3.06.2015 11:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Sömmerung
Erfahrene Älpler werden rar
Auf den Alpen arbeiten immer häufiger Neueinsteiger. Brechen diese ihren Einsatz ab, hilft das Alpofon bei der Suche nach Ersatz. Älpler mit Erfahrung hingegen werden rar. Die Politik soll die Trendwende bringen.

Seit Montag ist das Alpofon, die Telefon-Hotline für Älpler, wieder in Betrieb. Damit hat die Alpsaison 2015 definitiv begonnen. «In den tieferen Lagen bis 1500 Meter über Meer sind die Tiere schon ‹zBerg›», weiss Sarna Bernet vom Alpofon. «Viele Schafalpen werden ebenfalls bereits bestossen. Bis auch in den höher gelegenen Regionen genügend Gras gewachsen ist und man überall auffahren kann, dauert es aber noch eine bis zwei Wochen.»

Alpleben verläuft nicht immer reibungslos

Bis Mitte Juni dürfte der Alpaufzug heuer überall vorbei sein, schätzt Bernet. Die Älplerin betreut mit Barbara Sulzer zusammen das Alpofon und versucht zu helfen, wo auf einer Alp Not am Mann oder an der Frau ist.

Das Alpleben verläuft nicht immer reibungslos. «Am meisten Anrufe erhalten wir im Juni und Juli», bilanziert Bernet, «dann suchen viele Älpler nach Ersatz, weil jemand ausfällt.» Nach drei bis vier Wochen sei bei den Alpneulingen die erste Euphorie verflogen. «Sie werden müde, Konflikte brechen aus.» Doch auch das Wetter spiele eine wichtige Rolle, betont Bernet: «Letztes Jahr gab es aufgrund des nassen Wetters viele Unfälle.» Dass jemand verunglückt oder krank wird, ist denn auch der Grund für 30 Prozent der Personalausfälle.

Interesse gross

Trotz harter Arbeit: Das Interesse an der Alpwirtschaft ist gross. «Unsere Senn- und Hirtenkurse sind gut gebucht», betont Curdin Foppa, der am Plantahof in Landquart GR die Fachstelle Alpwirtschaft betreut. Dennoch sieht er die Zukunft der Sömmerung nicht uneingeschränkt rosig: «Wir werden keinen Mangel an Alppersonal haben, aber einen Mangel an Leuten mit Erfahrung.» Immer weniger Älpler, Hirten oder Sennen würden aus der Landwirtschaft stammen. «Bei der urbanen Bevölkerung ist es hingegen fast Mode, einen Sommer auf der Alp zu verbringen.»

Erich von Siebenthal, Nationalrat (SVP, BE) und Bergbauer, ist Präsident des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbandes. Er ist sich der Problematik bewusst, für die Zukunft aber trotzdem zuversichtlich: «Wir müssen bewirken, dass die Alpwirtschaft attraktiv bleibt. Mit der AP 14–17 wurde die Sömmerung gestärkt. Das Alppersonal sollte zeitgemäss entlöhnt werden. Das trägt dazu bei, dass gute Leute vermehrt jedes Jahr wieder ‹zBerg› gehen.»

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