13.09.2018 17:08
Quelle: schweizerbauer.ch - hal
Hofübergabe
«Eigeninitiative braucht sehr viel Zeit»
Unzählige Abklärungen, eine happige Finanzierung – die ausserfamiliäre Hofübernahme ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Wielands erzählen von ihren Erfahrungen und von ihrem Traum, einen eigenen Hof zu bewirtschaften.

Der kurvige Weg führt, eingebettet in die hügelige Emmentaler Landschaft, durch Wälder und grüne Wiesen. Ein Wegweiser mit der Aufschrift «Wielandleben» macht bei der letzten Weggabelung auf den Hof der Familie Wieland aufmerksam. 

Kaum angekommen, erkennt man rasch, dass hier jemand aufs Detail achtet. Der mit Liebe eingerichtete und geschmückte Bauernhof ist unverkennbar. Wielands sind hier aber noch nicht lange am Werk. Per 1. Januar 2018 konnten sie den Betrieb übernehmen. Wie hat das engagierte Ehepaar die «nicht ganz normale Hofübergabe» gemeistert? 

Ausserfamiliäre Übergabe

Das Vorgängerehepaar Ernst und Lydia Lehmann hat den Betrieb traditionell geführt und auf Milchwirtschaft gesetzt.  Als ihre Nachfolger wählten sie Salome und Thom Wieland.  «Im Herzen wünschten wir uns schon lange einen  eigenen Bauernhof im Emmental», erzählt Salome.  An ihren früheren Wohnorten hätten sie jeweils für ihre Schafe Land pachten können.

Die neuen Ideen, die bereits  auf  dem Betrieb umgesetzt werden (siehe Kasten), sprengen die kühnsten Vorstellungen. Der schon vorher von Lehmanns gepflegte Betrieb erscheint wie in  einem Frühling neu aufgeblüht. 

Unterstützung nötig

Bis es so weit kam, gab es einige Hürden zu überwinden, wie Wielands selbst sagen. Bei der Suche nach einem Hof hätten sie viele Enttäuschungen erlebt, bis sie sich auf ein Inserat für den Hof in Röthenbach im Emmental bewarben. «Es war ein grosses Geschenk, dass sich Lehmanns für uns als ihre Nachfolger entschieden haben.» Doch die Finanzierung des Betriebs gestaltete sich als grosse Herausforderung. 

Bis auf eine Bank hätten mehrere Banken auf eine Kreditvergabe verzichtet. Das Risiko sei zu gross, lautete die Begründung. Ein Erbvorbezug beider Eltern, zinslose Darlehen zweier Stiftungen sowie A-fonds-perdu-Beiträge ermöglichten den Erwerb des Betriebs. Die Stiftungen zur Erhaltung der bäuerlichen Familienbetriebe sowie Schweizer Bergheimat unterstützen Biobetriebe mit einem zukunftsträchtigen Konzept. 

Viele Abklärungen

Am Inforama nahmen Wielands Beratung zur Finanzierung, zur Wirtschaftlichkeit des Betriebs und zur Bioumstellung in Anspruch. Bevor die eigenen Ideen umgesetzt werden konnten, waren zahlreiche Abklärungen  und Bewilligungen erforderlich: für das gezügelte Bienenhaus und den Ziegenstall, den Stöckli-Umbau, das betreute Wohnen, den Gastrobetrieb oder den Produktionsraum für Teigwaren. Wielands bestätigen: «Eigeninitiative braucht sehr viel Zeit.»

Wielandleben-Hof

Die Landwirtschaft sei die Grundlage für alle Projekte, sagen Wielands. Der Biobetrieb in Umstellungsphase umfasst 13 ha, 4 ha Pachtland in der Bergzone 2 und 10 ha Wald. Nebst Grasland werden auf 70 a Urdinkel angebaut. Das Mehl wollen sie mit der Produktion von Brot und Teigwaren selbst verwerten und vor allem an die Gäste verkaufen. Neben 14 Milchkühen mit Aufzucht halten sie 20 Mutterschafe, 3Ziegen, 22 Bienenvölker sowie Kleintiere wie Hühner, Enten, Kaninchen, Gänse und Pfauen. Einige gehören zu den bedrohten Rassen wie die Walliser Kupferhalsziege oder die Saaser Mutten. Wielandleben ist ein Pro-Specie-Rara-Gütesiegelbetrieb. 

Wielands bieten betreutes Wohnen an für drei beeinträchtigte Personen. Weiter arbeitet das Vorgängerehepaar Ernst und Lydia Lehmann  auf Abruf  im Stundenlohn mit. Neben einem Massenlager steht Bed and Breakfast im Aufbau: Im Speicher werden in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege drei Doppelzimmer eingebaut. Auf dem Hof können dank viel Platz und dem erworbenen Wirtepatent von Salome Wieland Apéros und Events für bis zu 500 Personen angeboten werden. Der Hofladen lädt zum Kauf von Spezialitäten ein. Wielands können auf viele begabte Menschen zurückgreifen, die sie in ihren Projekten tatkräftig unterstützen. hal
www.wielandleben.ch

Produkte selbst verwerten

Woher haben Wielands die Motivation, einen Betrieb derart vielfältig aufzustellen und zu entwickeln? Salome erzählt: «Ich hatte in vergangener Zeit mehrere Arbeitsplätze, habe viel erlebt, und das möchten wir in Zukunft nicht missen wollen.» Mit dem Betrieb wissen sie, was sie vorhaben: «Wir möchten das, was uns die Natur gibt, möglichst für uns und für unsere Gäste verwenden.» Schliesslich sässen neben den Gästen täglich 6 bis 12 Personen am Tisch.

Man spürt, Wielands haben die Energie, die Motivation und die Freude, in ihrer neuen Heimat künftig viele Personen mit wertvollen Produkten, herzlichen Begegnungen und unvergesslichen Aufenthalten zu überraschen.

Wielands im SRF

In der DOK-Serie «Abenteuer Nachfolge» zeigt SRF 1 jeweils am Donnerstag, wie Salome und Thom Wieland sich mit der Übernahme des Hofs von Ernst und Lydia Lehmann ihren lang ersehnten Traum erfüllen. Der DOK-Film zeigt, was der Abschied für Lehmanns bedeutet und wie Wielands ihre neuen Ideen auf dem bisher traditionell geführten Milchwirtschaftsbetrieb umsetzen. hal 

Dok auf SRF 1 ab 21 Uhr

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