28.06.2014 08:36
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
EU-Milchbauern verdienen 10 Franken pro Stunde
Trotz guten Milchpreisen können 58 Prozent der europäischen Milchbauern ihre Vollkosten nicht decken. Dafür bräuchten sie 41,4 Cent/kg Milch. Doch sie bekommen 36,5 Cent/kg. Das reicht für einen Stundenlohn von 10 Franken.

Am Gipfeltreffen der europäischen Milchbauern in Winterthur wurden gestern die Vollkosten von 301 untersuchten Milchbetrieben aus ganz Europa im Jahr 2013 vorgestellt. «Im Schnitt erzielten diese Bauern einen Milchpreis von 36,5 Cent/kg (45,6 Rp.)», berichtete Steffi Wille-Sonk von den European Dairy Farmers (EDF).

Im Schnitt fehler 5,4 Cent/kg

Der Ertrag inklusive Direktzahlungen betrage 43,9 Cent/kg (54,9 Rp.). Die totalen Vollkosten liegen aber bei 49,3 Cent/kg (61,6 Rp.). «Die Erträge sind also nicht hoch genug, um die Vollkosten zu decken. Im Schnitt fehlen 5,4 Cent pro kg Milch», erläuterte sie.

Der Break-even-Point, also der Milchpreis, ab dem die Kosten gedeckt wären, betrage im Schnitt 41,4 Cent/kg (51,7 Rp). Nur 27 Prozent produzierten demnach ohne Direktzahlungen profitabel. Weitere 15 Prozent der Betriebe seien es, wenn man die Direktzahlungen einberechne: «Das bedeutet aber auch, dass 58 Prozent der europäischen Milchbauern ihre Vollkosten nicht decken können.»

Gar nur 21% der Betriebe könnten rentabel Milch für weniger als 35 Cent/kg (43,7 Rp.) produzieren. Der durchschnittliche Stundenlohn der untersuchten Betriebe habe im vergangenen Jahr 8.20 Euro (10.24 Franken) pro Stunde betragen. «In meinem Heimatland Deutschland diskutieren wir über einen Mindestlohn von 8.50 Euro pro Stunde», betonte Wille-Sonk.

Kosten ständig am Steigen

Doch wie schaffen es die Milchbauern, sich trotzdem über Wasser zu halten? «Die Differenz zwischen dem, was die Bauern als Unternehmer brauchen, und dem, was sie brauchen, um kurzfristig zu überleben, ist gross», lautete ihre Antwort. 82 Prozent der Bauern seien in der Lage, die kurzfristigen Kosten wie etwa für Futter aus dem Betrieb zu erwirtschaften: «18 Prozent können aber nicht einmal das», fügte sie an. Die Kosten seien seit Jahren ständig am Steigen.

So betragen die Futterkosten im Schnitt rund 25 Prozent sämtlicher Kosten. «Wir müssen uns überlegen, wie wir entweder die Kraftfutterkosten reduzieren oder wie wir mehr aus dem eingesetzten Futter machen können», betonte sie. Auch bei den Arbeitskosten müsse der Hebel angesetzt werden. Die EDF-Rechnung zeige, dass die Unterschiede in der Arbeitsproduktivität gross seien. «Die Spanne reicht von 296 bis zu 1411 Arbeitsstunden, welche pro 100'000 kg Milch eingesetzt werden.»

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