28.05.2015 11:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Rapahel Bühlmann
Milchmarkt
«Dies ist ein starkes Zeichen»
Der Richtpreis für A-Milch bleibt bei 68 Rappen. Dies auch dank den Verarbeitern, die ihre Verantwortung wahrnehmen.

«Schweizer Bauer»: Alle Zeichen deuteten darauf hin, dass der A-Richtpreis sinken würde. Nun gilt für das dritte Quartal 2015 für industriell verarbeitete Molkereimilch ein unveränderter Richtpreis von 68Rp./kg Milch. Warum ist dieser jetzt trotzdem gleich geblieben?
Rudolf Bigler: Tatsächlich hätte der Richtpreis gemäss Index um 3 Rp. sinken müssen. Die Branche ist sich aber in der heutigen Situation mehr denn je ihrer Verantwortung bewusst. Demzufolge und angesichts der kommenden milcharmen Monate hat der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) den Richtpreis bei 68 Rp. belassen. Dies als Aufwärtstrend zu interpretieren, wäre aber sicher verfrüht. Der internationale Einfluss auf den Schweizer Milchmarkt wird weiter zunehmen.

Der Richtpreis orientiert sich an der bisherigen Preisentwicklung für Molkereimilch, an der vergangenheitsbezogenen Kostenentwicklung für landwirtschaftliche Produktionsmittel und an der prospektiven Markteinschätzung. Welcher dieser drei Faktoren war für den Entscheid massgebend?
Die Milcheinlieferungen sind rückläufig. Dies und andere Faktoren deuten darauf hin, dass der Preis da bleibt, wo er ist. Ein weiteres, wichtiges Argument ist, dass der Detailhandel mitgeholfen hat, den Richtpreis zu halten. Dies ist ein starkes Zeichen und zeigt, dass auch die Grossverteiler ihre Verantwortung gegenüber den Milchbauern und der Schweizer Milchbranche vermehrt wahrnehmen.

Aber es brauchte auch Überzeugungsarbeit, damit der Detailhandel mitgezogen hat?
Ja, natürlich. Die nachgelagerten Stufen sehen aber auch, dass immer mehr aus der Produktion aussteigen. Vor allem nehmen sie auch wahr, dass nun auch Grossbetriebe aufgeben. Solche, die voll auf die Karte Milch gesetzt hatten und bei denen jede Preisänderung erhebliche Folgen hat

Waren die Produzenten geschlossen beim Entscheid?
Selbstverständlich. Man kann allgemein sagen, dass innerhalb der BOM besser zusammengearbeitet wird als früher.

Wieso?
Wir haben heute weniger Querelen, und alle sind sich ihrer grossen Verantwortung bewusst. Man arbeitet aufgabenorientierter, und man hat mehr Verständnis für die verschiedenen Anliegen. Dies will aber nicht heissen, dass wir immer gleicher Meinung sind. Wir müssen zum Teil für unsere Anliegen immer noch hart kämpfen.

Was kann getan werden,  damit der A-Richtpreis in Zukunft wieder besser eingehalten wird?
Erstens müssen Milchproduzenten sich besser absprechen, um den Richtpreis konsequent durchzusetzen. Zweitens müssen, solange kein anderes politisches Mittel zur Verfügung steht, die Gelder im Rahmen des Schoggigesetzes vom Parlament bewilligt werden, und drittens müssen alle in der Schweizer Milchbranche ihrer Verantwortung bewusst werden.

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