3.02.2015 14:46
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bilaterale
ETH: Ende der Bilateralen gefährdet Erfolgsmodell
Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) geht davon aus, dass ein Ende der bilateralen Abkommen mit der Europäischen Union das wirtschaftliche Erfolgsmodell der Schweiz gefährden würde. Die KOF empfiehlt der Politik, alle Möglichkeiten zur Weiterführung der Bilateralen zu prüfen.

Eine am Dienstag präsentierten Studie analysiert den Einfluss der Bilateralen auf die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre in der Schweiz. Untersucht wurde vor allem die Wirkung des Personenfreizügigkeitsabkommens (FZA).

Die erfreuliche Entwicklung der Schweizer Wirtschaft in den letzten zehn Jahren könne zwar nicht ausschliesslich auf das FZA zurückgeführt werden, sagte KOF-Arbeitsmarktexperte Michael Siegenthaler. Die Einwanderung habe aber zu einer Zunahme des «Humankapitals» geführt.

Hohe Zuwanderung

Das FZA hat gemäss Schätzungen der KOF zwischen 2002 und 2012 zu einer jährlich um 16'300 bis 26'300 Personen (im Alter von 15 bis 64 Jahren) höheren Zuwanderung geführt. Die Hälfte davon sei dadurch kompensiert worden, dass die Zuwanderung aus Drittstaaten ausblieb. Das politische Ziel, die Zuwanderung aus EU-Staaten gegenüber jener aus Drittstaaten zu bevorzugen, scheine erreicht worden zu sein.

Netto hat die Personenfreizügigkeit gemäss Siegenthaler die Zuwanderung der 15- bis 64-Jährigen um jährlich etwa 10'000 bis 15'000 Personen erhöht. Die hohe Zuwanderung in den letzten Jahren sei auch auf andere Faktoren wie die relativ gute Wirtschaftsentwicklung und die zunehmende Verflechtung der Schweiz mit der grösser gewordenen EU zurückzuführen.

Zugewanderte verdrängten kaum Einheimische

Geändert hat sich die Zusammensetzung der Zuwanderung gegenüber der Zeit vor dem FZA, indem der Anteil besser Qualifizierter gestiegen ist. Die Einwanderer aus Europa seien in erster Linie aufgrund einer höheren Nachfrage von Schweizer Unternehmen gekommen. Die Zugewanderten haben kaum bereits ansässige Arbeitnehmer ersetzt.

Die geringen Verdrängungseffekte dürften laut Studie darauf zurückzuführen sein, dass die Zuwanderung über die höhere Konsumnachfrage und die gestiegene Standortattraktivität der Schweiz zu einem grösseren Stellenangebot in der Schweiz führten.

Unternehmen laut KOF-Umfrage verunsichert

Die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative vor einem Jahr hat bei Schweizer Unternehmen laut Studie zu einem «Unsicherheitsschock» geführt. Die seither geführten Lösungsdiskussionen hätten die Unsicherheit weder entscheidend reduziert noch erhöht, wie zwei KOF-Umfragen im Frühjahr und im Herbst 2014 ergaben.

Ein grosser Teil der Unternehmen hat laut KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm die Investitions- und Beschäftigungspläne bisher kaum verändert. Dennoch verursache die Unsicherheit Kosten. Ein gewisser Teil der Firmen halte Investitionen zurück, manche hätten sie bereits ins Ausland verlagert.

In einer Simulationsrechnung untersuchte die KOF, was eine Kündigung der bilateralen Abkommen für das Wirtschaftswachstum bedeuten würde. Die stärksten negativen Auswirkungen drohten bei den Investitionen, vor allem bei den Wohnbauinvestitionen. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) würde laut Sturm in den nächsten Jahren um jährlich 0,2 Prozentpunkte geringer ausfallen.

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