25.08.2014 14:08
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Energie
Erneuerbare Energien: Mehr politischen Rückenwind gefordert
Die Energiewende in der Schweiz erfordert noch stärkeren politischen Rückenwind. Im laufenden Jahr wird gemäss der Umweltallianz zur Energiewende mit 2738 Gigawattstunden fast soviel Strom aus neuen erneuerbaren Energien hergestellt wie das AKW Mühleberg durchschnittlich produziert.

Im Vorjahr belief sich die Produktion auf 2416 Gigawattstunden (GWh), wie die Umweltallianz an ihrer zweiten Bilanzmedienkonferenz zur Energiewende am Montag vor den Medien in Bern bekannt gab.

Energiewende noch nicht auf Kurs

Die Biomasse (Holz, Landwirtschaft, Abfall) werde im laufenden Jahr hochgerechnet 1848 GWh Strom produzieren, die Photovoltaik 782 GWh und die Windkraft 108 GWh. Zusammen kämen sie auf 2738 GWh und verstärkten damit die «alte» erneuerbare Energie, die Wasserkraft.

Die Umweltallianz, also Greenpeace, Pro Natura, VCS und WWF ergänzt mit den Kooperationspartnern Equiterre, SES und SVS/BirdLife Schweiz, kommt zum Schluss, dass die Energiewende zwar läuft, aber noch nicht so schnell, wie sie sollte und könnte. Sie sei noch nicht auf Kurs: Faktoren wie Emissionen der Energienutzung (Verkehr) oder die Emissionen für Konsum (Importe) hätten sich gar verschlechtert.

Photovoltaik als der Renner

Der Renner unter den neuen erneuerbaren Energiequellen ist die Photovoltaik. Das treffe sich gut, denn die Solarenergie und die Wasserkraft passten zusammen. Gemeinsam könnten sie die ganzjährige Versorgungssicherheit garantieren, ohne Ausland-Abhängigkeiten und CO2-Emissionen durch Erdgas-Anlagen.

Meldungen, wonach die Solarenergie die einheimische Wasserkraft bedrohe, hielten einer Prüfung nicht Stand, sagte Markus Allemann, Co-Geschäftsleiter von Greenpeace Schweiz. Es sei der Angebotsüberschuss auf dem europäischen Strommarkt, der die Preise kaputt mache. Zuviel Strom gebe es hauptsächlich, weil Braun- und Steinkohlekraftwerke auf Hochtouren liefen. Eine Dreckstromabgabe auf Strom von diesen Kraftwerken würde unserer einheimischen Wasserkraft helfen, wie Allemann sagte.

Der Erfolg der Sonnenenergie hat vor allem auch finanzielle Gründe. Eine fertig installierte Photovoltaik-Kleinanlage koste heute vier Mal weniger als noch vor zehn Jahren. Die Entwicklung der Photovoltaik übertreffe alle Erwartungen und sogar die Szenarien des Bundes. Nehme man die projektierte Produktion der Warteliste mit aktuell über 30'000 Photovoltaik-Projekten dazu, dann könnte der Ausbau noch weiter fortgeschritten sein.

Rahmenbedingungen verbessern

Ein weiterer Ausbau der Photovoltaik sei der wichtigste Baustein, um bei der Stromproduktion auf den Energiewende-Zielpfad zu kommen. Dazu ist es gemäss Allemann notwendig, dass die Politik mit einer soliden kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) stabile Rahmenbedingungen für Klein- und auch Grossinvestoren schafft.

Sie müsse dafür sorgen, dass die Bauwilligen auf der Warteliste ihre Anlage auch realisieren könnten. Die aktuelle Kontingentierung der Photovoltaik mit einer Förderung von 150 Megawatt pro Jahr sei zu restriktiv. Catherine Martinson, Leiterin Regionalarbeit WWF Schweiz, wies darauf hin, dass die Energiewende von aktiven Gemeinden, Regionen und Kantonen getragen werde. Dies zeigten die kantonalen Abstimmungen in diesem und im letzten Jahr.

Verbindliche Ziele für Energieeffizienz festlegen

Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier in Bern müssten aber mehr Einsatz zeigen für Rahmenbedingungen, mit denen die Energiewende in der Schweiz zum Erfolg werde, forderte Martinson. Zentral seien dafür verbindliche Ziele im Bereich der Energieeffizienz sowie die Einführung von Instrumenten für mehr Energieeffizienz wie Stromsparboni und weisse Zertifikate für die Industrie.

Die kostendeckende Einspeisevergütung müsse 2,3 Rappen pro Kilowattstunde betragen, um die notwendigen Investitionen in die erneuerbaren Energien zu ermöglichen.

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