in den letzten 40 Jahren kaum verändert hat, nämlich knapp 200, hat sich die Anzahl der Nebenerwerbsfischer drastisch reduziert. Besonders jene, die unter einem Drittel ihres Einkommens damit bestreiten. Sie machen laut Bundesamt für Umwelt (Bafu) noch zehn Prozent der Zahl von 1970 aus.

Fischarten gehen zurück

In der Schweiz gibt es über 50 heimische Fischarten. Bei etwa 60 Prozent der Fischarten geht der Bestand jedoch zurück. Einige stehen auf der Roten Liste der bedrohten Fischarten. So die Bach- und die Seeforelle. Der wanderfreudige Lachs war einst weit verbreitet. Er ist seit Jahrzehnten  ausgestorben. Es wird versucht, ihn wieder anzusiedeln. 

Zu den schwimmenden Profiteuren, die keinerlei Populationsprobleme aufweisen, zählen der Flussbarsch oder das Egli, zugleich einer der beliebtesten, heimischen Speisefische. Auch Hechte, Rotaugen und Rotfedern fühlen sich in Schweizer Gewässern wohl und sind in ihren Beständen nicht gefährdet. Die am meisten gefangenen Felchen kommen in einigen Unterarten vor.

90 Prozent importiert

Laut Bundesamt für Landwirtschaft haben die Schweizer im letzten Jahr über 22'000 Tonnen Fisch verspeist. Der Grossteil, über 90 Prozent der konsumierten Menge, wird importiert. Dabei war der Lachs der beliebteste Frischfisch im Detailhandel (739 Tonnen). Über 2000 Tonnen Pangasius kommen gefroren aus Ostasien. Der Wert der importierten Fische beträgt 664 Millionen Franken.

Deutschschweizer Fischer sind im Schweizerischen Berufsfischer-Verband organisiert, die Romands im welschen Verband ASRPP und dessen Regionalverbänden. Es bestehen enge Verbindungen.

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