19.12.2014 08:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Es drohen rekordtiefe Milchpreise
Der Anfang des Jahres 2015 verheisst für viele Milchproduzenten nichts Gutes. Bereits sind weitere Milchpreissenkungen auf Januar angekündigt. Ein Grund ist, dass das Parlament zu wenig Geld fürs Schoggi-Gesetz bewilligt hat.

Die Branchenorganisation Milch (BOM) hat den Richtpreis für A-Milch per 1. Januar um 3 Rappen auf 68 Rp./kg gesenkt. Das führt nun offenbar auch zu weiteren  Milchpreissenkungen bei den Milchhandelsorganisationen. Marktkenner befürchten gar, dass nächsten Frühling so tiefe Milchpreise wie noch nie in der Schweiz ausbezahlt werden könnten.

Emmi: –3 Rp./kg

«Von der Richtpreissenkung der BOM sind auch die ZMP betroffen», bestätigt etwa Carole Aschwanden, Sprecherin der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP). Zudem habe das Parlament den Schogg-Gesetz-Kredit nicht aufgestockt, was dringend nötig gewesen wäre. «Einen Teil der Lücke müssen nun die Produzenten mit einem tieferen Milchpreis oder einem allfälligen Rückbehalt tragen», sagt sie. Wie viel der ZMP-Preis sinke, werde mit dem «ZMP-Info» vom 23. Dezember kommuniziert.

Die ZMP liefern viel Milch an Milchverarbeiter Emmi. Am Emmi-Milchpreis kann man deshalb zumindest grob abschätzen, wie sich der ZMP-Milchpreis verändern könnte. Und Emmi senkt den A-Preis bei ihren Direktlieferanten auf Anfang 2015 um 3 Rp./kg «erstmals seit einem Jahr und gemäss BOM-Entscheid», betont Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker.

Aaremilch –5 Rp./kg

Die Aaremilch hat ihre Preissenkungen bereits kommuniziert. Per 1. Dezember sinkt der Preis um 2 Rp./kg auf der Vertragsmenge und per 1. Januar nochmals um 3 Rp./kg, also insgesamt um 5 Rp./kg. «Der wesentliche Teil dieser Preissenkung ist auf das grosse Manko bei den Mitteln aus dem Schoggi-Gesetz zurückzuführen», heisst es dazu im Informationsschreiben der  Aaremilch, die viel Milch in die Nestlé-Fabrik in Konolfingen BE liefert. Von dort werden fast alle Produkte exportiert.

Aaremilch-Geschäftsführer Donat Schneider erklärt: «Für das Jahr 2015 rechnet die Milchbranche den Mittelbedarf beim Schoggi-Gesetz auf rund 100 Mio. Fr. Von den 70 Mio. Fr., die das Parlament gesprochen hat, stehen rund 55 Mio. Fr. für den Milchbereich zur Verfügung.» Er betont, gemeinsam mit den Verarbeitern würden Vereinbarungen über das ganze Jahr getroffen. 

Prognose von 55 Rp./kg

Da dürfe man nicht darauf abstellen, dass der Bund im Moment noch 85% der Differenz übernimmt. Denn wenn das Geld im Sommer aufgebraucht sei, komme vom Bund her gar nichts mehr. Also hätten für die restlichen 45% der Preisdifferenz mit den Verarbeitern Lösungen gefunden werden müssen. Dabei, darauf legt Schneider Wert, würden die Verarbeiter mehr als die oft genannten 10% übernehmen.

Der Basispreis A bei der Aaremilch liegt damit bei 58 Rp. im Dezember und bei 55 Rp. im Januar. Mit diesen tiefen Preisen steht die Aaremilch aber keineswegs alleine da. Andere Handelsorganisationen haben die Preise bereits früher gesenkt oder werden aller Voraussicht nach spätestens per März zu erheblichen Senkungen gezwungen sein. Bei der Nordostmilch gehe der Basispreis von aktuell 57 Rp./kg per 1. Januar nicht weiter runter, sagt Geschäftsführer René Schwager auf Anfrage. Allerdings beinhaltet die längerfristige Milchpreisprognose, welche die Nordostmilch ihren Mitgliedern im November mitgeteilt hat, eine Prognose von 55 Rp./kg für März 2015.

Miba: –1 Rp./kg

Die Miba senke ihren Basispreis von aktuell 57 Rp./kg per 1. Januar auf 56 Rp./kg, wie Geschäftsführer Christophe Eggenschwiler mitteilt. Er betont aber, der «real ausbezahlte Durchschnittspreis» liege im Januar aufgrund der Lademengenzuschläge bei 60 Rp./kg. Die Cremo-Direktlieferanten mussten in den vergangenen Monaten bereits Preissenkungen hinnehmen und haben nun im Dezember bei 4,0% Fett und 3,3% Eiweiss einen Grundpreis von 56.7 Rp./kg (mit November-Segmentierung und ohne Ladehaltpauschale von 30 Fr. gerechnet).

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