14.02.2015 06:23
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Emmi bezahlt nur noch 10 Rp./kg für C-Milch
Gerade mal noch 10 Rp./kg ist Milchverarbeiter Emmi im Februar die C-Milch wert. Die Erklärungsversuche wirken ratlos.

Dass der Richtpreis von 68 Rp./kg franko Rampe fürs A-Segment nicht flächendeckend eingehalten wird, ist bekannt. So bezahlen die grossen Molkereien wie Cremo und Emmi A-Preise, die etwa 5 Rp./kg unter dem Richtpreis liegen. Auch wenn der Richtpreis franko Rampe gilt und die Logistik einen gewissen Aufwand verursacht, besteht trotzdem ein grosses Loch zum A-Richtpreis.

EU-Index bei 27 Rappen

Viele Bauern sind sich aber wohl nicht bewusst, dass auch für den C-Milch-Anteil bei Weitem nicht der Preis bezahlt wird, der eigentlich möglich wäre. «Der Richtpreis des C-Segmentes entspricht dem Rohstoffwert eines Kilogramms Milch bei der Verwertung zu Magermilchpulver und Butter für den Export auf den Weltmarkt», lautet die Definition gemäss Reglement der Branchenorganisation Milch.

Der Kieler Rohstoffwert, ein von der Zusammensetzung und Wertschöpfung dem C-Preis entsprechender, internationaler Richtpreis, betrug im Januar 26,6 Cent/kg franko Rampe (bei heutigem Wechselkurs 29 Rp./kg) oder 25,2 Cent/kg (bei heutigem Wechselkurs 27 Rp./kg) ab Hof.

C-Milch für 10 Rappen

Der C-Richtpreis der BOM betrug hingegen nur 22,8 Rp./kg und liegt damit eigentlich schon unter dem Preis, der international zu lösen wäre. Doch auch dieser Richtpreis wird von Emmi im Februar nun noch um mehr als die Hälfte unterboten. 

Im Anhang 1 zum Milchkaufvertrag, gültig ab Februar 2015, kündigt Emmi nun an, für die C-Milch brutto noch 18,3 Rp./kg zu bezahlen. Von Februar bis Mai kommt ein saisonaler Abzug von –4 Rp./kg dazu. Zusätzlich werden noch einmal –4,1 Rp./kg für «Frankenstärke und Schoggigesetz» abgezogen. Das ergibt unter dem Strich einen C-Milch-Preis von 10,2 Rp./kg Milch.

Zwar werden viele Milchbauern diesen Preis nicht auf ihrer Abrechnung sehen, weil die Lactofama den C-Preis auf voraussichtlich 38 Rp./kg hochstützt. Für Emmi bleibt der Rohstoff damit aber gleich billig. Warum wird aber für Milch, deren Preis sowieso schon unter EU-Preisniveau liegt, noch ein Abzug für Rohstoffpreisdifferenz zur EU (Schoggigesetz) und Währungsschwankungen gemacht?

«C-Milch-Schwachsinn»

Toni Peterhans, Emmi-Direktlieferant aus Fislisbach AG, hat dazu eine klare Antwort: «Die Schweizer Milchbauern müssen zum halben Preis C-Milch liefern, damit unsere Verarbeiter halbwegs konkurrenzfähig sind mit dem Ausland.»

Er verzichte deshalb auf die Lieferung von C-Milch: «C-Milch zu produzieren ist betriebswirtschaftlicher Schwachsinn», schiebt er nach. In keiner anderen Branche werde unter den Rohstoffpreisen auf dem Weltmarkt produziert. Deshalb wehre er sich dagegen, C-Milch liefern zu müssen, wie Emmi es neu beabsichtige.

Das sagt Emmi

Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker sagt zum C-Milch-Preis von 10 Rp./kg: «Emmi wendet ein transparentes und BOM-konformes Milchpreissystem an und verzichtet im Gegensatz zu anderen Unternehmen und Organisationen auf Mischpreise. Deshalb muss das Preissystem insgesamt beurteilt werden und nicht nur einzelne Elemente daraus. Beispielsweise bezahlt Emmi auf sämtlicher Milch auch Lademengenzuschläge im Umfang von bis zu 5 Rp./kg. Die saisonale Preisstaffelung hat nichts mit den Milchpreisen je Segment zu tun und dient ausschliesslich dazu, Anreize für eine ausgeglichene Produktion zu setzen. Diese Massnahme ist über das Jahr betrachtet neutral und nichts Neues. Der Abzug «Frankenstärke» erfolgt solidarisch auf alle Milch. Alternativ wäre ein höherer Abzug ausschliesslich auf der betroffenen Menge nötig gewesen und hätte diejenigen Lieferanten überproportional belastet, welche bewusst auf C-Milch verzichtet haben.»

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