20.04.2016 08:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
«Emmi kauft billigste Milch der Welt»
Emmi kauft Einschränkungsmilch im C-Segment für 7,5 Rp./kg ein. Das ist vielleicht die billigste Milch der Welt. Der Grund ist, dass die Schweizer Molkereien bei Butter und Pulver nicht wettbewerbsfähig sind. Wie beurteilen Sie die Lage? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Vor den Delegierten der SMP in Bern bezeichnete es ein Thurgauer als «Exzess», dass Emmi für bestimmte Milch noch 4,5 Rp./kg bezahle. Kurz darauf war es nicht etwa ein Mitglied des Emmi-Verwaltungsrats, sondern ein hochrangiger Emmi-Direktlieferant, der sich vor «seine» Molkerei stellte und erklärte: «Mir ist nicht bekannt, dass Emmi für C-Milch 4,5 Rp./kg zahlt. Das möchte ich dann noch sehen.»

Einblick in zwei Abrechnungen

Gegenüber dem «Schweizer Bauer» haben jedoch zwei Personen diesen Preis bestätigt. Beide haben Einblick in die Abrechnungen von Sammelstellen (typischerweise Käsereien), die (Einschränkungs-)Milch an Emmi verkaufen. Mit einer Einschränkung: Zu den 4,5 Rp./kg müsse man einen Sammelstellen- oder Lademengenzuschlag rechnen, der je nach Menge zwischen 3 und 5 Rp./kg liege (im Schnitt sind es laut Emmi 3,5 Rp.).

Dieser gelange aber in der Regel nicht bis zum Milchbauern, weil die Sammelstelle ihn (mindestens zum grössten Teil) für die Deckung ihrer Betriebskosten einsetze.

25% Milch à 4,5 Rp./kg

Wie kommen die 4,5 Rp./kg zustande? Im «Anhang 1 zum Milchkaufvertrag gültig im April 2016», unterzeichnet von Emmi-Mann Reto Hübscher am 24. März 2016, ist festgehalten, dass Emmi für C-Milch im April 10,7 Rp./kg bezahlt. Davon abzuziehen ist ein Beitrag Schoggigesetz über die ganze Milchmenge in der Höhe von 2,2 Rp./kg und ein Saisonalitätsabzug, der im April 4 Rp./kg beträgt. 

Diese Saisonalitätsabzüge im Frühling und -zuschläge im Sommer gleichen sich aus – aber nur für Lieferanten, die monatlich genau gleich viel Milch abliefern. Somit resultiert für April ein C-Milch-Preis für konventionelle Suisse-Garantie-Milch von 4,5 Rp./kg. Der C-Milch-Anteil liegt dabei bei hohen 25% (A-Menge ist 65%, B-Menge ist 10%).

Verarbeitung ist teurer

C-Milch ist Milch, deren Bestandteile Fett und Eiweiss auf den Weltmarkt gelangen. Die Branchenorganisation Milch berechnet dafür monatlich einen Richtpreis. Sie tut dies, indem sie Weltmarktpreise für Butter und Magermilchpulver in CHF umrechnet und davon die Schweizer Herstellungskosten für Butter und Magermilchpulver abzieht.

Für den April resultiert so ein C-Richtpreis von 15,7 Rp./kg. Damit liegt dieser Preis deutlich unter dem Kieler Rohstoffwert, der sich auf Milch in Deutschland bezieht und im März für Milch ab Hof bei 19,8 Eurocents/kg lag (bei EUR/CHF von 1,09 sind das im Moment 21,6 Rp./kg). Der Grund liegt in den viel höheren Verarbeitungskosten in der Schweiz, deren Abgeltung die Schweizer Molkereien auch bei der C-Milch am Markt gegenüber den Milchproduzenten durchsetzen können.

Wenn die für Butter und Pulver nicht wettbewerbsfähigen Schweizer Molkereien preislich unter den C-Richtpreis gehen und noch zusätzliche Abzüge machen, produzieren die Schweizer Bauern unter hohen Schweizer Kosten laut Branchenkennern die wohl billigste Milch der Welt.

Direktlieferanten

Die Emmi-Direktlieferanten liefern nach der Standardsegmentierung im April 20% C-Milch à 26 Rp./kg. Hierzu trägt die Lactofama AG bei. Ein hochrangiger Emmi-Direktlieferant sagt, Emmi bezahle ihnen den C-Richtpreis von 15,7 Rp./kg. Er findet, Einschränkungsmilch sollte über die ganze Menge zum C-Preis abgerechnet werden. sal

Das sagt Emmi

Emmi erklärt auf Anfrage: «Emmi bezahlt nachweislich einen überdurchschnittlichen Gesamtmilchpreis und hält sich auch bei der C-Milch an den entsprechenden BOM-Richtpreis. Die genannten Abzüge sind korrekt, jedoch wird der aktuelle saisonbedingte Abzug von 4 Rp./kg Milch im Sommer durch einen entsprechenden Aufschlag ausgeglichen. Grundsätzlich erachten wir die auszugsweise Betrachtung von einzelnen Elementen des Gesamtmilchpreises als Polemik. Und in diesem konkreten Fall sollte aus der Sicht von Emmi vielmehr die Frage gestellt werden, weshalb andere Milchkäufer zwar keine C-Milch ausweisen, aber dennoch einen niedrigeren Gesamtmilchpreis bezahlen als Emmi, die einen hohen C-Milch-Anteil hat und lediglich den marktgerechten C-Richtpreis bezahlt. Zudem sind wir nach wie vor der Ansicht, dass ein künstlich hoher C-Milch-Preis nicht sinnvoll ist.» sal

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