20.05.2020 13:32
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Italien
Erntehelfer: Illegale beheben Mangel
In Italien soll der Mangel an Saisonarbeitskräften durch bereits im Land befindliche illegale Einwanderer verringert werden.

Die Regierung in Rom hat am vergangenen Mittwoch im Rahmen ihrer „Wiederbelebungs-Verordnung“ beschlossen, hier Pfade zu einem legalen Aufenthaltsstatus zu öffnen. Voraussetzung ist, dass die betreffenden Personen bereits im vergangenen Jahr als Landarbeiter oder Haushaltshilfe gearbeitet haben und nicht nach dem 8. März 2020 ins Land gekommen sind.

Stück Würde zurück

Für diese Personen können Arbeitgeber gegen Gebühr eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen; sofern bis zum 31. Oktober 2019 schon mal eine vorgelegen hat, können die Betroffenen das auch selbst tun. Die Regelung soll zunächst vom 1. Juni bis zum 15. Juli gelten. Neben dem Mangel an Saisonarbeitern in der Landwirtschaft will die Regierung auch die Pflege stärken sowie Schwarzarbeit und Kriminalität bekämpfen.

Premierminister Guiseppe Conte erklärte, die Regelungen zielten darauf ab, angesichts der aussergewöhnlichen Gesundheitskrise ein angemessenes Niveau der Versorgung zu gewährleisten. Landwirtschaftsministerin Teresa Bellanova, die sich energisch für die Legalisierung der Migranten eingesetzt hatte, sprach von einem „aussergewöhnlichen Fortschritt“. Der Staat zeige Stärke und gebe den „ausgebeuteten“ Migranten ein Stück ihrer Würde zurück. Der Landwirtschaft stellte die italienische Regierung eine Unterstützung in Höhe von insgesamt 1,15 Mrd. Euro ( 1,22 Mrd Schweizer Franken) in Aussicht. Davon sollen 500 Mio. Euro (530 Mio. Schweizer Franken) in einen Krisenfonds fliessen, der insbesondere der Zierpflanzenbranche zugutekommen soll.

Spezielle Finanzspritze für Weinwirtschaft

Ein weiterer Fonds mit einer halb so grossen finanziellen Ausstattung soll allen hilfsbedürftigen Unternehmen der Agrar- und Ernährungsbranche offen stehen. Ferner werden 250 Mio. Euro (265 Mio. Schweizer Franken) als Kredite vom staatlichen Institut für Markforschung und Markinformation (ISMEA) zur Verfügung gestellt.

Die Weinwirtschaft soll eine gesonderte Finanzspritze von 100 Mio. Euro (106 Mio. Schweizer Franken) erhalten; für die Wasserverbände sind 50 Mio Euro (53 Mio. Schweizer Franken) vorgesehen. Der mitgliederstärkste Landwirtschaftsverband (Coldiretti) geht indes nicht davon aus, dass die Maßnahmen der Regierung den Mangel an Saisonarbeitskräften beheben werden. Laut Schätzungen des Verbandes wird die Legalisierung höchstens 2000 zusätzliche Arbeitskräfte mobilisieren. Nach jetzigem Stand stehe die Landwirtschaft nach wie vor ohne Unterstützung da und werde 40 % der Ernte auf den Feldern verrotten lassenmüssen, konstatierte Coldiretti.

 

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