3.11.2014 12:46
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
Einspruch gegen Lactofama
Für die Lactofama sollen 0,35 Rp./kg (plus 0,1 Rp./kg bei den Aktionären) abgezogen werden. Das ist nicht unumstritten.

Warum müssen sich die Milchproduzenten für die Lactofama Milchgeld abziehen lassen? Unter dieser Frage hatte Heinz Siegenthaler, Präsident des Bernisch Bäuerlichen Komitees (BBK), vergangene Woche in das Restaurant Tell in Tägertschi BE eingeladen. Kurt Nüesch, Direktor der Schweizer Milchproduzenten (SMP), stellte die Vorteile der Lactofama vor: «Ich weiss, dass Abzüge nicht beliebt sind, aber wir sind überzeugt, dass die Lactofama im Interesse aller Milchproduzenten ist.»

«Im Interesse aller»

Im Frühling 2014 seien die Butterlager  entlastet worden, im ersten Halbjahr seien die A- und B-Preise stabil geblieben, und bei der C-Milch sei Transparenz geschaffen worden, betonte Nüesch. Alles hange zusammen: Auch die Preiserhöhung beim Emmentaler AOP sei nur wegen der Stabilität im ersten Halbjahr möglich gewesen. Wer Nein sage, dürfe sich nicht beklagen, wenn er wieder stärker den Verarbeitern ausgesetzt sei.

Warum ist die Segmentierung wirkungslos? Dies die zweite Frage auf der Einladung – ein Steilpass für Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch (BOM). Er rechnete vor, dass die Segmentierung zwischen A und B zu «massiv höherer Wertschöpung (rund 35 Mio. Fr.) für die Produzenten» führe. Denn die Grossverteiler würden sonst für A-Milch rund 4 Rp./kg weniger bezahlen.

Ihm widersprach Milchproduzent Ernst Lehmann aus Oberwil bei Büren BE energisch: «Die sogenannte Segmentierung in A,B,C ist etwas für den Kindergarten, das ist nicht kontrollierbar, das dient nur zur Senkung des Milchpreises, hört auch sofort auf mit Lactofama!» Er weigere sich, allfällige Lactofama-Beiträge zu bezahlen.

Widersprüchliche Abzüge

Martin Meier aus Noflen BE pflichtete ihm bei: «Wir wehren uns gegen Abzüge für die Lactofama.» Diese schiebe die Probleme nur hinaus. Walter Büschlen aus Achseten BE sprach eine weitere Problematik an: «Mein Standard ist 4,2% Fett. Von der Fütterung und der Genetik her wäre es für mich besser, einen etwas tieferen Fettgehalt anzustreben. Aber dann werde ich mit einem Abzug bestraft.» Im Laden habe die Vollmilch nur 3,5% Fett, er frage sich, wer an dieser Differenz beim Fett verdiene. Es sei doch ein «Riesen-Paradoxon», dass mit der Lactofama allen ein Abzug gemacht werden solle – für Fettüberschüsse. 

Das Schlusswort hatte Heinz Siegenthaler: «Ich sage ‹Ja, aber› zur Lactofama. Die zwei Bedingungen sind, dass die C-Milch bis zum Produzenten ausgewiesen wird und dass der Abzug in Zukunft statt auf der Milchmenge auf dem Fettgehalt vorgenommen wird.» Er verwies auf die schönen Simmentaler Kühe gleich neben dem Wirtshaussaal: «Es ist schade, dass das Produkt Milch im Moment noch nicht den Wert hat, den es haben müsste.

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