16.03.2020 12:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Ramona Riedener
St. Gallen
Einen Traum verwirklicht
Seit rund zwei Monaten ist Pius Fischli Pächter des Balgacher Wiesenhofs. Ein lang gehegter Wunsch ging in Erfüllung.

«Jetzt sind die Kühe ganz mein», stellt der Pächter vom Wiesenhof voller Freude und Stolz fest. Mit ausladender Geste zeigt er über den idyllisch gelegenen Hof, umgeben von Wiesen, Feldern und Bäumen im Balgacher Ried.

Entscheidung fiel nicht sofort

Für Pius Fischli ging am Neujahr ein Traum in Erfüllung, als er den Hof von Bäuerin Nicole Ritz übernehmen konnte. Malerisch ist die Aussicht auf die teils schneebedeckten Vorarlberger Berge, die sich abheben vom azurblauen Himmel und den weissen Wolken im Horizont. Noch ruht die Natur, doch untrügliche Zeichen künden den kommenden Frühling an. Lange bevor seine ehemalige Chefin im vergangenen Sommer konkrete Hofübergabepläne schmiedete, suchte Pius Fischli nach einer neuen Herausforderung.

Obwohl sich damit eine einmalige Chance für den damaligen Betriebsleiter bot, fiel seine Entscheidung nicht von heute auf morgen. «Ich bin alleine und war mir anfangs nicht sicher, ob ich den grossen Betrieb unter diesen Umständen übernehmen soll. Auch musste ich das betriebliche und finanzielle Risiko abschätzen. Erst im Dezember war der Entscheid definitiv.» Da es sich um eine ausserfamiliäre Nachfolge handelte und der potenzielle Pächter nicht Ortsbürger ist, musste neben den administrativen und rechtlichen Angelegenheiten auch die Bodenpachtverhältnisse mit der Ortsgemeinde geregelt werden. 

Vorher Betriebsleiter

Seit zwei Monaten trägt er nun die alleinige Verantwortung für den stattlichen Betrieb, wo er vorher acht Jahre Betriebsleiter war. «Es ist ein schönes Gefühl. Ich mache die Arbeit auf dem Hof nun ganz für mich», sagt der 36-jährige Bauer und strahlt übers ganze Gesicht, während er von den ersten Wochen als Pächter berichtet. «Eigentlich hat sich seit der Übernahme nicht viel verändert. Meine Chefin hat mir zwar immer freie Hand gelassen, doch die letzte Entscheidung hat natürlich sie getroffen. Nun liegt es an mir. Und ich trage nun die Konsequenzen alleine, im guten und im schlechten Fall.»

So hat es sich Pius Fischli immer vorgestellt. Bereits als Kind wollte er Bauer werden. Doch als Zweitjüngster von fünf Geschwistern hatte der Bauernsohn kaum eine Chance, einmal den elterlichen Hof in Rebstein übernehmen zu könnten. Trotzdem liess er sich nicht von seinem Traumberuf abbringen und machte die landwirtschaftliche Ausbildung. Mit viel Leidenschaft arbeitete der junge Landwirt in verschiedenen Betrieben als Angestellter und als selbstständiger Betriebshelfer. 

54 Milchkühe

Im Aussenbereich des modernen Laufstalls geniesst Stier Firn träge die bereits wärmende Frühlingssonne. Im Stall ist Siesta angesagt. Nur eine der 54 Milchkühe dreht gemächlich ihre Runde zwischen dem Mistroboter, der neben dem Melkroboter die Arbeit erleichtert. Der Wiesenhof ist auf Milchwirtschaft und Aufzucht spezialisiert. Von den 29 Hektaren sind rund 23 Hektaren Wiese und Weideland, vier Silomais und etwa 2,2 ha Ökofläche.

Seit Pius Fischli hier sein Wirkungsfeld gefunden hat, arbeitet er mit seinem ältesten Bruder, der  den elterlichen Betrieb übernommen hat, eng zusammen. Ausserdem kann der junge Pächter, wenn er Rat und Tat braucht, stets mit seiner ehemaligen Chefin rechnen. Der Tag beginnt früh für den Landwirt. «Gewöhnlich stehe ich um halb fünf auf. Abends wird es dann meist 18.30 bis 19 Uhr, bis ich Feierabend habe», sagt Fischli.

Der Beruf ist sein Hobby

Sein Beruf sei sein Hobby, beantwortet er die Frage nach seiner Freizeitbeschäftigung. Mit den Tieren arbeiten ist seine grosse Leidenschaft. «Man muss einfach gut beobachten, dann merkt man, wie es den Tieren geht. Die Beobachtungsgabe kann man trainieren.» Ein gutes Gespür, sowie, wie er sagt, die nötige Portion Glück, hat Fischli ebenfalls wenn es um Zucht geht.

Der Rundgang durch den «Kindergarten» zeigt, dass er in den letzten Wochen einige Nacht- und Sondereinsätze leisten musste. Kalberkuh Ona erholt sich von den überstandenen Geburtsstrapazen. Unter den  Kühen ist auch Stallschönheit Dolly, die im letzten Oktober zur Miss Altstätten gekürt wurde.

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