17.01.2013 14:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
Milchmarkt
Entfetten, verkäsen und profitieren
Wer die Milch entfettet und verkäst, kriegt durch Fettverkauf und Verkäsungszulage 51 Rp. je Kilo Milch. Mit dem Käseerlös und nach Abzug des Milchpreises resultieren nicht selten Margen von 20 Rp. je Kilo Milch.

Verkäst eine Käserei oder ein industrieller Verarbeitungsbetrieb ein Kilo Milch, kriegt dieser dafür 15 Rp. Verkäsungszulage. Stellt der Betrieb daraus einen Magerkäse, dem er das Milchfett komplett entzieht, her, fallen dabei gut 40 Gramm Milchfett an. Ausgegangen von einem Rahmpreis von rund 9 Fr. je Kilo, kriegt der Verarbeiter dafür 36 Rp. Dazu kommt der Erlös, den der Käse oder eben die Eiweissmasse einbringt.

56 Rappen Einnahmen je Kilo

Der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID) ging jüngst in einem Bericht davon aus, dass weicher Magerkäse für nur gerade 70 bis 80 Rp. je Kilo verscherbelt wird. Geht man von einer Ausbeute von 7,6% zur Herstellung von weichem Magerkäse aus, braucht es zur Herstellung eines Kilos Käse rund 13 Kilo Milch. Oder anders gesagt resultieren aus dem Käseverkauf Einnahmen je Kilo verarbeitete Milch in der Höhe von bis zu 6 Rp. Alles zusammengezählt, generiert der Verarbeiter Einnahmen von rund 57 Rp.

Selbstverständlich entstehen dem Verarbeitungsbetrieb auch Kosten. Bei einem stark automatisierten Betrieb können wir von Kosten von unter 15 Rp. je Kilo verarbeitete Milch ausgehen. Sprich dem Bauern könnte ein Milchpreis über 40 Rp. je Kilo ausbezahlt werden (siehe Tabelle). Wohlgemerkt, für Magerkäse kann in der Regel mehr als 70 Rp. je Kilo gelöst werden. Und so könnten die Verarbeiter für den Rohstoff Milch eigentlich gegen 50 Rp. bezahlen.

Produziert aus Billigmilch

Es ist aber so, dass der Rohstoff für solchen «Ramschkäse» billiger beschafft wird. Und so ist die Magerkäseproduktion, die seit 2008 boomt, eine Art der Überschussverwertung. Eine Käserei, die das grosse Geschäft mit dem kleinpreisigen Käse entdeckt hat, ist laut dem LID die Käserei Imlig in Oberriet SG. Obwohl Imlig keine Auskunft gibt, steht fest, dass er in grossem Stil Magerkäse, Pizzakäse und Schmelzkäserohware herstellt. Dies unter anderem im Auftrag der Nordostmilch AG. Nebst Imlig sind insbesondere grosse Industriebetriebe in diesem Segment tätig.

Jährlich werden über 70 Mio. Kilo Milch zu Magerkäse verarbeitet. Diese Milch wird mit gut 10,5 Mio. Fr. Verkäsungszulage und zum Teil mit etwa 1,5 Mio. Fr. Siloverzichtszulage gestützt.

Lösung via Segmentierung

Es besteht also grosser Handlungsbedarf. Schliesslich profitieren die Magerkäsehersteller vom gestützten Fettpreis und der Verkäsungszulage. Dass Handlungsbedarf besteht, hat auch die Branchenorganisation Milch (BOM) erkannt. Im Reglement zur Segmentierung, das seit dem 1. Januar gilt, steht: Der ausbezahlte Preis für verkäste Industriemilch könne zwar in preissensiblem Marktsegementen unter dem A-Richtpreis liegen. Jedoch dürfe der ausbezahlte bereinigte Preis nach Abzug der Verkäsungszulage nicht unter dem EU-Preis, sprich LTO-Milchpreis, liegen.

Mindestfettgehalt kommt

Für Fromarte-Direktor Jacques Gygax sind die Auswüchse nichts Neues. Deshalb setzt er sich schon seit längerer Zeit für einen Mindestfettgehalt bei der Verkäsungszulage ein. «Ich bin sehr froh, dass diese Eintrittsschwelle per 1. Januar 2014 eingeführt wird», sagt er. Ohne diese hätte die Zulage langfristig nicht bestehen können. Vorerst muss es aber die Segmentierungsverordnung der BOM richten. «C-Milch darf nicht verkäst werden», ruft er in Erinnerung. Werde dieses Segmentierungsreglement nicht korrekt umgesetzt, bleibe die Segmentierung ein Papiertiger, warnt er.

Käse zum Dumpingpreis

Der Stützungsgelder wegen, können Schweizer Milchverarbeiter heute Magerkäse im benachbarten Ausland zum Dumpingpreis anbieten. Mit dem Rohstoff, aus dem zusammen mit Pflanzenfett Analogkäse hergestellt wird, machen sie nicht nur ein gutes Geschäft, sondern polieren auch die Exportzahlen auf. Vergleichen wir den Preis von magerem Weichkäse mit einem Wassergehalt von 65% (35% Eiweiss) mit Soja, welches rund 50% Rohprotein enthält.

Soja gilt im Ankauf aktuell 73 Rp. je Kilo, sprich das Kilo reines Protein gilt im Soja ca. 1,46 Fr. Hingegen gilt das Kilo tierisches Protein im Magerkäse, der für 70 Rp. verkauft wird, rund 2 Fr. Es besteht ein Preisunterschied, doch ist er nicht gewaltig. Was die Verfütterungstheorie aber nicht ausschliesst.

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