3.07.2018 11:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Klimawandel
Ernteversicherung im Aufbau
Wetterextreme nehmen zu. Für den SBV braucht es neue Versicherungslösungen – und eine Prämienbeteiligung des Bundes.

Mit dem Klimawandel nehmen Wetterextreme zu. Trockenperioden werden länger, Niederschläge und Gewitter heftiger. Laut Reto Knutti, ETH-Professor für Klimaphysik, ergibt das gleiche Gewitter mit warmer Luft höhere Niederschläge: «Je wärmer die Luft, desto mehr Wasser nimmt sie auf, desto heftiger der Regen, desto höher der potenzielle Schaden.» 

Grosse Herausforderung


Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) teilt laut Jürg Jordi die Ansicht, dass das Ertragsrisiko in der Schweizer Landwirtschaft infolge klimawandelbedingter Extremereignisse weiter steigen wird. Hinzu komme das höhere Risiko von Preisschwankungen bei Wetterextremen in anderen Weltgegenden. Leidtragende sind die Bauern. Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes (SBV): «Der Klimawandel ist für die Landwirtschaft eine sehr grosse Herausforderung. Die Landwirtschaft ist derjenige Wirtschaftszweig, der wohl am direktesten betroffen ist.» 

Die Bauern müssten sich anpassen, um Schäden zu minimieren. Sei es mit robusten Sorten, technischen Massnahmen wie Hagelnetzen oder mit der angepassten Bewirtschaftung in exponierten Gebieten. «Trotzdem ist zu befürchten, dass die Schäden zunehmen werden», so Ritter. «Daher brauchen wir neue Versicherungslösungen. Der SBV prüft, wie solche Ernteversicherungen aussehen könnten.»

Gemischte Finanzierung

Ritter kann sich eine Ergänzung des Angebots der Hagelversicherung vorstellen. Doch damit sei es nicht getan: «Sinnvoll wäre eine gemischte Finanzierung der Prämie durch den Landwirt und den Bund. Über die Verteilung der Kosten muss diskutiert werden.» Jordi bestätigt, dass eine solche Diskussion in Gang ist: «Der Bundesrat hat im Rahmen der Aussprache zur Agrarpolitik 2022+ die Frage des Risikomanagements behandelt. Er will die Notwendigkeit zusätzlicher staatlicher Massnahmen vertieft analysieren. Dazu lässt das BLW eine Studie erstellen. Resultate sind frühestens im März 2019 zu erwarten.»

Die Schweizer Hagel ist laut Emilia Baldi mit BLW und SBV im Gespräch bezüglich einer Ernteausfallversicherung. Doch betont sie: «Nur eine Minderheit der Betriebe ist bis heute gegen die Wetterextreme Dürre und Frost versichert, die durch die Klimaerwärmung zunehmen.» Mit einer Beteiligung der öffentlichen Hand, so hofft Baldi, könnte die Ernteausfallversicherung mit dem Schutz vor weiteren Wetterrisiken noch ausgebaut und für die Betriebe attraktiv gestaltet werden.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE