6.08.2014 13:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Ruth Floeder-Bühler, lid
Ackerbau
Flächenmanagement professionalisieren
Einer vielseitigen Landwirtschaft mit weiter Fruchtfolge kann die Kleinräumigkeit genommen werden, wenn Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter unternehmerische Partnerschaften eingehen. Der Einsatz modernster Technik bedeutet gleichermassen umweltschonende wie arbeitssparende landwirtschaftliche Praxis. Eine Intensivierung am richtigen Platz kann der Landwirtschaft gut tun.

Joel Meier, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Phytomedizin, erinnert sich an seinen Grossvater: Während des Zweiten Weltkriegs hatte er zusammen mit anderen Bauern Rapssaat importiert. Es gab erste Versuche mit Rapsöl, das damals wegen des hohen Gehalts an Erucasäure wenig bekömmlich war.

Die Ölsaatgewinnung 1946 gemahnte an die Getreideernte: Mähen mit Mähbalken durch Pferdezug, Garben binden, Puppen machen, aufladen, einbringen, dreschen in der Tenne mit der Dreschmaschine namens Erntesegen. Der Bedarf an Arbeitskräften und Maschinen auf dem bäuerlichen Familienbetrieb war enorm. Mit dem überbetrieblichen Einsatz der Spezialmaschinen ging der überbetriebliche Arbeitseinsatz einher. Bei Arbeitsspitzen wurden zusätzliche ausserbetriebliche und ausserfamiliäre Arbeitskräfte engagiert.

Weniger Arbeitszeit benötigt

Der Bedarf an Arbeitszeit ist durch den technischen Fortschritt mittlerweile massiv zurückgegangen. Bei reduzierter Bodenbearbeitung liegt der Arbeitsaufwand für Weizen in der Schweiz heute unter zehn Stunden pro Hektare. Tagelange manuelle Feldarbeit ist seit der Jahrtausendwende auch in den Zuckerrüben vorbei (siehe Abbildung).

Während die Erträge bei Raps und Mais weiter ansteigen, stagnieren die Weizenerträge, anders als in Deutschland, in der Schweiz. Andreas Keiser, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften, führt dies auf die Extensoproduktion seit 1993 zurück, die heute 50 Prozent der Weizenfläche ausmacht. Der Verzicht auf Wachstumsregulatoren, Fungizide und Insektizide neben dem Ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) hat seinen Preis.

"Mit der Extensivierung nützen wir unser Potential nicht aus"

Mit dem Wachstumsdruck durch die frei werdenden landwirtschaftlichen Fachkräfte und die zunehmende Effizienz der Maschinen und Gerätekombinationen nimmt die Zahl der Betriebe über 25 ha zu, derjenigen unter 25 ha ab. Allerdings werde die Strukturentwicklung durch die Agrarpolitik eher verlangsamt. "Mit der Extensivierung nützen wir unser Potential nicht aus", so Keiser. Ausserbetriebliche Beschäftigung entprofessionalisiere die Landwirtschaft. Besser setze man das Know-How für höhere Wertschöpfung bei der Nahrungsmittelproduktion ein, für betriebliches Wachstum also, sagt Keiser.

Die Betriebsleitung muss auch auf dem bäuerlichen Familienbetrieb länger je mehr als anspruchsvolle Managementaufgabe verstanden werden. Unternehmerisch handeln heisst, die Führung übernehmen, Betriebsabläufe definieren und optimieren, Partnerschaften eingehen. Aus der Produktion soll nicht nur das Familieneinkommen generiert werden. Der Gewinn soll in neue Projekte reinvestiert werden. Innovative Ideen wollen auf den Boden der Realität geholt werden. Der Pflanzenbauwissenschaftler Keiser und der Phytomediziner Meier stellen fünf Anforderungen für ein nachhaltiges Wachstum unter Einhaltung der Guten Landwirtschaftlichen Praxis (GLP):

  1. Regionale Durchmischung von Ackerbau und Tierhaltung

    Mit Spezialisierung, Intensivierung und dem Einsatz modernster Technik auf möglichst grosser Fläche kann man zwar die Ressourceneffizienz steigern. Aber phytosanitäre Probleme wie die Überdauerung von Schädlingen und die Bildung von Resistenzen infolge hohen Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln sind programmiert. Vielseitige Fruchtfolgen und standortgerechte Kulturwahl sind vorbeugender Pflanzenschutz.

    In der Schweiz werden Kartoffeln in der Regel höchstens jedes vierte Jahr auf der gleichen Parzelle angebaut. Unsere Agrarforschung weist denn auch geringen Infektionsdruck der Wurzeltöterkrankheit Rhizoctonia solani in den Böden nach. Befallsfreies Pflanzgut und Beizung bei der Pflanzung verhindern den Befall.

    Vergleichsparzellen in der Oberpfalz in Deutschland mit Spezialisierung auf Gemüse und Kartoffeln werden in engen Fruchtfolgen bewirtschaftet. Kartoffeln kommen jedes zweite oder dritte Jahr auf dieselbe Parzelle. Entsprechend hoch ist der Infektionsdruck im Boden. Die Wirkung von Knollenbeizung ist ungenügend. Mit dem Einsatz von Bodenfungizid riskieren Landwirte Folgeprobleme wie Rückstände und Resistenzen.
  2. Förderung der Flächenverfügbarkeit und der überbetrieblichen Kooperation

    Je höher der Grad der Zusammenarbeit ist, desto grösser sind die ökonomischen und ökologischen Vorteile. Beim jährlichen Flächenabtausch fehlt oftmals die Vertrautheit mit den Parzellen. Gab es zum Beispiel Probleme mit dem Drahtwurm? Der Informationsaustausch kann organisiert werden, wenn unabhängige Betriebe die Fruchtfolge gemeinsam planen. Verbindlicher wird es bei vertraglicher Reglung der Fruchtfolgegemeinschaft (Betriebszweiggemeinschaft). Höchste Rechtssicherheit bietet die Betriebsgemeinschaft.

    Wenn Partnerschaften eine gemeinsame Fruchtfolgeplanung vorsehen, ist eine gezielte Parzellenwahl möglich, denn die Eigenschaften aller Parzellen sind bekannt. Es ist aber auch eine Verteilung der Aufgaben und Kompetenzen je nach Vorliebe und Fähigkeiten möglich. Prozesse können optimiert, die Infrastruktur sowie Maschinen und Geräte besser ausgelastet werden.

    Für eine Fruchtfolgegemeinschaft mit vier Betrieben auf einer Nutzfläche von insgesamt 144 ha wurde eine Einsparung an Arbeits- und Maschinenkosten von über 600 Franken pro ha und Jahr errechnet (siehe Abbildung). Die Betriebe erfüllen mit Kartoffeln, Zuckerrüben, Ölsaaten, Getreide, Mais, Milch, Rindviehmast, Schweinezucht und Pferden sowie Lohnarbeiten im Ackerbau auf ideale Weise das Gebot der regionalen Durchmischung von Ackerbau und Tierzucht. Es fällt auf, dass die Zahl der Traktoren von neun auf drei reduziert werden könnte und dass der grösste Traktor mit 128 kWh eine Überkapazität an Leistung hat.
  3. Nutzung bestehender Daten

    Die elektronischen Informationssysteme in der betrieblichen Infrastruktur und im Maschinenpark sowie in der öffentlichen Verwaltung (Geografisches Informationssystem GIS) generieren einen immensen Datenpool, der für die Optimierung der Produktion eingesetzt werden könnte. Die Ausbringmenge von Dünger und Pflanzenschutzmitteln könnte teilflächenspezifisch mittels Sensoren und Karten während des Arbeitsvorgangs definiert werden. Noch fehlt oftmals die Software für das Datenmanagement.
  4. Anwendung moderner Technik

    Zu den Herausforderungen der Zukunft gehört, neue Technologien für eine ressourcenschonende Produktion und Verarbeitung zu nutzen. Der Herbizideinsatz kann reduziert werden, indem man wieder hackt. Allerdings nicht manuell, sondern mit einem Hackgerät mit optoelektronischer Steuerung und Bandspritzung. Das Verfahren setzt jedoch grössere, gleichförmige Parzellen voraus.
  5. Hohe Fachkompetenz

    Aufgabe der Agrarpolitik ist es, eine professionelle Landwirtschaft zu fördern. Mit der Lohnarbeit wird Kompetenz delegiert, so dass viele Landwirtinnen und Landwirte nicht mehr auf dem Laufenden sind, was auf ihren Feldern geschieht. Die Stärkung der angewandten Forschung für eine nachhaltige Landwirtschaft ist das eine, die Ausrichtung der Beratung sowie Aus- und Weiterbildung auf die aktuellen professionellen Herausforderungen das andere.
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