28.09.2014 07:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Sömmerung
«Einstafelige Alpen litten unter der Nässe»
Der nasse Sommer führte dazu, dass vielerorts Tiere früher von der Alp kamen. Trotzdem sei der Alpsommer nicht nur schlecht gewesen, sagt Jörg Beck, Geschäftsführer des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbandes (SAV).

«Schweizer Bauer»: Der SAV hat vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) verlangt, dass Sömmerungsbetriebe auch dann den vollen Beitrag erhalten, wenn sie das Vieh frühzeitig abtreiben und dadurch den Normalbesatz von 75% nicht erreicht haben. Ist der SAV mit der Antwort des BLW zufrieden?
Jörg Beck: Die Antwort des BLW ist nicht unerwartet. Natürlich ist der SAV an einer genügenden Bestossung der Alpen interessiert. Wenn das BLW eine gewisse Kulanz nur bei Betrieben gelten lässt, die in der Vergangenheit zwischen 90 und 110% des Normalbesatzes erfüllt haben, verschliessen sie die Augen vor der Realität. Die Alpen bekunden immer mehr Mühe, genügend Tiere zu finden. Es ist ja nicht so, dass die Älpler weniger Tiere wollen, es ist eher die Bundespolitik, die insgesamt zu weniger Tieren führt.

Der Sommer 2014 war über weite Strecken durch Schlechtwetterperioden geprägt. Was waren die Auswirkungen?
Insgesamt war der Sommer zu nass und zu kühl. Die Auswirkungen sind aber regional sehr unterschiedlich. So hatten im Wallis die Alpbewirtschafter kaum mit Trockenheit zu kämpfen und hatten entsprechend genügend Futter. Unterschiedlich sind die Auswirkungen auch auf die verschiedenen Alptypen. Einstafelige Alpen, wie sie am Alpenrand, also Kanton Freiburg, Luzern, aber auch Kanton Appenzell, anzutreffen sind, litten stark an den vernässten Böden. Insbesondere die stallnahen Flächen und Triebwege erlitten Trittschäden. Wegen der kühlen Witterung vor allem im Juli und August war dann der zweite Aufwuchs zögerlich. Die durch Trittschäden verunstalteten Weiden werden im übrigen Folgen für die Älplerinnen und Älpler auch nächstes und übernächstes Jahr haben: Unkrautdruck und Nässe werde zunehmen.

War die Käsemenge geringer als in anderen Jahren?
Aufgrund der Signale, die ich erhalten habe, konnte die Milch- und entsprechend die Käsemenge gehalten werden.

Hat die Nässe Auswirkungen auf die Käsequalität?
Trotz der schwierigen Witterungsverhältnisse wird eine gute Käsequalität erwartet. Das ist für mich ein Zeichen, dass unsere Älplerinnen und Älpler auch unter schwierigen Voraussetzungen absolut professionelle Arbeit leisten können.

Wie hat sich das nasse Wetter auf die Tiergesundheit ausgewirkt?
Es wurden vermehrt Klauenprobleme gemeldet, was nicht erstaunlich ist, da sich das Panaritium über den Boden verbreiten kann. Die Rega musste mehr Einsätze fliegen wegen verunglückter Tiere als letztes Jahr.

Nicht nur Milchkühe sondern auch Jungvieh, Mutterkühe oder Schafe werden gesömmert. Hatten auch sie mit der Nässe zu kämpfen?
Je nach Region und Alp hat man verschieden reagiert. Bei Jungvieh und Milchkühen konnte man zum Teil stallen und die Weiden entlasten. Mutterkuhherden machen auf durchnässten Böden natürlich grösseren Schaden, da sie permanent auf der Weide sind. Die schlechte Witterung hat auf die Schafe als leichte und robuste Tiere weniger Einfluss. Einzig vermehrte Klauenprobleme können durch die Dauerfeuchtigkeit auftreten.

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