28.05.2020 17:51
Quelle: schweizerbauer.ch - awp
Finanzen
Entspannung für Schweizer Franken
Der Aufwärtstrend des Frankens zum Euro scheint gestoppt. Dafür hat die EU-Kommission mit der Ankündigung ihres milliardenschweren Corona-Aufbauplans gesorgt.

Doch ob sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) nun zurücklehnen und aufatmen kann, wird sich noch weisen müssen. Denn das Rettungsprogramm muss erst noch abgesegnet werden und die konjunkturelle Lage bleibt fragil.

Am Donnerstagvormittag notiert der Euro bei 1,0668 Franken und damit deutlich über dem Mehrjahrestief vom 17. Mai bei 1,0511. Der Euro befindet sich zum Franken seit Jahresanfang auf einem Abwärtstrend, der aber zuletzt von den Plänen Frankreichs und Deutschlands zum Wiederaufbau Europas gestoppt wurde.

EU-Kommission überrascht Markt - Aufwertungsdruck zumindest gebremst

Diese Gegenbewegung des Euro hat am Mittwoch zusätzlich Rückenwind erhalten. Die EU-Kommission will 750 Milliarden Euro für die wirtschaftliche Erholung Europas mobilisieren. Das ist deutlich mehr als am Markt erwartet. Davon sollen 500 Milliarden als nicht rückzahlbare Zuwendungen und 250 Milliarden als Kredite fliessen. Profitieren sollen vor allem die durch die Corona-Krise besonders betroffenen Länder Italien und Spanien.

«Die akuten Sorgen um die Eurozone haben mit dem beherzten Eingreifen der EZB und den Plänen der EU-Kommission für massive Wiederaufbauhilfen erst einmal abgenommen», sagt Alexander Koch vom Economic Research der Raiffeisen Schweiz. Dies habe den Euro gegenüber dem Franken und dem Dollar etwas Auftrieb gegeben. Nach den teilweise sehr hohen Interventionen in den letzten Wochen könne sich die SNB aktuell wieder mehr zurücklehnen.

«Der erste Schritt in Richtung gemeinsame Schulden in der EU hat den Aufwertungsdruck auf dem Franken zumindest temporär reduziert», sagt Maxime Botteron vom «Swiss Macro Economics & Strategy» der Credit Suisse.

In diesem Kontext dürfte die SNB vermutlich weniger stark am Devisenmarkt intervenieren. Gar nicht mehr am Markt intervenieren werde sie aber wohl nicht, die wirtschaftliche Situation in der Schweiz spreche weiterhin für eine sehr lockere Geldpolitik. Die CS erwartet einen Anstieg des Euro in den kommenden 12 Monaten auf 1,10 Franken.

Rückschläge möglich

Das Programm der EU-Kommission habe den Franken geschwächt, kommentiert die Valiant Bank. Ein Vorstoss in den massgeblichen Widerstandsbereich von 1,0765-1,0800 Franken dürfte in den nächsten Wochen erfolgen. «Dass dort ein Durchbruch und somit eine Änderung des langfristigen Trends erfolgt, scheint angesichts der fragilen konjunkturellen Lage jedoch wenig wahrscheinlich.»

Trotz der Lockerungsmassnahmen und der beginnenden Wiederbelebung der Konjunktur bleibe das Rückschlagsrisiko für den Euro hoch, sagt Koch. Es könne jederzeit wieder Aufwärtsdruck auf den Franken aufkommen. Und mittel- bis langfristig sprächen die chronisch tieferen Preisanstiege in der Schweiz sowie das geringere Wachstumspotential in der Eurozone sowieso für eine Bewegung weiter Richtung Parität.

Zudem dauert es eine gewisse Zeit, bis die Hilfsgelder fliessen, heisst es bei der Zürcher Kantonalbank. Und bis dahin dürfte sich das volle Ausmass der Krise punkto Arbeitslosigkeit und Firmeninsolvenzen sich erst noch zeigen. Aufgrund der anhaltend unsicheren wirtschaftlichen Situation dürfte der Euro zum Franken über die Sommermonate wieder unter Abgabedruck kommen.

Kontroversen in EU

Ob die Erholung des Euro anhält, hängt letztlich stark davon ab, ob das Programm der EU-Kommission, mit dem grundlegende EU-Regeln gebrochen werden, am EU-Gipfel in drei Wochen und auch später in den nationalen Parlamenten überhaupt gutgeheissen wird. «Es dürfte heftige Kontroversen geben», schreibt Valiant.

Je stärker der Widerstand einzelner EU-Länder ausfalle, desto eher könnte der Devisenmarkt an der grundsätzlichen Erfolgsaussicht einer fiskalischen Lastenverteilung zweifeln, schreibt die Commerzbank. «Wenn am Ende aber ein Kompromiss herauskäme, der zumindest einen nennenswerten Teil der fiskalischen Lasten verteilt, wäre der Endeffekt aber wahrscheinlich EUR-positiv.»

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