8.08.2018 10:29
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Dürre: Bund oder Detailhandel?
Die Trockenheit macht der Schweizer Landwirtschaft stark zu schaffen. Um Linderung zu verschaffen, will der Bund die Zölle für die Futtermittel Heu und Silomais befristet senken. Der Schweizer Bauernverband sieht auch den Detailhandel in der Pflicht und fordert einen Solidaritätsbeitrag für Industriemilch. Was halten von den Zollsenkungen und dem Solidaritätsbeitrag? Mitdiskutieren und abstimmen

Die Trockenheit setzt vielen Schweizer Bauern zu. Das massive Niederschlagsdefizit führt besonders in der Ostschweiz , aber nun auch in den übrigen Regionen der Schweiz, zu erheblichen Schäden an den Kulturen wie Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben sowie am Gras auf Weiden und Wiesen. Die Pflanzen wachsen nicht mehr oder im schlimmsten Fall verdorren diese. Den Bauern drohen massive finanzielle Ausfälle. Zudem müssen sie für ihr Vieh Futter zukaufen oder Tiere schlachten – mit gravierenden Folgen.

Wegen den ausgetrocknete Weiden und Wiesen verschärft sich die Futterversorgung von Rindviehhaltern. Einige müssen bereits auf die Wintervorräte zurückgreifen oder verfüttern Mais. Andere wiederum reduzieren den Tierbestand. Weil nun aber so viele Kühe auf den Markt gekommen sind, gab es von Freitag auf Montag einen Preissturz von über 1 Franken pro Kilo Schlachtgewicht. 

Zoll für Heu auf null

Der Bauernverband forderte vergangene Woche als erste Sofortmassnahme die Aufhebung der Zölle auf Importheu von drei Franken pro 100 Kilo auf null. Damit soll die finanzielle Belastung für die Sicherung der Futterversorgung gelindert werden. Der Bundesrat nimmt diese Forderung auf. Die befristete Senkung der Importzölle auf Heu und Silomais soll Versorgungsengpässe beheben, teilte die Landesregierung am Montag mit. Die genaue Höhe will der Bund in Bälde kommunzieren.

«Weil Futtermittel wegen der Trockenheit im Inland und im nahen Ausland knapp sind, steigen die Preise. Die befristete Zollsenkung soll das zum Teil kompensieren», hiess es in der Mitteilung. Doch auch im übrigen Europa ist es derzeit sehr trocken. Dort suchen die Bauern ebenfalls nach Futter. Die Preise dürften also weiter steigen.

Begrüsst wird die Massnahme des Bundesrates von den Schweizer Milchproduzenten. Kurzfristig sei es zielführend und angebracht, die Grenzbelastung für Raufutter, insbesondere für Heu und für Silomais, zu senken. «Trotz dieser Zollsenkung müssen die Produzenten mit einer deutlichen Mehrbelastung rechnen», mahnen die SMP.

Solidaritätsbeitrag von 5 Rappen

Um der Trockenheit zu begegnen, wendet sich der Schweizer Bauernverband (SBV) aber nicht nur an den Bund, sondern vor allem auch an die Marktpartner – sprich Verarbeiter und Detailhandel.
Der Verband zeigt sich über die bereits beschlossenen Massnahmen von Bund und Kantonen zufrieden. «Der SBV ist froh, dass der Ernst der Lage erkannt ist», heisst es in der Mitteilung weiter. 

Zusätzlich hat der Bauerverband am Dienstag ein Massnahmenpaket beschlossen. «Unser Hauptfokus liegt natürlich bei den Marktpartnern», sagte Martin Rufer, Leiter Produktion, Märkte und Ökologie beim SBV, auf Anfrage der Agentur Keystone-SDA. Der SBV verfolgt drei Stossrichtungen. Dieses umfassen die Sicherstellung der Futterversorgung sowie die Solidarität innerhalb der Branche und der Wertschöpfungskette. 

So fordert der Bauernverband die Detailhändler auf, für die Industriemilch befristet bis am 30. April 2019 fünf Rappen Solidaritätsbeitrag zu bezahlen. Dieser soll vollumfänglich den Milchproduzenten zugute kommen. Alle bestehenden Abzüge sollen eingestellt werden. Dieser Beitrag ist aus der Sicht des Verbandes deshalb angebracht, weil die Futterkosten steigen und Milchmengen sinken werden.

Was halten Sie vom Beschluss des Bundesrates, die Zölle auf Futtermittel zu senken? Bringt das Linderung? Und kann der Bauernverband den Detailhändlern einen Beitrag abringen? Oder ist dies geschickte PR? Oder sollte der Markt die Folgen der Trockenheit regeln? Mitdiskutieren und abstimmen

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