3.03.2017 08:46
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Elsa will nachhaltigere Milchproduktion
Die Migros-Tochter Elsa kündigt als zweiter Schweizer Milchverarbeiter nach Emmi die Einführung eines Nachhaltigkeitsprogramms an. Lukas Barth, Leiter Agrarpolitik und Milchbeschaffung, erklärt die Grundzüge.

«Schweizer Bauer»: Was ist das Ziel des Nachhaltigkeitsprogramms von Elsa?
Lukas Barth: Das Hauptziel ist, die Glaubwürdigkeit der Milchproduktion in der Schweiz durch erkennbare Mehrwerte für Tier, Mensch und Umwelt langfristig zu sichern. Wir sind unter einem starken Konkurrenzdruck aus dem Ausland sowohl durch Importe wie auch durch den Einkaufstourismus. Hier müssen wir dagegen halten.

Was beinhaltet das Programm?
Das ist noch nicht abschliessend definiert, dies wollen wir im jetzt gestarteten Pilotprojekt mit unseren Produzenten zusammen definieren. Mehrwerte wie Tierwohl, Tiergesundheit, Fütterung, Klimaschutz oder Biodiversität sind heute den Konsumenten wichtig. Wichtig ist, dass wir alle Dimensionen der Nachhaltigkeit ansprechen: Ökologie, Ökonomie und Soziales.

Zur sozialen Nachhaltigkeit gehört auch, dass die Wertschöpfung gerecht verteilt wird. Welchen Nutzen hat ein Elsa-Lieferant vom Programm?
In einem Umfeld mit Marktanteilsverlusten geht es zuallererst darum, die Milchproduktion längerfristig zu sichern. Wir wollen die Produzenten in diesem Prozess aktiv begleiten und unterstützen – zum Beispiel bei Verbesserungen im Bereich Tiergesundheit welche auch eine Kostenwirkung hat. Mehrleistungen rechtfertigen aber auch Preisanreize…

…es ist bekannt, dass die Elsa als der vielleicht einzige Schweizer Milchverarbeiter die Richtpreise einigermassen einhält. Gemäss SMP-Milchpreismonitoring betrug der Mischpreis im November 56,1 Rp./kg. Aber erhält der Bauer absolut gegenüber heute mehr dafür, dass er auch mehr leisten muss?
In einer Produzentenbefragung haben wir festgestellt, dass unsere Produzenten in vielen Bereichen bereits ein sehr hohes Niveau aufweisen. Im Pilotprojekt wollen wir verstehen, was ein allfälliger Anpassungsbedarf für die Produzenten bedeutet. Wir haben angedacht, dass je nach Leistung die in den verschiedenen Modulen erbracht wird, Zuschläge ausgerichtet werden – ähnlich wie das heute bei uns schon bei der Gehaltsbezahlung oder bei den Zuschlägen je nach Milchfettsäurezusammensetzung der Fall ist. Demzufolge wird für überdurchschnittliche Qualität auch mehr bezahlt.

IP-Suisse ist mit dem Label «TerraSuisse» ein wichtiger Partner für die Migros. Welche Rolle hat IP-Suisse in dem Projekt?
IP-Suisse ist aktiv in des Projekt involviert. Die genaue Rolle von IP-Suisse in der Umsetzung werden wir noch gemeinsam festlegen.

Im Programm «Aus der Region, für die Region» (AdR) hat IP-Suisse aber bereits ein Wiesenmilchprogramm mit der Migros. Wird dieses damit infrage gestellt?
Die TerraSuisse/AdR-Wiesenmilch ist ein Label und positioniert sich über spezifische Mehrwerte und im genannten Fall auch über die Regionalität. Mit dem neuen Programm streben wir eine Absicherung der Basismehrwerte an. Terra-Suisse-Wiesenmilch wird daher von diesem Programm nicht infrage gestellt.

Wie wird das Programm aufgegleist?
Zunächst haben wir eine umfangreiche Analyse der Ist-Situation gemacht, aber auch die Wünsche und Bedürfnisse der Konsumenten erforscht. Darauf haben wir unter Mitwirkung wissenschaftlicher Experten ein Konzept entwickelt. Im ganzen Prozess haben wir an Workshops die Produzenten aktiv einbezogen. Sie haben uns hierbei auch wertvolle Inputs gegeben. Nun starten wir mit rund 40 Produzenten in eine Pilotphase. Dabei soll das Programm in der Praxis erprobt, wissenschaftlich evaluiert und aufgrund der Erfahrungen auch noch nachgebessert werden. Die definitive Ausgestaltung ist also noch offen.

Die Elsa gilt als ein Milchverarbeiter, der überdurchschnittlich grosse und auch überdurchschnittlich intensive Direktlieferanten hat. Wie verträgt sich das mit der Nachhaltigkeit?
Zunächst einmal ist es ein Vorurteil, dass Elsa nur überdurchschnittlich grosse Milchproduzenten hat. Nachhaltigkeit verträgt sich ausserdem absolut mit Grösse, eine standortgerechte Intensität ist zudem aus Sicht der Ressourceneffizienz sogar erstrebenswert.

Müssen alle Elsa-Lieferanten, also nicht nur die Direkt-, sondern auch die Poollieferanten, die neuen Standards einhalten?
Wir haben einen Phasenplan, zuerst der Pilot, wo das System getestet und allenfalls angepasst wird, danach erfolgt die stufenweise Umsetzung mit Direkt- und Poollieferanten.

Elsa ist ja nicht der erste Milchverarbeiter, der ein solches Programm lanciert. Emmi hat das auch schon angekündigt. Wie sollen nun Produzentenorganisationen wie etwa «Mooh», die in beide Firmen liefern, allenfalls unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden?
Diese Frage bleibt noch zu klären.

Emmi verlangt neben der Teilnahme an mindestens einem der Tierwohlprogramme Raus oder BTS auch, dass weniger Kraftfutter gefüttert wird. Wie sieht das bei Elsa aus?
Die entscheidende Grösse ist aus unserer Sicht die Kraftfutterintensität, also die Frage wie viel Gramm Kraftfutter pro kg Milch eingesetzt wird. Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass unsere Produzenten bereits heute weniger Kraftfutter pro kg Milch einsetzen, als dies in vergleichbaren Studien ausgewiesen wurde.

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