25.04.2013 07:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Hans-Peter Widmer
Aargau
Eine der kniffligsten Gesamtmeliorationen
Eine der kniffligsten GesamtmeliorationenIn Schupfart im oberen Fricktal ist eine der komplexesten aargauischen Meliorationen abgeschlossen worden.

«Kein Bewirtschafter möchte mehr zu den alten Zeiten zurück», stellte Präsident Urban Kramer an der Schlussversammlung der Bodenverbesserungsgenossenschaft Schupfart fest. Niemand widersprach ihm. Kein Wunder, denn die Güterzusammenlegung brachte den aktiven Landwirten klare Vorteile. Bauern, die früher über 30 kleine und schmale Parzellen bewirtschafteten, können sich heute auf zwei bis drei grössere und gut erschlossene Grundstücke konzentrieren.

Extreme Zerstückelung

Wegen des extrem zerstückelten alten Grundbesitzes war die Gesamtmelioration von Schupfart eine der komplexesten bisherigen Güterregulierungen im Aargau. Es galt, 2000 Einzelparzellen von 219 Eigentümern zu arrondieren. Daraus entstanden schliesslich noch 445 Grundstücke für 194 Besitzer.

Die Hälfte der 400 Hektaren grossen Flur wird aber nicht mehr von den Grundeigentümern selber bewirtschaftet, sondern ist verpachtet. Zur Optimierung der landwirtschaftlichen Bearbeitung wurden die gepachteten Flächen im Rahmen einer freiwilligen Arrondierung möglichst nahe beim Eigenbesitz der Landwirte platziert.

Es gibt in Schupfart noch ein halbes Dutzend Haupt- sowie rund zwei Dutzend Nebenerwerbsbetriebe. Zwei Landwirtschaftsbetriebe siedelten vom Dorf ins offene Kulturland aus, eine weitere Aussiedlung ist im Gang. Die Regulierung wurde 1994, nach zwei erfolglosen vorherigen Versuchen, in Angriff genommen. Im Laufe des Verfahrens kam noch die anfänglich nicht vorgesehene Regulierung von 188 Hektaren Wald hinzu.

Moderne Melioration

Schupfart war keine Güterregulierung alten Stils mehr, sondern eine moderne Gesamtmelioration, bei der erstmals im Aargau die Anliegen der Landwirtschaft, des Natur- und Landschaftsschutzes sowie der Raumplanung gleichwertig behandelt wurden. Der multifunktionale Ansatz ergab sich nicht zuletzt aus dem Umstand, dass Teile des Gemeindebanns im Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung (BLN) liegen.

Zur ökologischen Aufwertung wurden sieben Weiher und Tümpel angelegt, 1400 Meter Bäche renaturiert und 1400 Meter neue Hecken gepflanzt. Schupfart verfügte im Vergleich zum übrigen Fricktal über einen überdurchschnittlichen Bestand von rund 1400 Feldobstbäumen. Wegen der gesunkenen wirtschaftlichen Bedeutung und der Landumlegungen wurde mehr als die Hälfte der Hochstämmer liquidiert.

Viele Knacknüsse

Das Meliorationsprojekt bot viele Knacknüsse. Beim Feststellungsverfahren des alten Besitzstandes musste man sich wegen fehlender Vermessung auf 19 noch vorhandene Kartonpläne aus der Zeit um 1858 stützen. Dieses Parzellennetz wurde mit neuen Luftbildern (Orthofotos) überlagert. So konnte den Grundeigentümern eine leicht lesbare Plangrundlage zur Verfügung gestellt und die aufwendige Verpflockung umgangen werden.

Auch bei der Waldermittlung wurden neue Wege beschritten. Aufgrund der vielen Einzelparzellen verzichtete man auf die Einzelbaum-Kluppierung, schätzte stattdessen den Wert der Waldbestände und verschnitt ihn mit dem Parzellennetz.

Der Kanton machte die Projektgenehmigung von einer Umweltverträglichkeitsprüfung und einem Entwicklungskonzept Landwirtschaft sowie davon abhängig, dass 15 Prozent ökologische Ausgleichsflächen ausgeschieden, 40 Hektaren Wald der Nutzung entzogen und das Flurwegnetz grundsätzlich nicht erweitert wurden. Der Wegbau erforderte Nachbesserungen, weil es an steilsten Lagen dann eben doch nicht ohne Belagsbefestigungen ging.

Viel Lob

Erleichtert, aber im Grossen und Ganzen zufrieden blickten an der Schlussversammlung der Technische Leiter Viktor Oeschger und Präsident Urban Kramer auf das rund 8 Mio. Franken teure Werk zurück. Von Seiten der Gemeindebehörden, der Aargauer Regierung und des Bundesamtes für Landwirtschaft bekam die gelungene Melioration viel Lob.

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