22.06.2018 07:07
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Emmi: Weko sieht kein «Problem»
Der Zürcher Bauernverband (ZBV) gelangte im April mit einer Beanstandung an die Wettbewerbskommission (Weko). Vorwurf: Emmi missbraucht ihre Marktstellung. Die Weko hat keine Hinweise auf eine unzulässige Verhaltensweise entdeckt.

Der Vorwurf des ZBV war heftig. Der grösste Milchverarbeiter der Schweiz missbrauche seine Marktstellung. Für die Produzenten habe dies mit tieferen Produzentenpreisen direkte Auswirkungen.

Die Wettbewerbskommission hat in der Folge die Vorwürfe untersucht. Mittlerweile liegt das Resultat der Weko vor. Diese ist zum Schluss gekommen, dass keine Hinweise auf eine unzulässige Verhaltensweise seitens Emmi vorliegen. Die Untersuchung ist damit abgeschlossen. Informiert wurden die Parteien Anfang Woche, wie der Milchverarbeiter am Donnerstag mitteilte. 

ZBV: Unangemessene Übernahmebedingungen

Der Zürcher Bauernverband gelangte an die Wettbewerbskommission wegen der Segmentierung. Emmi fordere für die Monate April bis Juni 2018 von seinen Milchlieferanten einen Anteil C-Milch von 20 Prozent, unabhängig vom System des Erstmilchkäufers, hiess es im Schreiben der ZBV an die Weko. 

«Dies bedeutet, dass jeder, der Emmi beliefern will oder muss, einen Teil seiner Milch zu einem unvorteilhaften C-Milchpreis liefern muss, obwohl er mit seinen Produzenten ein System hat, das eigentlich gar keinen C-Milchanteil zur Folge hätte», hielt der Verband in seiner Beanstandung fest. Für die Produzenten habe dieses System mit tieferen Produzentenpreisen direkte Auswirkungen.

Mit der Beschaffung von billiger Milch wolle Emmi seine Marge weiter verbessern. Emmi missbrauche ihre Marktmacht und setze unangemessene Übernahmebedingungen durch, warf der ZBV dem Verarbeiter vor.

Lieferung von C-Milch freiwillig

Emmi sagte daraufhin auf Anfrage von schweizerbauer.ch, dass aufgrund der rekordhohen Milcheinlieferungen des ersten Quartals (Januar +6.6% gegenüber Vorjahresmonat und Februar +4.8%) die Butter- und Milchpulverlager rasch angestiegen sind. Deshalb müssten die Überschüsse rasch «entlastet» werden. Dies sei sämtlichen Marktakteuren bewusst, hielt der Verarbeiter fest.

«Emmi und ihre Lieferanten haben deshalb für April die Lieferung von 20 Prozent C-Milch vereinbart. C-Milch wird nur von denjenigen Milchlieferanten geliefert, die dem freiwillig zugestimmt haben», betonte Emmi. Der Milchverarbeiter beteiligte sich an der Marktabräumung mit 1 Million Franken.

Überschussprobleme nicht gelöst

Emmi habe schweizweit die grösste Milchmengenregulierungsaufgabe übernommen, sagte das Unternehmen gegenüber schweizerbauer.ch. Eine bessere Alternative als C-Milch sah Emmi nicht. «Der einzig andere Weg wäre eine Limitierung der von Emmi angenommenen Milchmenge. Dies würde aber zu einem Chaos auf dem Schweizer Milchmarkt führen», mahnte Emmi.

1 Million Tonnen Milch pro Jahr

In ihren Schweizer Produktionsbetrieben verarbeitet Emmi nach eigenen Angaben jährlich knapp 1 Million Tonnen Milch. Das entspricht rund einem Viertel der schweizerischen Milchmenge. Hinzu kommt die Milch, die Emmi in der Form von Schweizer Käse einkauft: rund 35’000 Tonnen jährlich. Die bei Emmi in der Schweiz verarbeitete Milch stammt von rund 6’500 Milchbauern. Ende 2017 zählte die Schweiz noch 20'000 Milchviehbetriebe.

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