7.06.2016 13:56
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Bio Suisse
Die Knospe - eine «Geldmaschine»
Die Knospe ist eine Biomarke in Bauernhand. Ihrem Eigentümer, dem Verband Bio Suisse, beschert sie alljährlich wachsende Einnahmen, weil der Biomarkt zulegt. Denn die Lizenzgebühren sind an den Umsatz gekoppelt.

Mehr Geld für die Förderung des Bioackerbaus. Das forderte Biofarm an der Delegiertenversammlung der Bio Suisse vom 13. April 2016. Das hätte im Budget 85'000 Franken zusätzlich ausgemacht. Der Antrag wurde letztlich abgelehnt.

Finanzielle Situation sehr gut

Aber Bio Suisse hätte deswegen noch lange nicht Eigenkapital verzehren müssen. Denn die finanzielle Situation ist seit Jahren ausgesprochen gut. So erstaunt es nicht, dass in der Vergangenheit auch die Mitgliederorganisationen der Bio Suisse schon einen grösseren Teil des Kuchens für sich beanspruchten.

Im Jahr 2009 schwamm der Bioverband so sehr im Geld, dass der Vorstand im September des Jahres quasi notfallmässig Mehrausgaben in Millionenhöhe beschliessen musste. So wurden auch dem internationalen Bio-Verband noch schnell 100'000 Fr. hinübergeschoben.

Mehr Lizenzgebühren

Der Grund für den Geldsegen lag schon im Jahr 2010 in der Knospe, der Bio-Marke in Bauernhand. Wer Knospeprodukte vermarkten will, muss bei Bio Suisse eine Gebühr bezahlen. So steht denn auch im Protokoll der Delegiertenversammlung vom 14. April 2010: «Die Erträge liegen bei Fr. 10969340 und somit 2241740 oder 25,7% über dem Budget. Die Lizenzeinnahmen sind aufgrund des Marktwachstums und der gestiegenen Lizenzgebühren um 41,6% angestiegen auf Fr. 6'657'156.»

In der Tat: Innerhalb von nur gut zehn Jahren sind die Knospe-Lizenzgebühren von 4,17 Mio. Fr. (2005) auf 8,88 Mio. Fr. angestiegen (2015). Dies ist vor allem auf den stark angewachsenen Biomarkt zurückzuführen. Denn die Lizenzgebühren betragen 0,9% des Umsatzes mit Bio-Produkten (ab 100'000 Fr. Umsatz).

Auch am Import verdient

Bio Suisse verdient dabei auch am Import von Knospe-zertifizierten Produkten. Laut Auskunft von Bio Suisse basieren 60% dieser Gebühren auf Schweizer Knospe-Rohstoffen, 40% auf importierten Knospe-Rohstoffen. Das Eigentum der Knospe-Marke bietet den Produzenten die Chance, bei Knospe-Produkten (aber nur bei diesen!) auch das Importregime zu kontrollieren.

Und die Knospe beruht auf einer Partnerschaft mit Verarbeitern und Händlern, die allen ein  nachhaltiges Wirtschaften ermöglichen soll. Die Knospe-Marke bedürfe aber auch der Pflege (Kontrollen, Öffentlichkeitsarbeit), so Bio Suisse. Mit den höheren Lizenzeinnahmen stieg auch der Personalbestand von 27,4 Vollzeitstellen im Jahr 2005 auf 41,15 Vollzeitstellen im Jahr. Ferner nimmt  Bio Suisse  1,772 Mio. Fr. als Produzentenbeiträge ein. 645518 Fr. sind als «weitere Einnahmen» verbucht.

Mehr «freies» Geld als SBV

Bio Suisse ist mittlerweile finanziell so stark, dass sie je nach Perspektive sogar den Schweizer Bauernverband (SBV) in den Schatten stellt. Zwar beschäftigt dieser mehr Personal, wobei viele Mitarbeiter auch im Auftrag von anderen Verbänden tätig sind (indem sie z.B. eine Geschäftsstelle für diese führen).

Aber der SBV hat weniger freie Mittel zur Verfügung. Der publizierten Jahresrechnung 2015 ist zu entnehmen, dass der SBV via Beiträge 5,982 Mio. Fr. einnimmt. Dazu kommen 411000 Fr. Beiträge aus Fonds, 381'882 Fr. Liegenschaftenerfolg und 1,843 Mio. Fr. «sonstiger Ertrag».

Dorthin geht Geld

Von den total 14,367 Mio. Fr. Ausgaben flossen 2015 1,455 Mio. Fr. in den Posten «Verband». Weiter werden aufgewendet: 1,108 Mio. Fr. an Geschäftsführung und Politik, 3,405 Mio. Fr. für Qualitätssicherung und -entwicklung, 3,966 Mio. Fr. fürs Marketing, 896'000 Fr. für die Absatzförderung Milch (SMP-Gelder), 1,476 Mio. Fr. für die Unternehmenskommunikation, 1,023 Mio. Fr. für Finanzen und Personal und total 522'416 Fr. zweckgebunden für Fleisch, Ackerkulturen, Körnerleguminosen sowie Kern- und Mostobst. sal

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