5.08.2014 10:42
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Ausbildung
Es fehlen rund 300 Lehrlinge
Wer kurz vor Beginn des neuen Lehrjahrs noch auf Stellensuche ist, könnte in der Landwirtschaft fündig werden. Obwohl die Lernendenzahlen steigen, mangelt es vielen Bauernbetrieben an Nachwuchs. Rund 300 Lehrstellen bleiben erfahrungsgemäss unbesetzt. Dieser Engpass verschärft den Fachkräftemangel. Wie beurteilen Sie die Situation, liebe Leserinnen und Leser? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Wenn im August in der Schweiz das neue Lehrjahr beginnt, warten viele Landwirtinnen und Landwirte jeweils vergeblich auf Unterstützung von Lernenden. Etwa 1000 junge Leute beginnen eine Ausbildung zum Landwirt oder zur Landwirtin - trotz eher steigender Tendenz vermögen sie die Nachfrage nicht zu befriedigen.

Mangel wird sich fortsetzen

«Das reicht nicht, um den Bedarf an qualifizierten Fachkräften abzudecken», sagt Martin Schmutz, Bildungschef im Schweizerischen Bauernverband (SBV). Weil nach abgeschlossener Lehre nicht alle im Lehrberuf blieben, ist der Bedarf noch grösser. Seine Erfahrungen zeigen, dass rund 250 bis 300 Lehrlinge mehr benötigt würden, um die Nachfrage zu decken.

Aktuelle Zahlen zum laufenden Jahr werden zwar erst ab Ende August erhoben, wenn die Schulen ihren Betrieb aufnehmen. Die von Schmutz geäusserten Werte basieren auf den Beobachtungen der vergangenen Jahre. Dennoch dürfte sich der Mangel an Nachwuchskräften fortsetzen.

Gemüsebranche schlägt Alarm

Schmutz stellt aber klar, dass die Lage nicht dramatisch sei und es Unterschiede in den Landwirtschaftsberufen gebe. So könne es in einem landwirtschaftlichen Beruf fast genug Lehrlinge geben, in einem anderen gleichzeitig viel zu wenige.

Prekär ist die Lage bei den Gemüsegärtnern: Nur sieben Lernende nehmen dieses Jahr ihre Ausbildung auf - benötigt würden zwischen 60 und 70 Personen. «Trotz grossen Bemühungen haben wir unser Ziel nicht erreicht und werden weniger Lernende ausbilden als geplant», sagt Bruno Stucki, Berufsbildungschef beim Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP), zum Landwirtschaftlichen Informationsdienst (LID).

Für die Branche ist das ein grosses Problem - auch weil das Phänomen nicht neu ist. Der langjährige Nachwuchsmangel bedroht den Berufsstand. Viele Gemüsebauern würden gerne noch Lernende einstellen. Dass noch viele hinzukommen, werde aber nicht erwartet. So sind nur 10 Prozent der benötigten Lehrstellen besetzt.

Betrieben droht das Ende

Die Auswirkungen seien massiv, sagt Stucki. Zu wenige Lehrlinge bedeuteten später zu wenige genügend gut ausgebildete Fachkräfte. Und wenn nur wenige Leute eine Lehre als Gemüsegärtner absolvieren, so fehlten diese später auch in der Weiterbildung.

«Die Folge davon wird sein, dass Gemüsebaubetriebe ohne Nachfolger in den nächsten Jahren verschwinden werden», befürchtet Stucki. Berufsleute aus dem Ausland zu rekrutieren, löse das Problem auch nicht, denn diese seien nur spärlich verfügbar.

Berufe zu wenig bekannt

Der Gemüseproduzentenverband geht davon aus, dass insbesondere die mangelnde Bekanntheit des Berufs Grund für die schwache Nachfrage ist. Laut dem Bildungschef des Bauernverbands gilt dies für weitere Berufe in der Branche. Dazu komme, dass die Jugendlichen teilweise ein falsches Bild von den Berufen hätten.

«Es gibt gewisse offene Fragen», sagt Schmutz. Teilweise wüssten die jungen Leute nicht, was sie nach dem Lehrabschluss tun könnten, wenn sie den Betrieb nicht selber übernehmen. Deshalb habe die Aufklärung höchste Priorität. Schmutz nennt als Beispiel etwa die TV-Serie «SRF bi de Lüt - Die Jungbauern», die vor drei Jahren den Beruf des Landwirten publikumsnah präsentierte. Damit könnten Vorurteile beseitigt werden.

Im kommenden Herbst werden zudem die Berufe aus dem Berufsfeld Landwirtschaft an den Berufsmeisterschaften SwissSkills vertreten sein. Damit soll der leicht positive Lehrlingstrend der vergangenen Jahre bestätigt werden.

Zuversicht

Schmutz ist zuversichtlich: «Je globalisierter die Welt wird, desto grösser wird das Bedürfnis nach Lokalem», mutmasst er. Das Berufsfeld der Landwirtschaft werde so für junge Leute wieder interessanter.

Auch wenn der Strukturwandel in der Branche unvermindert anhält und allein im vergangenen Jahr 1400 Betriebe verschwunden sind, sei das Lehrstellenangebot noch immer sehr breit, sagt Schmutz. Auch Stucki sagt: »Der Beruf des Gemüsebauers ist attraktiv.« Man habe gute Karrieremöglichkeiten und finde schnell eine Stelle.

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