19.08.2014 08:47
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Erst finanzieren, dann intervenieren
Die Lactofama AG hat Bilanz über ihre Aktivität gezogen. Demnach wurden 42,4 Mio. Kilo C-Milch gekauft, womit der Markt von 2065 Tonnen Butter entlastet wurde. Bevor sie wieder interveniert, will sie sich neu finanzieren.

Nach der Gründung der Lactofama am 18. März hat sie ab April mit ihren Interventionen im Milchmarkt begonnen. Die Startfinanzierung erfolgte aus den Rückstellungen des Milchstützungsfonds der Schweizer Milchproduzenten (SMP). Lactofama hat mit ihren Aktionären nun eine erste Bilanz gezogen.

C-Milch aufgekauft

Demnach hat sie in den Monaten April bis Juni 2014 bei den elf grössten Milchvermarktungsorganisationen in der Schweiz, welche zugleich Aktionäre der Lactofama AG sind, ausschliesslich «C-Milch» aufgekauft und exportiert. «Die Lactofama AG hat letztmals am 30. Juni 2014 Milch aufgekauft», heisst es wörtlich.

Insgesamt habe die Lactofama in dieser Periode 42,4 Mio. kg C-Milch aufgekauft. Diese hat sie bei Emmi (20,5 Mio. kg), Cremo (16,4 Mio. kg) und Hochdorf (5,5 Mio. kg) verarbeiten lassen.

19,3 Rp./kg Milch

«Es sind dabei 8,2 Mio. Franken (durchschnittlich 19.3 Rp./kg Milch) in Form von Milcherlös an die Milchproduzenten zurückgeflossen, was 0,89 Rappen je Kilogramm vermarkteter Milch in dieser Periode ausmacht», heisst es weiter. Damit seien 2065 Tonnen Butteräquivalente vom Markt genommen und exportiert worden. Die Stützung von 19,3 Rp./kg Milch entspricht also beinahe der vollen Preisdifferenz zwischen B- und C-Milch.

Im Mai etwa betrug die Preisdifferenz zwischen B- und C-Milch gemäss Branchenorganisation Milch (BOM) 22,4 Rp./kg, wobei aktuell niemand den offiziellen Preis erreicht. Alle Butter, die aus der aufgekauften C-Milch hergestellt wurde, sei bis auf einen Rest von 100 Tonnen exportiert worden, sagt Stefan Hagenbuch in seiner Funktion als Geschäftsführer von Lactofama AG. «Sie wurde immer innert Monatsfrist exportiert», betont er. Auch das Eiweiss wird vollständig exportiert.

Trittbrettfahrer «Bio»?

Bei der Beurteilung der Bilanz durch die Aktionäre, aber auch durch die Geschäftsstelle gebe es sowohl positive wie auch negative Punkte (siehe Tabelle). Diese Gesamtbeurteilung zeige vollständig sämtliche Einschätzungen, welche genannt geworden seien. Dabei sei die Gewichtung zwischen positiven und negativen Punkten nicht bei allen gleich. «Wir haben aber keine Priorisierung gemacht», fügt er an. 

Unterschiedlich beurteilt werde die «Problematik» der Trittbrettfahrer wie etwa der Biomilchproduzenten, welche in Anbetracht der dortigen Produktion sicher auch von der Intervention profitiert hätten. Für die einen sei dies ein Problem, für andere nicht. «Das hängt davon ab, ob die entsprechenden Organisationen selber auch Biomilch handeln oder nicht», betont er.

Markt bis Juni stabil

Die Lactofama habe in den Monaten April bis Juni den Markt stabilisieren und ein Abdriften des Milchpreises verhindern können. Gemäss Hagenbuch wolle man aber keine strukturellen Überschüsse aufkaufen, weshalb man im Juli nicht mehr interveniert habe. Und er hält fest, dass für ein ausgeglichenes Marktgeschehen diesen Sommer noch immer zu viel Milch auf dem Markt ist: «Zwei, drei Prozent Milch müssten vom normalen Markt weg. Aber das ist auch Teil des Naturproduktes Milch.»

Und wie geht es nächstes Jahr weiter? Eins stehe jetzt schon fest: «Wenn es keine Finanzierung gibt, machen wir nichts mehr.» Demnach stehen der Lactofama also keine weiteren Mittel aus dem Fonds Milchstützung zur Verfügung.

Beschluss dieses Jahr

Falls die Aktionäre auch nächstes Jahr wieder allenfalls in den milchstarken Monaten intervenieren wollten, brauche es noch dieses Jahr einen Finanzierungsbeschluss. Die Allgemeinverbindlichkeit des Bundesrates werde gar nicht angestrebt. «Entweder kann man die Finanzierung privatrechtlich regeln oder nicht», betont er. «Immerhin macht die Milch der Lactofama-Mitglieder aktuell 77,3 Prozent der Schweizer Milchmenge aus», fügt er an.

Und auch wenn die Aktionäre keine Finanzierung wollten, habe man zumindest mit bestem Wissen und Gewissen ausprobiert, was möglich sei. «Es kann heute niemand mehr sagen, dass es nicht funktioniert. Es weiss jeder, wie es operativ läuft», so Lactofama-Geschäftsführer Hagenbuch.

Gesamtbilanz

Im Papier der Lactofama AG wird folgende Gesamtbeurteilung gemacht: «Der Hauptnutzen der Massnahmen von Lactofama AG ist eindeutig indirekter Natur. Zentral ist deshalb der Effekt auf die Marktstabilisierung der A- und B-Milch-Mengen. Bei den A- und B-Milch-Preisen konnte in dieser Periode Stabilität erreicht werden. Insbesondere musste keine unterpreisige Milch in Käsereien verkauft werden. In diesem Zeitabschnitt wurde beispielsweise die Emmentaler-Produktion um 35 Prozent (April–Juni 2014) eingeschränkt. Auch aus dem Le Gruyère AOP haben Aktionäre von Lactofama AG Milch dem C-Segment zugeführt. Gleichzeitig gilt es zu berücksichtigen, dass das C-Angebot von April bis Juni 2014 somit rund 4 bis 5 Prozent der Gesamtmilchproduktion ausmachte, was das Marktgleichgewicht auf der gesamten Milchmenge aus Erfahrung deutlich belastet hätte.» sam

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