1.04.2018 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - jul
Luzern
Er ist die Zukunft der Köhlerei
Der 15-jährige Lukas Thalmann ist Köhler. Er soll die Tradition im Entlebuch LU fortführen. Zurzeit ist er aber am Fuss des Pilatus in der Lehre zum Landwirt. Wie er später Köhler wird, ist noch nicht ganz klar.

Es ist stockdunkel und totenstill. Nur eine weisse Rauchschwade ist zu erkennen. Und plötzlich eine Bewegung. Eine kleine Gestalt klettert behände auf einem grossen Haufen umher. In der Hand hält sie einen langen Stock. Schwach lässt sich erkennen, dass die Gestalt den Stock sachte in den Haufen stösst. 

Die Gestalt ist Lukas Thalmann. Und der Haufen ist ein Köhlermeiler. Der heute 15-Jährige ist einer der Protagonisten im Dokumentarfilm «Köhlernächte», in dem es um das Köhlergewerbe in Romoos in der Waldlandschaft Bramboden im Entlebuch geht.

Neun aktive Köhler leben in der Gemeinde, und sie sind «in ganz Westeuropa» die einzigen, die das «Handwerk der Meisterköhlerei heute noch gewerbsmässig betreiben», heisst es im Film «Köhlernächte». Der Jüngste von ihnen ist Lukas Thalmann.

Nicht ungefährlich

Zur Zeit des Filmdrehs war er um die 12 Jahre alt. Nach ihm ist der jüngste Köhler etwa 40-jährig. Die Zukunft des Handwerks liegt also weitgehend in Thalmanns Händen. Ob er aber überhaupt köhlern will? Die Arbeit mit Kohlen und Feuer ist einerseits nicht ganz  ungefährlich und andererseits anstrengend.

Das Feuer im Meiler muss ständig mit Brennmaterial gefüttert werden, sonst verbrennt das Feuer das Holz. Dann bleibt statt Kohle nur Asche übrig. Um das Feuer mit Holzschnitzeln oder anderer Kohle zu versorgen, muss man etwa alle zwei Stunden zum Meiler. Tag und Nacht. Und jede «Fütterung» dauert etwa 1,5 Stunden. 

Lehre mit Mutterkühen

Zurzeit köhlert Thalmann nicht. Er lebt  in Eigenthal LU am Fuss des Pilatus. Er ist in der Lehre zum Landwirt und arbeitet auf dem Mutterkuhbetrieb. «Ich bin ein Bauernsohn und ebenfalls auf einem Mutterkuhbetrieb aufgewachsen. Für mich war klar, dass ich Bauer werden will», sagt er im Stall seines Lehrbetriebs, während er die Anguskühe füttert. 

Der Junge aus dem Film ist grösser geworden. Die Schultern breiter, der Gang selbstbewusster, die Stimme gefestigter. Bauern wollte er trotz der Herausforderungen, vor die man in der landwirtschaftlichen Branche gestellt ist.  In der Schule werden sie  auf viele der Herausforderungen vorbereitet, und die Arbeit mit den Tieren und der Natur sei das, was er wirklich machen wolle. Deshalb sei er zuversichtlich. 

Sein Ziel ist es, einmal einen eigenen Hof zu führen. «Nicht den meiner Eltern, den hat mein Bruder bereits übernommen. Aber ich möchte einen eigenen Betrieb führen und dort einen Köhlerplatz einrichten», sagt er. 

Tradition weiterführen

«Ich will die Tradition unserer Region und die unserer Familie weiterführen.» Sein Grossvater habe geköhlert. Der Vater konnte aus Zeitgründen nicht weiterfahren. Ihn selbst habe es  gepackt, als er bei einem Bauern aus dem Dorf aushalf.

«Als ich etwa elfjährig war, bauten mein Vater und ich dann einen Meiler auf, wo wir schliefen, um regelmässig das Feuer zu füttern.» Der Vater musste aber tagsüber  auf dem Betrieb mähen und heuen. «Er fragte, ob ich alleine köhlern könnte. Ich sagte Ja. Seit da war ich alleine draussen.»

Wenn man zehn Nächte am Stück kaum schlafe, hänge das schon an. «Ich hatte Momente, da wollte ich aufhören», gesteht er. «Dann war ich aber wieder mitten in der Nacht draussen. Die Ruhe der Natur nur unterbrochen durch den Gesang der Vögel am Morgen hat mich  so fasziniert. Auch das Alleinesein hat für mich einen besonderen Reiz.» Und  der Moment, wenn man die schönen glänzenden Kohlen in den Händen habe. Das alles mache die Anstrengung wett.

Die fertige Kohle füllt Thalmann in Säcke ab und verkauft sie wie die anderen Köhler an die Detailhandelskette Otto’s. «Der bezahlt pro Kilo 1.90 Franken», sagt Thalmann. «Ich habe um die 800 Kilo Kohlen produziert», erzählt der junge Mann.

Andere produzieren aber mehr. «Einer der Köhler macht um die 4000 Säcke  à 6 kg pro Jahr. Bei ihm macht das Köhlern einen Viertel des Betriebseinkommens aus», erzählt Thalmann. «Neben dem Kaufpreis von Otto’s gibt es 40 Rappen Subventionen vom Kanton», wie Thalmann sagt. 

Aufgaben im Lehrbetrieb

Er ist Mitglied im Köhlerverband, der einen Förderverein gegründet hat. «Das sind alles Massnahmen gegen das Aussterben dieses Handwerks. Und auch ich will mich dagegen einsetzen. Heute zweifle ich nicht mehr daran, ob ich weiterköhlern will. Wenn es sich einrichten lasse, mache ich auf jeden Fall weiter.» Zunächst muss Thalmann aber den Aufgaben auf seinem Lehrbetrieb nachkommen. Zum Beispiel der Stallarbeit bei den neugeborenen Lämmchen. 

Der Film «Köhlernächte» von Robert Müller ist noch ein paar Mal im Kino Bourbaki in Luzern zu sehen.  Kostenpflichtiger Download und  DVD ab Herbst 2018 erhältlich.

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